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Kappeln : Flüchtlingsstrom: Awo sorgt sich um die Zukunft

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Verein leidet unter viel Arbeit und zu wenig Mitgliedern. Der Altersdurchschnitt beträgt über 60 Jahre.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2015 | 20:02 Uhr

Der große Flüchtlingsstrom stellt die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und ihre Mitglieder vor eine harte Belastungsprobe, die auch die Frage nach ihrer Zukunft aufwirft.

In der Awo-Kleiderkammer brummt es. Die vielen Flüchtlinge lassen die Nachfrage nach Kleidung und Hausrat nochmals ansteigen. „Wir gehen in Arbeit unter“, sagt Awo-Vorsitzende Maria Winter. Neben dem Gedränge in der Kleiderkammer müssen sich die ehrenamtlichen Helfer noch mit der Qualität der Sachspenden beschäftigen, besonders bei der Kleidung. Denn unter den Spenden sind alte Sachen dabei, die muffig riechen oder schmutzig sind, weil sie länger im Keller gelagert haben. „Manches werden wir nicht mehr los“, sagt die Awo-Vorsitzende.

„Flüchtlinge schauen nach modernen Sachen und Markenartikeln und die anderen Bedürftigen erst recht“, so Winter. Als Folge hätte die Awo eine regelrechte „Kleiderschwemme“. Dazu hat die Einrichtung ein großes Aufkommen an kleinen Dingen. Schriftführer Jürgen Strahl erläutert: „Vieles ist gut, vieles aber auch schlecht, da müssen wir aussortieren und wegschaffen.“ Manchmal müssen die Mitarbeiter noch eineinhalb Stunden nach Geschäftsschluss Sachen aussortieren.

„Für meine Frau ist dieser ehrenamtliche Posten inzwischen ein Fulltime-Job“, sagt Strahl über das Arbeitsvolumen seiner Ehefrau und Awo-Vorsitzenden Maria Winter. Weitere Helfer bräuchte die Einrichtung dringend. Die Zahl der Mitglieder hat mit 50 Rekordstand erreicht, kann aber nicht annähernd dem Vergleich mit den Schwester-Vereinen in Süderbrarup oder Harrislee standhalten. Hinzu kommt das vergleichsweise hohe Alter der Mitglieder. „Wir haben einen Altersdurchschnitt von über 60 Jahren“, sagt Strahl. Da ist die Zahl der Aktiven begrenzt und damit auch deren Leistungsfähigkeit. Angesichts der derzeitigen Altersstruktur sagt Winter: „Wenn wir keinen Nachwuchs bekommen, wird es uns in zehn Jahren vielleicht nicht mehr geben.“

Die Awo hat laut Vorstand ein schlechtes Image. Danach gilt die Awo als verarmt und verstaubt. Dabei zahlt der Verein schon seit einigen Jahren seine Miete aus eigener Kraft. Gegen dieses Vorurteil steuert der Vorstand an: mit Öffentlichkeits-Aktionen wie den Spenden an alle städtischen Kindergärten oder an die Jugendfeuerwehr Mehlby. Dazu kommt noch das materielle und finanzielle Engagement in der Senioren- und Familienhilfe.

In anderen Bereichen muss manche Tätigkeit begrenzt bleiben. Ein Möbellager etwa haben weder Stadt noch Awo. „Ich kann nur Möbel nehmen, wenn ich weiß, wohin damit“, sagt daher die Awo-Vorsitzende. Bei einer solchen Möbelspende müssen die Möbel in der Regel vor Ort abgebaut, abtransportiert und dann bei den Empfängern wieder aufgebaut werden. Jürgen Strahl: „Das ist ein Haufen Arbeit für uns Ehrenamtler.“ Zudem kommt eine weitere Miete für ein Möbellager finanziell auch nicht in Frage. Doch ein Möbellager der Stadt würde Awo-Ehrenvorsitzende Barbara Zink begrüßen. „Die Stadt spart auch, doch jetzt muss sie zur Ausstattung der Wohnungen für Flüchtlinge in eine Möbelhaus gehen“, so Zink.

Derzeit liegt der Fokus des Vereins auf der Flüchtlingsarbeit, doch auch Schüler aus sozial benachteiligten Familien will die Awo unterstützen, um ihnen die Teilnahme beispielsweise an Klassenfahrten zu ermöglichen. Für größere Effektivität in der Flüchtlingsarbeit fordert Strahl ein engeres Netzwerk. Vor Kurzem sei dazu der Anfang gemacht worden. Erstmals ist die Awo zu einer Sitzung am runden Tisch der Flüchtlingshilfe „Hand in Hand“ eingeladen worden. Und noch etwas sei für die Awo wichtig: Spenden und vor allem Mitglieder. Winter verspricht: „Bei uns braucht keiner Schwellenangst zu haben." Und Strahl ergänzt: „Jeder, der gemeinnützig arbeiten möchte oder Mitglied werden will, ist herzlich willkommen.“

 

> Awo-Mitglied kann man schon ab 2,50 Euro monatlich werden. Interessenten melden sich bei der Awo, Mühlenstraße 19, in Kappeln oder ✆ 0 46 42 / 38 08.

 

 

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