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Kameras in Kappelns Einkaufsstraße : Film ab: Ein Bauer in der Kleinstadt

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Amateur-Crew aus Mohrkirch dreht in Kappeln. Weitere Autoren, Tontechniker, Kameraleute und Regisseure werden gesucht.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 06:12 Uhr

Kappeln | „Ruhe bitte. Und – Kamera läuft.“ Dreharbeiten in der Schmiedestraße: Der Regisseur gibt Anweisungen, der Hauptdarsteller rückt die Mütze zurecht und die Komparsen warten auf ihren Einsatz. Interessierte Passanten bleiben stehen, gucken zu und tuscheln. Bekannte Gesichter und Logos von Fernsehsendern oder Produktionsfirmen sind nicht zu entdecken. Spannend ist die Szenerie trotzdem. Die Filmcrew in der Kappelner Innenstadt gehört zu Hawophilm, einem Team von Amateurfilmern aus Mohrkirch.

Gummistiefel, Schlabberjacke, Schiebermütze – ein alter Mann, Typ tüddeliger Landwirt, schlendert durch die Kappelner Einkaufsstraße. Er guckt in Schaufenster und Auslagen, wundert sich über neumodische Sachen und die hohen Preise. Er kommt zum Capitol-Kino, bestaunt die Plakate und tritt kurzentschlossen ein. Er kauft eine Karte, eine zweite und eine dritte... Warum? Das klärt sich am Ende.

„Es ist ein verfilmter Witz“, sagt Hans-Wolfgang Philipp. Der Kurzfilm hat noch keinen Namen und ist eines von vielen Projekten, die die Filmliebhaber bereits umgesetzt haben. „Am Ende wird der Film nur etwa zwei Minuten lang sein“, beschreibt Regisseur und Produzent Hans-Wolfgang Philipp. „In der Kürze liegt die Würze. Wir wollen nicht alles zeigen, der Zuschauer kann es für sich zu Ende denken.“ Der Aufwand für den kurzen Streifen ist jedoch vergleichsweise hoch. Zwei bis drei Stunden saßen die Amateurfilmer am Drehbuch, so lange nahmen auch die Vorbereitungen in Anspruch. Die Dreharbeiten haben jetzt insgesamt weitere vier Stunden gedauert. „Und für den Schnitt rechnen wir etwa drei Mal so viel Zeit ein, wie für die Drehzeit“, beschreibt Michael Christiansen aus Großsolt. Er ist nach Philipp der zweite Kameramann im Team und mit ebenso viel Herzblut bei der Sache. Zum Hawophilm-Team, das sich 2013 über eine Zeitungsmeldung gefunden hat, gehören auch Regina Lüdke, Anke Schmidt, Ruud van der Tang und Hilde Philipp. Gemeinsam arbeiten sie an Texten und Szenen, Technik und Schnitt. Als Hauptdarsteller, den Landwirt in der Stadt, konnten sie für das neue Projekt Nico Bossen gewinnen. Der 77-Jährige kommt aus Handewitt und kennt Teile der Filmcrew von den „filmakteuren flensburg“.

Als Philipp in der Runde fragte, ob jemand mitspielen würde, hat der Musiker, der früher als Alleinunterhalter Auftritte in ganz Schleswig-Holstein hatte, nicht lange gezögert und ist in die Rolle des „Bauern Matte“ geschlüpft. Auch die Statisten, die durch die Straße laufen, in das Kino kommen und Karten lösen, kennt Hans-Wolfgang Philipp zum Teil persönlich, wie Anette Göldner aus Jardelund, die Teile ihrer Familie und Freunde mitgebracht hat, wie Lena Meyer aus Schafflund. Die 19-Jährige hatte vorher noch nie bei Filmarbeiten mitgewirkt. „Ich wusste nicht, auf was ich mich da einlasse“, sagt sie und lacht. Auch wenn der Abend lang und kühl wird und einige Szenen nochmal und nochmal gedreht werden müssen, bevor sie im Kasten sind, haben die Statisten offensichtlich jede Menge Spaß.

Eine Gage gibt es allerdings nicht. „Vielen Dank – die Crew war hervorragend“, sagt Hawophilm-Chef Philipp am Ende und lädt alle zu einem Getränk nach Wahl ein. Auch den Kappelner Kinobetreibern Carmen Schrief und Michael Wittkowski ist Philipp dankbar. „Wir arbeiten gut und gern zusammen“, sagt er. Etwas bezahlen kann Hawophilm den Helfern aber nicht. „Wir verdienen damit ja nichts, wir zahlen eher noch etwas drauf“, erklärt Christiansen.

An diesem Abend wird deutlich, mit wie viel Einsatz die Hawophilm-Crew das Hobby betreibt. „Es liegt uns viel daran, dass auch Amateurfilme eine gute Qualität haben können“, sagt Philipp. „Dann haben sie es auch verdient, gezeigt und nicht im Schrank eingeschlossen zu werden. Auch das Präsentieren gehört für uns dazu.“ Die Sechs treffen sich alle vier Wochen dienstags in der Alten Schule Mohrkirch und würden sich über weitere Interessierte freuen. „Wer Lust hat, mitzuarbeiten, sich für das Filmen von Kurz-, Dokumentar- und Spielfilmen oder für Licht- und Tontechnik interessiert, ist jederzeit willkommen. Je mehr wir sind, desto mehr ist auch möglich“, sagt Michael Christiansen. Wer das Thema und Hans-Wolfgang Philipp erstmal kennenlernen möchte, kann das auch bei einem Kurs an der VHS Schleswig: Philipp bietet ab dem 1. November den Kursus „Filme machen“ an. Darüber hinaus ist am 1. Februar 2018 um 19 Uhr im Mohrkircher Gemeindehaus der erste Autorenfilmabend geplant, an dem andere Autoren und Filmer ihre Ergebnisse vorstellen können.

Wenn der Film vom „Bauern Matte im Kino“ fertig ist, wird er auf der Homepage www.hawophilm.de und bei YouTube zu sehen sein.

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