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Sport- und Spielfest : Für jeden ein Stückchen TSV

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Sportverein feierte großes Fest auf allen Anlagen in der Hindenburgstraße. Individuelle Mosaikteilchen sollen die Finanzierung des Anbaus mittragen.

Gegen Mittag kam sogar noch die Sonne raus. Bis dahin hatten die Verantwortlichen des TSV Kappeln zwar nicht gezittert ob der feucht-schwülen Luft. Aber zumindest eine gewisse Unsicherheit hatte sich dennoch breit gemacht. Und das obwohl der TSV anlässlich seines großen Spiel- und Sportfestes bestens vorbereitet war: Man hatte nicht nur Aktionen draußen auf den Sportplätzen und dem Mini-Spielfeld parat, sondern ebenso so auch im Innern der Mehrzweckhalle. Und ganz nebenbei hat der TSV einen weiteren Schritt in Richtung seines großen Zieles getan: In nicht allzu ferner Zukunft will der Verein seinen Anbau realisieren und mit ihm seinen Sportlern endlich anständige Toiletten, Duschen und Umkleiden bieten. Dazu kann seit gestern jeder, der möchte, einen sichtbaren Teil beitragen.

Als TSV-Vorsitzende Dagmar Ungethüm-Ancker das Fest gegen viertel von zwölf eröffnete, hatten die Fußballer schon ihre ersten Spiele in den Knochen. Fünf Teams wetteiferten um den ersten Firmen-Cup, den der Verein ausgerufen hatten. Als Ansporn thronte der Pokal in einem Zelt direkt neben dem Spielfeldrand. An anderer Stelle auf dem A-Platz probierten sich Kinder und Erwachsene in der Randsportart Sumo-Ringen. Eigens dafür angefertige Anzüge, die – zumindest in Ansätzen – Gewicht und Umfang eines Sumo-Ringers simulieren sollten, machten die Besucher auffällig neugierig.

Einem echten Leichtgewicht stand derweil Vanessa Wiese auf dem C-Platz gegenüber. Ausgestattet mit Arm- und Fingerschutz zielte sie mit Pfeil und Bogen auf einen Luftballon, der einige Meter entfernt in der Mitte einer Zielscheibe befestigt war. Und bei der 23-Jährigen war der zweite Schuss bereits ein Treffer. „Das ist leichter, als ich dachte“, sagte sie hinterher. Als sie mit ihrem vierten Pfeil erneut den Ballon traf, zog ihr Einweiser Joachim Arleth ein deutliches Fazit: „Ein Naturtalent, eindeutig.“ Vanessa Wiese jedenfalls war „infiziert“. „Das würde ich wirklich gerne weitermachen“, sagte sie. TSV-Übungsleiter Martin Breithaupt betonte derweil eine besondere Eigenheit des Bogenschießens. „Die größte Herausforderung ist die Ruhe, die man braucht“, erklärte er. „Das ist kein Sport für Hektiker.“

In der Halle war indes von Ruhe nichts zu spüren. Die Einradfahrer absolvierten unter teils lautstarker Anfeuerung ihren Dreikampf, bei dem sie einen nach internationalen Maßstäben abgesteckten Parcours möglichst schnell, eine andere, eng bemessene Strecke möglichst langsam fahren und vom Einrad einen Ball in einen Stand-Basketballkorb befördern mussten. Nebenan zeigten die jungen Turnerinnen in ihren glitzernd-violetten Anzügen Balanceakte auf dem Schwebebalken oder eindrucksvolle Überschläge auf der Matte. Und auch die ganz Kleinen wagten sich mutig auf den Turnparcours, hangelten sich am Stufenbarren entlang oder sprangen mit einer Rolle vorwärts vom Kasten ins weiche Sprungkissen. Ganz weit vorne mit dabei: Moritz Jeske. Der Dreijährige flitzte ständig zwischen Barren, Sprungkissen und Krabbeltunnel hin und her.

Am frühen Nachmittag stellten sich mit Jennifer Heß und Michael Müller zwei Profisportler im Bogenschießen vor. Beide treten mit einem Handicap (Heß ist auf den Rollstuhl angewiesen, Müller benötigt eine Bein-Prothese) auf nationaler und internationaler Wettkampfbühne an – mit eindrucksvollen Erfolgen. Nach Kappeln waren sie gekommen, um – so formulierte es Heß – „zu zeigen, dass es unsere Sportart gibt – wir werden nämlich doch ganz schön vergessen“. Beide Spitzensportler sind nach Unfällen zum Bogensport gekommen. Müller, der früher Volleyball gespielt hat, sagte: „Mir wurde Bogenschießen als Reha-Maßnahme empfohlen.“ Anfangs ging es um Körperstabilität und Muskelaufbau, jetzt ist Müller Mitglied der Nationalmannschaft und in Gedanken schon bei der Weltmeisterschaft im nächsten Sommer. Jennifer Heß trat ein dreiviertel Jahr nach ihrem Reitunfall in einen Verein ein, um dort das Bogenschießen zu testen. „Alle anderen konnten stehen“, erinnerte sie sich. „Bei mir muss eben mehr aus der Hüfte und dem Bauch kommen als aus den Füßen.“ Zwei Jahre nachdem sie das erste Mal Pfeil und Bogen in der Hand hatte, war Heß schon Deutsche Vizemeisterin in der Halle.

Nach fünf Stunden Sport und Spiel war klar, dass sich der TSV in seiner ganzen Vielfalt präsentiert hatte. Und damit das möglichst noch lange so bleibt, will der Verein in einen Anbau investieren, der unter anderem neue Sanitäranlagen beherbergen soll. Wer sich aktiv daran beteiligen möchte, kann seit gestern rechteckige Mosaikteilchen in zwei verschiedenen Größen zu 50 Euro oder 100 Euro erwerben. Diese sind vollkommen individuell zu gestalten – eine Privatperson etwa kann sich völlig frei Farben aussuchen und ihren Namen darauf verwirklichen, Unternehmen können das Plättchen mit ihrem Logo versehen lassen. TSV-Vorstandsmitglied Bruni Wellhausen betonte: „Wir wollen es bunt, jung und quirlig, und trotzdem soll sich jeder wiederfinden.“ Am Ende sollen alle Teilchen zusammengenommen ein Gesamtbild ergeben, das die Außenwand des Anbaus ziert, im Idealfall sogar mit Beleuchtung. „Wir sehen es schon vor uns“, sagte Wellhausen und lachte. Auf diese Weise kann jeder seinen eigenen kleinen Baustein dazu beitragen, den TSV ein Stückchen in Richtung Zukunft zu tragen.

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erstellt am 08.Sep.2014 | 07:30 Uhr

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