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Festival in Kappeln : Folk Baltica reißt Grenzen ein

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Künstler aus Dänemark und Polen treten bei der 13. Auflage des Festivals in der Auferstehungskirche auf.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2017 | 14:00 Uhr

„Die große Reise“ – es ist ein einigermaßen vielversprechendes Motto, das sich die diesjährige Folk Baltica gegeben hat. Das bekannte Musikfestival, das ab dem 13. Mai seine inzwischen 13. Auflage erfährt, gibt sich allerdings noch grenzenloser als ohnehin schon. Künstler aus Estland, Polen, Dänemark, Finnland und erstmals aus Grönland, Kanada und den USA gehören in diesem Jahr zu den Mitwirkenden. Und Harald Haugaard, der künstlerische Leiter der Folk Baltica, erkennt darin aber noch mehr als nur die reine Geografie. „Die USA sind ein Auswandererland, viele von uns haben Verwandte dort“, sagt der Däne. „Und heute erlebt Europa auch eine Auswandererwelle.“ Insgesamt 35 Konzerte sollen während der Folk Baltica Gelegenheit geben, sich dazu Gedanken zu machen.

Flensburg, Klanxbüll, Husum, Aabenraa, Sonderburg – nur einige der Folk-Baltica-Spielorte. Und Kappeln. Henrik Jansberg gastiert am Donnerstag, 18. Mai, in der Ellenberger Auferstehungskirche. Ein dänischer Geiger, über den Harald Haugaard sagt: „Er ist eigentlich ein traditioneller Musiker, arbeitet aber auch mit verschiedenen Elektrosounds. Er ist sehr unmittelbar und mitreißend auf der Bühne.“ Nach Jansberg steht die Polin Joanna Slowinska an gleicher Stelle auf der Bühne. Haugaard beschreibt die Musik der Sängerin und Geigerin mit den Begriffen „experimentell“ und „variantenreich“. Und über beide Künstler zusammen sagt er: „Ich erwarte mir ganz viel von diesem Abend.“ Und die Auferstehungskirche? „Hat im vergangenen Jahr mit ihrer guten Akustik und der guten Lichttechnik überzeugt“, sagt der Festivalleiter.

Die Kappelner Konzertgäste dürfen neben außergewöhnlicher Musik noch etwas anderes erwarten – nämlich ein ganz spezielles Angebot. Juliana Christiansen, Folk-Baltica-Geschäftsführerin, kündigt einen Shuttle-Service des großen Festival-Sponsors Klaus & Co. An, der eine Filiale in Loitmark betreibt. „Weil die Parkplätze an der Auferstehungskirche erfahrungsgemäß recht schnell erschöpft sind, können Konzertbesucher auf dem Firmengelände in Loitmark parken“, erklärt Christiansen. Von dort fahren ab 19 Uhr (Konzertbeginn ist um 20 Uhr) Kleinbusse mehrfach zum Veranstaltungsort und nach Konzertende auch wieder zurück. Wer ein Folk-Baltica-Ticket hat, kann diesen Service kostenlos nutzen.

Am frühen Sonnabendnachmittag, 20. Mai, steht ein weiteres Konzert in der Nähe an: Im Landschaftsmuseum Unewatt in Langballig gastieren zwei Damen-Trios. „Sutari“ stammt aus Polen und ist in Harald Haugaards Augen „ein geniales Trio“. Warum? „Weil sie neben normalen Instrumenten auch mit Küchengeräten und Werkzeugen Musik machen.“ Eine norwegische Hardangergeige, eine schwedische fünfsaitige und eine dänische viersaitige Geige kommen bei „Fru Skagerrak“, einer Dreier-Kombo aus Dänemark, zum Einsatz. Und noch etwas ist speziell. Haugaard: „Das ist unser einziges Freilichtkonzert – aber nur bei gutem Wetter.“ Bei regnerischem und stürmischem konzertieren die Bands in der Scheune in Unewatt. Kaffee und Kuchen gibt es in jedem Fall.

Ohnehin sind die Veranstalter glücklich darüber, die Folk-Baltica-Konzerte tatsächlich über die ganze Region streuen zu können. Juliana Christiansen weiß genau, woran das liegt. „Das funktioniert nur, weil wir so gute Unterstützung an jedem einzelnen Ort haben“, sagt die Geschäftsführerin. „Sonst könnten wir das gar nicht leisten.“ Und leisten soll indes auch etwas die Musik. Harald Haugaard sagt: „Es geht um mehr als nur darum, eine politische Botschaft weiterzutragen. Kunst ist in der Lage, zum Nachdenken und zum Reflektieren beizutragen. Sie kann Fragen stellen und vielleicht auch Antworten liefern.“ In diesem Jahr geht sie dafür auf „Die große Reise“, in einer Zeit, in der Grenzen für einige wieder wichtiger werden, überschreitet sie Grenzen, kann prägen und verändern, ohne dabei zu werten. Und Kappeln? Haugaard lächelt. „Kappeln ist über die Jahre zu einer guten Folk-Baltica-Ecke geworden“, sagt er.

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