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Ehrenamtliches Engagement : Friederike Engel verleiht Flügel

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die 83-Jährige engagiert sich für Aussiedler und erleichtert ihnen den Einstieg in ihr neues Leben Der Lohn: ein Besuch beim Bürgerfest des Bundespräsidenten.

„Ihr Name ist Programm“, lobt Antje Schümann, Leiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte (FBS) Kappeln, und fügt hinzu: „Sie heißt nicht nur Engel, sondern ist auch einer.“ Die 83-jährige Friederike Engel schmunzelt. Diese Zuordnung kenne sie, wie sie sagt, aus der Zeit, als sie Lehrerin an einer Handelsschule in Hamburg war. Da, habe sie sich, wie sie erzählt, den Schülern mit dem Satz „Mein Name ist Engel, und ich bemühe mich, meinem Namen alle Ehre zu machen“ begrüßt. Ein Rezept, dass sie kürzlich bis zum Bundespräsidenten gebracht hat.

Die gebürtige Stettinerin lebt mit herrlichem Blick auf die Schlei in Ellenberg. Als 2007 das europäische LOS-Projekt – LOS steht für „Lokales Kapital für soziale Zwecke“ – auf den Weg gebracht wurde, wurde für Kappeln die Teilnahme beantragt und bewilligt. Die Kappelner Idee für das Projekt lautete „Alt für Jung“ – vor dem Hintergrund, dass viele ältere Menschen bereit sind, junge Familien zu unterstützen. Es gab einen Informationsabend, und Friederike Engel meldete sich zum Mitmachen, denn: „Das passt zu mir.“ Seitdem leitet sie jeden Dienstag ab 18 Uhr im Ellenberger Pastorat einen Gesprächskreis für Aussiedler aus Kasachstan und der Ukraine. Die Treffen dienen dazu, sich mit der deutschen Sprache vertraut zu machen, die unterschiedlichen Sitten und Gebräuche kennen zu lernen und zu verstehen. Vermittelt hat ihnen Friederike Engel auch, dass Wählen nicht nur ihr Recht – schließlich besitzen sie die deutsche Staatsbürgerschaft –, sondern auch ihre Pflicht ist. Zudem werden, so wie es sich ergibt, Ausflüge nach Hamburg und nach Schleswig unternommen. Für Friederike Engel ist dieses ehrenamtliche Engagement längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Für sie ist es wichtig, für andere da zu sein, Verantwortung zu übernehmen und die Aussiedler bei ihrer Integration zu unterstützen. Dieses ehrenamtliche Tun wird begleitet von der Familienbildungsstätte. Doch damit nicht genug: Friederike Engel kümmert sich noch um vieles andere mehr, hilft beispielsweise bei der Suche nach Praktikumsplätzen, ist Mitorganisatorin der Interkulturellen Woche.

Und so hatte die FBS-Leiterin Friederike Engel als Vertreterin des Projektes „Alt für Jung“ für die Teilnahme eines Empfanges für Ehrenamtler bei Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue vorgeschlagen – mit Erfolg. Für die 83-Jährige eine Überraschung. „Beim Bundespräsidenten war es wunderschön“, erinnert sich Friederike Engel gerne an dieses Ereignis, das sie mit insgesamt 5000 Ehrenamtlern teilte: „Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte – in Begleitung meiner 20-jährigen Enkelin Carolin.“ Zurück in Ellenberg setzt sie ihre „Alt-für-Jung“-Arbeit wie gewohnt fort. Gespannt ist sie nun ebenso wie Antje Schümann, wie dieses Projekt, das zu den fünf nominierten für den Bürgerpreis Schleswig-Holstein - ausgelobt vom Land und der Sparkassenakademie – gehört, abschneidet. Im November wird der Gewinner in Kiel bekannt gegeben.

Die Hände in den Schoß legen, das ist nicht das Ding von Friederike Engel. Sie ist den Menschen stets zugewandt und zur Stelle, wenn sie gerufen wird. Auch Besuchsdienste stehen auf ihrer persönlichen Agenda. Bereits 1983 hatten sie und ihr Mann, die am Hamburger Stadtrand lebten, in Kappeln einen Aushang entdeckt, auf dem ein Wassergrundstück zum Verkauf angeboten wurde. Die Eheleute, die des Surfens wegen erst Damp, dann Kappeln für sich entdeckt hatten, griffen zu. Doch da der berufliche Ruhestand damals noch in weiter Ferne lag, wohnten Friederike Engel und ihr inzwischen verstorbener Mann in ihrem Haus mit Schleiblick zunächst nur an den Wochenenden und während der Ferien. In Ellenberg fühlt sich die Wahlkappelnerin wohl und freut sich, als Ehrenamtlerin Menschen helfen zu können.

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erstellt am 06.Okt.2014 | 07:30 Uhr

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