Kappeln : Fastenbrechen bei Sonnenuntergang

Guten Appetit wünschen Hedam aus dem Irak Tahat Al-Olofi (li.) aus dem Jemen und Dagmar Struß vom „Frauenzimmer“ (r.).
Guten Appetit wünschen Hedam aus dem Irak Tahat Al-Olofi (li.) aus dem Jemen und Dagmar Struß vom „Frauenzimmer“ (r.).

Die Flüchtlingshilfe des „Frauenzimmer“-Fördervereins lud zur gemeinsam Aktion auf den Grillplatz ein.

shz.de von
13. Juni 2018, 12:00 Uhr

„Ich habe Hunger“, sagt der 42-jährige Taha Al-Olofi. Vor elf Monaten verließ er den Jemen, seit neun Monaten lebt er in Kappeln. Taha Al-Olofi ist Moslem, und das bedeutet für ihn im Rahmen des einmonatigen Ramadan, der mit dem 14. Juni endet und gleichbedeutend mit dem neunten Monat des islamischen Mondkalenders ist, dass er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nicht essen und trinken darf. Das ist eine lange Zeit und so freut er sich, als der Uhrzeiger auf 21.50 Uhr rückt. Seit 2.45 Uhr in der Frühe hat er gefastet, wie es seine Religion vorschreibt. Aber nun hat er Hunger und greift zu.

Gemeinsam „Fastenbrechen“, dazu hatte die Flüchtlingshilfe des „Frauenzimmer“-Fördervereins eingeladen und keine Fehlbitte getan. Rund 60 Flüchtlinge moslemischen Glaubens, aber auch Einheimische, waren zum Grillplatz an der Schlei gekommen, um das Fasten zu unterbrechen. „Wenn das auch nicht unsere religiöse Tradition ist, wir sind gerne dabei”, sagt Aster, die ihren zweijährigen Sohn Noha im Arm hält. Sie stammt ebenso wie Abrehet mit ihren Kindern Sivana und Hanna aus Eritrea. Sie sind, wie auch Jonas, orthodoxe Christen.

Ob Christ oder Moslem – sie verstehen sich gut und haben sich in Kappeln angefreundet. Sie wissen, dass das Fasten – in diesem Jahr begann der Ramadan am 16. Mai - ein fester Bestandteil des Islams ist und zu den fünf Säulen dieser Religion gehört. Das Fastenbrechen ist während des Ramadans – an dessen Ende schließt sich ein dreitägiges „Zuckerfest“ an – der abendliche Abschluss eines Tages, und da sind gegenseitige Besuche üblich. Daher findet das Fastenbrechen häufig in größeren Kreisen mit Verwandten, Nachbarn, Freunden oder Bekannten statt.

Für einen solchen großen Kreis hatte der „Frauenzimmer“-Förderverein gesorgt. Initiiert hatte das gemeinsame Fastenbrechen die Vorsitzende des Vereins, Christiane Schwerdhöfer, unterstützt von Rouchin Mala, die aus Nord-Syrien stammt und vor vier Jahren nach Deutschland kam. Gekommen war auch die 23-jährige Sara Tawakol aus der syrischen Stad Homs, die sich vor zweieinhalb Jahren alleine von der Türkei aus mit einem Boot übers Mittelmeer in Richtung Westen auf den Fluchtweg begab. Das Fasten ist für sie als Muslima ein Muss. Wenn sich auch Kopfschmerzen und knurrender Magen einstellen, nach dem Fastenbrechen geht es ihr besser. Sie sagt, dass Kinder bis zum zwölften Lebensjahr, Schwangere und stillende Mütter nicht fasten müssen.

Die Brüder Laith (22) und Ibsan (31) sind Iraker, lebten einst in Basra. Mit Mutter Hedam und Schwester Benin verließen sie ihre Heimat und sagen, dass für sie der Ramadan und damit verbunden das Fastenbrechen eine Selbstverständlichkeit seien. Natürlich hat Mutter Hedam für das Fastenbrechen, bei dem auch Grillen angesagt war, gekocht und stellt eine Schüssel mit Beryani auf den Tisch: Lammfleisch mit Reis, Mandeln, Kartoffeln, Rosinen und Zwiebeln. Alle lassen es sich schmecken. Beim gemeinsamen Essen spielt die Sprache – Arabisch, Englisch, Deutsch – keine Rolle. Man versteht sich auch ohne viele Worte.

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