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Schlei-Bote

15. Dezember 2017 | 05:54 Uhr

Familien-Mensch mit Fernweh

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Struxdorfer Charly Munnecke ist mit ganzem Herzen Schmied – und er reist für sein Leben gern

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2014 | 12:51 Uhr

  Sie sorgen nicht unbedingt für Schlagzeilen, sind aber in ihrer Heimat bekannt wie ein bunter Hund: In unserer neuen Serie porträtieren wir gemeinsam mit der Fotografin Susanne Panozzo Menschen, die auf ihre ganz eigene Art unverwechselbar sind. Weil sie echte Typen sind – Originale eben.

Was macht ein Schmied, an dessen Werkstatt zufällig ein Isländer auf einem Pferd vorbei reitet, zwei seiner Skulpturen kauft und ihn anschließend einlädt, sie auf der Insel im Nordatlantik persönlich aufzustellen? Er packt seine Sachen und fährt hin. Jedenfalls dann, wenn er Charly Munnecke heißt. „Wenn sich eine solche Gelegenheit bietet, sollte man sie beim Schopfe packen“, sagt der 1,90-Meter-Mann aus Struxdorf, in dessen Ausweis der Vorname Carl-Lorenz eingetragen ist, knapp.

Das Fernweh liegt Munnecke im Blut. „Mein Uropa war schon in Afrika“, sagt er. Der Vater hat wegen des Fernwehs in der Schweiz als Fernfahrer gearbeitet. In jüngeren Jahren, als Munnecke noch keine eigene Familie hatte, bereiste er Südostasien, Kanada, Südamerika und Südafrika. Wenn ihn das Reisefieber packte, gab es kein Halten mehr, wurden keine Kompromisse gemacht – auch nicht seinem Chef gegenüber. Als es ihn Ende 1980er-Jahre unwiderstehlich nach Südostasien zog, ging Munnecke zu seinem Chef, bat um Urlaub, zwei Monate am Stück. „Du spinnst wohl, hat der Chef gesagt“, erinnert sich Munnecke und grinst. „Daraufhin habe ich gesagt: „Ich kündige.“ Sein Chef abermals: Du spinnst wohl. „So hatte ich meine zwei Monate Urlaub für meine Südostasienreise“, sagt Munnecke und grinst nun über das ganze Gesicht.

Elf Jahre arbeitete Munnecke als Betriebsschlosser bei Redlefsen in Satrup. Dann wollte er sich endlich seinen zweiten Traum erfüllen und als Schmied arbeiten, dafür hatte er schließlich Bauschlosser gelernt. Längst hatte er ein Auge auf die alte Schmiede im Nachbarhaus geworfen, doch der alte Schmied wollte ihm seine Werkstatt nicht überlassen. Jahrelang hatte Munnecke versucht, ihm die Schmiede abzuschwatzen, zu pachten oder zu kaufen, immer wieder vergeblich – und am Ende doch erfolgreich. Munnecke wurde Schmied.

Mannshohe Stahlskulpturen, meterbreite Eisentore oder eiserne Fensterbeschläge in der Größe einer Zigarettenschachtel – wenn Munnecke in seiner Schmiede den Hammer schwingt, spritzen die Funken und aus einem Klumpen Metall wird dann etwas Besonderes. Der Schmied aus Struxdorf kommt häufig ins Spiel, wenn andere längst die Segel gestrichen haben. Dann heißt es: „Das kann man nicht bauen. Aber es gibt einen da oben ganz im Norden, der kann das.“

Diese gute Nachrede brachte ihm auch schon Aufträge wie der für ein fünf Meter hohes, in barockem Stil gefertigtes Geländer für die Zentrale einer Hamburger Reederei oder für ein Geländer nach den Vorgaben eines angesagten Designers für eine Büroetage eines russischen Multimillionärs in der Hamburger Speicherstadt ein. Ansonsten fertigt er Tore und Portale, wie das des Schleswiger Fürstengartens, Skulpturen, Rosenbögen und Deko-Stücke. Diverse Kirchen in Angeln verdanken ihre goldenen Spitzen den Schmiedekünsten Munneckes.

Seit nunmehr 20 Jahren kämpft der Schmied aus Angeln um Aufträge und Selbstverwirklichung. Munnecke ist es dabei egal, ob es sich um eigene Entwürfe handelt, oder ob er eine Auftragsarbeit nach den Vorstellungen eines Kunden erledigt. Kreativ tätig wird er in jedem Fall, denn das Metall lässt sich nicht immer in jene Form bringen, die sich jemand auf dem Papier ausgedacht hat. Von Inspiration spricht der 51-Jährige dabei nicht gerne. Er sieht sich eher als Problemlöser, der die Vorstellungen seiner Kunden umsetzt – und, wenn gewünscht, auch weiterentwickelt.

Längst vorbei ist die Zeit, in der Charly Munnecke am liebsten und ausgiebig Party machte, Festivals von Jübek bis Roskilde besuchte. Heute liebt es der Familien-Mensch mit Fernweh, als Vater dreier Söhne, zu Hause zu arbeiten. „Ich genieße es sehr, von meinen Söhnen alles mitzubekommen“, sagt er. Seine Frau Birte kennt er schon aus der Schulzeit, „Ich war der, der die Mädchen im Bus geärgert hat“, sagt er. Sie verloren sich aus den Augen, trafen sich Jahre später wieder.

Seit Munnecke, geboren in Böklund-Kattbek, selber Familie hat, ist es Essig mit den Reisen. Sein Fernweh stillt er seither notdürftig, etwa wenn er seine Schmiede-Arbeiten bei den Kunden installiert oder, als er noch Obermeister der Metallhandwerker-Innung war, als Begleiter des deutsch-französischen Lehrlingsaustauschs. „Meine Frau hat das größere Fernweh als ich“, sagt der Schmied. Um das zu lindern, wollen die beiden dieses Jahr das Deichbrandfestival in Cuxhaven besuchen, mit all ihren Freunden und im Wohnmobil – „mit etwas Komfort“ – also fast ganz so wie in alten Zeiten.


> Näheres über die Arbeiten von Charly Munnecke im Internet unter www. schmiedearbeiten.com oder www.munnecke.de

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