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Inklusion : Förderschüler auf dem Weg in den Beruf

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kappelner Berufsbildungszentrum und die Süderbraruper Schule am Markt gründen die landesweit erste gemeinsame Werkstufenklasse.

In Kappeln startete mit Beginn dieses Schuljahres ein bislang landesweit – und vielleicht sogar bundesweit – einmaliges Projekt der Zusammenarbeit von Berufsschule und Förderschule: Die Kappelner Außenstelle des Berufsbildungszentrums (BBZ) Schleswig und die Schule am Markt in Süderbrarup, Förderzentrum für geistige Entwicklung, initiierten ein schulisches Angebot in Form einer gemeinsamen Werkstufenklasse am BBZ in Kappeln. Unterstützt werden sie dabei von den Kappelner Werkstätten als Kooperationspartner.

Bei der Werkstufenklasse handelt es sich um eine Inklusionsmaßnahme auf Basis der von den Vereinten Nationen beschlossenen Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Darin erkennen die Vertragsstaaten „das gleiche Recht für Menschen mit Behinderungen auf Arbeit“ und „das Recht auf die Möglichkeit, den Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen“. Das Recht gilt auch für die Bildung. Danach haben „Menschen mit Behinderungen ohne Diskriminierung und gleichberechtigt mit anderen Zugang zu allgemeiner Hochschulbildung, Berufsausbildung, Erwachsenenbildung und lebenslangem Lernen“. Diese Prämissen wurden auch in das neue schleswig-holsteinische Schulgesetz aufgenommen. Darin wird ausdrücklich „die inklusive Ausbildung an allgemein- und berufsbildenden Schulen“ verlangt.

Auf dieser Basis haben die Schulleiterin der Schule am Markt, Anne Puzich, und der Leiter der Kappelner Außenstelle des BBZ Schleswig, Uwe Schürch, rund eineinhalb Jahre über eine Zusammenarbeit im Bereich Inklusion diskutiert. Dabei entstand der Plan, im BBZ eine Werkstufenklasse der Schule am Markt anzusiedeln, wobei die Teilnehmer an diesem Projekt weiterhin Schüler der Schule am Markt bleiben. Der Plan wurde nun Wirklichkeit.

Elf Schülerinnen und Schüler zwischen 16 und 18 Jahren sind Teil dieser Klasse und erfüllen damit ihre dreijährige Berufsschulpflicht. Sie werden von Berufsschullehrern unterrichtet. An drei Tagen der Woche beschäftigen sie sich mit den Themen Metall, Hausbereich und Pflege. Zusätzlich werden sie von Sonderschullehrern der Schule am Markt unterrichtet. Ziel ist es, den jungen Leuten eine Berufsorientierung zu ermöglichen und sie so auf das Berufsleben vorzubereiten.

Zur Einschulungsfeier konnten Uwe Schürch und Anne Puzich als Ehrengäste Kreispräsident Ulrich Brüggemeier, den Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderung, Professor Dr. Ulrich Hase, Martina Fey und Jan Nissen vom Bildungsministerium sowie die Schulrätin des Kreises Schleswig-Flensburg, Gabriele Wiese, begrüßen.

Anne Puzich betonte: „Durch das neue Inklusionsprojekt sind für die elf teilnehmenden Schüler neue Türen zum Einstieg in die Berufswelt geöffnet worden.“ Damit das Projekt ein Erfolg werde, seien Professionalität, Know-how und Einsatzbereitschaft erforderlich, betonten Puzich und Schürch. In diesem Zusammenhang stellten sie den von Klaus-Peter Schnoor, Lehrer in der Metallwerkstatt, geschaffenen Schlüsselanhänger vor. Auf jeweils einer Seite ist das Logo des BBZ und der Schule am Markt eingraviert. Er ist das Symbol für das gemeinsame Handeln.

Die Reihe der Grußredner eröffnete Kreispräsident Brüggemeier. Er lobte das „im wahrsten Sinne exklusive Projekt“ und betonte, dass „Inklusion eine originäre Verpflichtung des Staates“ ist. Darum müsse jeder einzelne Mensch, unabhängig von seiner Begabung, eine auf sich abgestimmte und intensive Förderung erhalten. Ulrich Hase machte deutlich, dass er genau weiß, wovon er spricht – denn er sei selbst behindert. „Ich bin taub“, erklärte er. „Ich lese vom Mund ab.“ Die Inklusion bedeute für Menschen mit Behinderung – im Gegensatz zur Integration, bei der sich die Betroffenen mühsam in Bildung und Arbeit hineinkämpfen müssen – „dass sie schon da sind“.

Hase bezeichnete die Werkstufenklasse als großartige Aktion, weil die ministeriellen Abteilungen Bildung und Berufsbildung bei dieser Maßnahme an einem Tisch sitzen. Für den Kooperationspartner Kappelner Werkstätten überbrachte Henning Herges Grüße und Glückwünsche. Als Geschenk hatte er für jeden der neuen Schüler einen Nistkasten mitgebracht.

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