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Schlei-Bote

17. Oktober 2017 | 08:04 Uhr

Freie Sicht für Ferienhausbesitzer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nordhaken: Auf Vorschlag der Naturschützer wird der Zaun zum Schutz der Vögel 150 Meter entfernt vom Ostseeresort verlegt

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 12:39 Uhr

Die sechste Änderung des
B-Plans Nr. 65 „Port Olpenitz“ hatte es in sich. Immerhin ging es dabei um die Errichtung des Prädatorenzauns am Nordhaken, der vor allem die seltenen Bodenbrüter unter den Vögeln vor Fuchs und Marder schützen soll. Lange Zeit war dieses Thema ein heißes Eisen bei dem Großprojekt. Der Landesverband des Naturschutzbundes hatte noch im Sommer im Rahmen einer F-Plan-Änderung für das Ostseeresort Olpenitz die Errichtung des Zaunes als die derzeit „dringlichste Maßnahme“ bezeichnet.

Nun stand dieses Thema also im Bauausschuss an. Und nach der Beschlussvorlage wird der Prädatorenzaun, der ursprünglich direkt hinter den Ferienhäusern verlaufen sollte, um 150 Meter nach Norden verlegt, dort, wo seit März 2012 auf 250 Meter Breite ein provisorischer Elektrozaun installiert ist. Landschaftsarchitekt Uwe Herrmann vom Kieler Büro Bendfeld, Herrmann und Franke begründete die Änderung wie folgt: „Ansonsten hätten wir hier im Bereich zwischen Ferienhausnutzung und Naturschutz eine innerdeutsche Grenze gehabt.“

Dabei verwies Herrmann darauf, dass der Prädatorenzaun aus einem Metallgitter mit zwei Zentimeter engen Maschen besteht. Der Landschaftsarchitekt sah in der unmittelbaren Nähe zu den Ferienhäusern erhebliches Konfliktpotenzial zwischen Erholungsnutzung und Naturschutz, zumal der engmaschige, mindestens zwei Meter hohe Zaun dort auch noch weitgehend den Blick auf Schleimünde und den Leuchtturm verstellt. Dies sei den Bewohnern kaum vermittelbar. Herrmann: „Der Naturschutz wird so als Ausschluss des Menschen unter Beeinträchtigung seines Umfelds erlebt.“

Durch die Verlegung des Prädatorenzauns um 150 Meter gen Norden werde der Erholungswert kaum eingeschränkt. Ein mindestens 1,20 Meter hoher Zaun mit Heckenbewuchs wird dafür die Ferienhäuser vom Nordhaken abtrennen. In diesem Gebiet bis zum Prädatorenzaun soll sich die Natur weitgehend ungestört entwickeln. Dort soll nun durch zusätzlichen Sand eine Dünenlandschaft entstehen. Auch eine 4,60 Meter hohe Vogelwarthütte mit Aussichtsplattform des Naturschutzvereins Jordsand wird an der Stelle errichtet.

Weil die geschützte Fläche für die brütenden Vögel kleiner wird, sollen dafür die Schutzmaßnahmen verbessert werden. So wird der Prädatorenzaun auch ins Wasser reichen, sodass ein Fuchs ihn bei Niedrigwasser möglichst nicht umwandern kann. Zusätzlich werden Röhrenfallen installiert, die eingedrungene Raubsäugetiere einfangen sollen. „Auf diese Weise können wir die Situation für Erholungssuchende und für den Naturschutz verbessern“, sagte Herrmann, der darauf hinwies, dass dieser Lösung eine Vereinbarung mit den Naturschutzverbänden zugrunde liegt.

Nils Kobarg vom Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländlichen Räume (LLUR) erklärte am Telefon, dass dieser Vorschlag von den Naturschutzverbänden kam. „Der provisorische Zaun an der engsten Stelle des Nordhakens hat sich bewährt“, sagte Kobarg. Wie der Biologe erläuterte, versande die Schlei an der ursprünglich für den Prädatorenzaun vorgesehenen 500 Meter breiten Stelle schnell, sodass der Fuchs den Zaun bei Niedrigwasser umlaufen könne. Und zur Ostseeseite hin baue sich an dieser Stelle des Nordhakens gern eine Grundsee auf, der den Zaun beschädigen könnte. „Wir legen Wert auf die Kombination von Prädatorenzaun und Menschenzaun. Das Gebiet dazwischen wird keine Freifläche“, betonte Kobarg.

Da die Vögel ohnehin nicht in unmittelbarer Nähe der Menschen brüten würden, sprach Dieter Rackow von der Interessengemeinschaft Umweltschutz Kappeln und Umgebung (IGU) auf Anfrage unserer Zeitung von einer „sinnvollen und vernünftigen Lösung“.

Das sahen die Mitglieder des Bauausschusses offenbar auch so. Sie genehmigten ohne weitere Diskussion einstimmig den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss im vereinfachten Verfahren für den Prädatorenzaun. Das bedeutet, dass ein Umweltbericht hierfür nicht erforderlich ist. Uwe Herrmann begründete dies wie folgt: „Diese Änderung hat eine relativ geringe Bedeutung für die Umwelt.“

Nils Kobarg hofft nun, dass der Zaun im März zur nächsten Brutsaison fertig ist. Bis dahin muss das Gras unter dem Elektrozaun regelmäßig gemäht werden, um Spannungsabfälle zu vermeiden. „Der Fuchs merkt sofort, ob der Zaun unter Strom steht oder nicht“, so Kobarg. Der neue Zaun muss laut Kobarg von guter Qualität sein und über flexible Elemente verfügen. „Doch mit der Errichtung allein ist es nicht getan. Ich erwarte von der Helma oder der Stadt eine Zusage über die Unterhaltung des Zaunes“, sagte der Biologe. Andernfalls, so scheint es, könnte der Prädatorenzaun schnell wieder zu einem heißen Eisen werden.

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