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Schlei-Bote

18. Oktober 2017 | 08:33 Uhr

Fische fangen wie die Wikinger

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Beim Tag der Fischereigeschichte präsentierte Jörg Nadler Fangtechniken, Geräte und Essgewohnheiten aus längst vergangenen Zeiten

„Meine Kleidung ist für das Boot 500 Jahre zu alt“, meint Jörg Nadler, als er neben seiner Smakkejolle steht und erklärt, sie gehöre zu den kleinsten seetauglichen Booten überhaupt. Am diesjährigen Tag der Fischereigeschichte hat sich der Holmer Fischer am Wochenende rein kleidungstechnisch ins Jahr 1480 begeben, jedoch umfasst seine Geschichte zum Anfassen weit mehr als nur das Mittelalter.

So beginnt die lebendige Ausstellung aus historischen Fundstücken und Nachbildungen im hintersten Teil seines Gartens auf dem Holm mit der Wikingerzeit. Dort befindet sich der Einbaum, den Jörg Nadler 2010 nach historischen Vorbildern nachgebaut hat. „Das Holz stammt von einer Pappel, die ich aus dem Wald von Frau von Samson habe – die heutige Priörin des St.-Johannis-Klosters“, erklärt er. Daneben hängt ein Fischernetz. Doch die Wikinger lebten nicht von Fisch allein – auch wenn die Bestände schon damals überfischt gewesen seien, wie Beate Stein zu berichten weiß. „Sie ernährten sich auch von Gerste“, sagt die Köchin und Hobby-Historikerin, die sich auf die Essgewohnheiten der Wikinger spezialisiert hat. Im Grunde wurde in Haithabu „nur das angebaut, was es in der Umgebung nicht wild gab“. Wesentlich schwerer hätten es die Friesen gehabt, deren Land regelmäßig von Salzwasser überflutet wurde und daher nur Bohnen gedeihen ließ und zur Schafzucht taugte. „Die Bohnen baue ich auch selber in meinem Garten an, weil man die nicht mehr kaufen kann. Der Ertrag ist sehr gut, und sie schmecken total lecker“, schwärmt Stein.

Verheißungsvoll duftet auch der Fisch, den Jörg Nadler in einem spätmittelalterlichen Räucherofen zubereitete. „Als ich ihn angezündet habe, hat es gerade geregnet.“ Daher sei er in Sorge gewesen, den Besuchern keinen frischen Räucherfisch anbieten zu können. In dem Fall hätte er jedoch auf den einen oder anderen Salzhering zurückgreifen können, die als Requisiten den Stand aus dem Mittelalter bereichern und 24 Monate genießbar sind. Dort, im Jahre 1480, fühlt er sich ein Wochenende lang heimisch, schließlich trägt er die passende Kleidung – „auch wenn das, was ich an mir trage, eigentlich die Unterwäsche aus dieser Zeit ist“. Damals wurde übrigens alles gegessen, was weich war und aus dem Wasser kam, „auch Frösche“, erzählt Nadler. Auf seinem Tisch findet sich auch ein Messer, das in einer Scheide aus Aalhaut steckt: „Das ist was für faule Leute, da müssen sie nicht nähen.“

Eines der ältesten Stücke in seiner umfangreichen Sammlung ist eine Granatkugel aus dem Jahre 1864. Die leicht eingedellte Kugel sei angeblich auf das Eis gefallen, „so hat es einst eine ältere Holmerin erzählt“. Lange Zeit diente die Granate als Netzanker, nun ist es ein anschauliches Beispiel dafür, mit welcher Kreativität die Fischer bisweilen an ihre Arbeit gingen. Zudem wurde Vorhandenes sorgsam gepflegt. So besitzt Jörg Nadler ein Fischernetz aus dem Jahr 1914, mit dem er heute noch fischen gehen könnte. „Aber das wäre mir viel zu schade dafür“, wiegelt er ab.

Derweil bemüht er sich darum, seine Sammlung zu erweitern. „Zum Teil werden mir die Dinge von Fischerfamilien geschenkt“, erklärt er. Zuletzt habe er von der Familie Ross einen Kescher erhalten.

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