Genehmigungspflicht : Fahrradtouren kommen unter die Räder

Auf Nummer sicher: Armin Blome sagte seine gestrige Fahrradtour ab.
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Auf Nummer sicher: Armin Blome sagte seine gestrige Fahrradtour ab.

„Das Risiko ist mir einfach zu hoch“: Die Anmeldungspflicht geführter Ausflugsfahrten sorgt für eine große Verunsicherung bei den Radtour-Führern.

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25. Juli 2014, 07:30 Uhr

Kappeln | Eigentlich wollte Armin Blome am Donnerstag für den Verein Naturpark Schlei eine Radtour leiten. Von Kappeln sollte es rund um die mittlere Schlei gehen, auf die sogenannte „Landarzt“-Tour über Lindaunis und Sieseby wieder nach Kappeln zurück. 40 idyllische Kilometer pure Werbung für die Urlaubsregion. Zum verabredeten Treffpunkt um 11 Uhr an der Schleibrücke erschien Blome allerdings ohne Fahrrad. Die Tour hatte er zuvor schon abgesagt, war nur noch gekommen, um Kurzentschlossene zu informieren.

„Das Risiko ist mir einfach zu hoch“, sagt Blome als Begründung für die Absage. Nicht, dass das Wetter zu warm wäre oder die Strecke halsbrecherisch – Blome ist einfach verunsichert, was die rechtliche Situation betrifft. Hintergrund sind Äußerungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Schleswig-Holstein, geführte Fahrradtouren müssten kostenpflichtig angemeldet werden. Armin Blome kennt die Vorschrift, dass angemeldet werden muss, wenn mehr als 100 Radler in einer Gruppe unterwegs sind. „Aber ich habe nun gehört, dass dies auch für Gruppen von unter 20 gilt.“ Das Risiko belangt oder als Leiter der Tour gar haftbar gemacht zu werden, wenn etwas passieren sollte, will er nicht eingehen. „Da gehe ich lieber auf Nummer sicher“, sagt er.

Die Verunsicherung hat Blome nicht exklusiv – sie hat in den vergangenen Wochen rasant um sich gegriffen, das bestätigt auch Marianne Budach, Geschäftsführerin der Tourismus-Organisation Grünes Binnenland. „Fahrradtourismus ist für uns ein wichtiges Standbein“, sagt sie. „Die Veranstaltungen, die wir mit Hans-Hermann Clausen geplant hatten, haben wir nun allerdings abgesagt.“

Max Triphaus, Geschäftsführer der Ostseefjord-Schlei GmbH, verweist darauf, dass der ADFC alle Touren abgesagt hat. „Das beschäftigt uns sehr. Wie bieten Touren zwar nur auf Nachfrage an und haben zurzeit nichts Aktuelles in Planung, aber ich denke beispielsweise an Vereine, die gern mit dem Rad unterwegs sind.“ Triphaus hat die Diskussion in den vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt und den Eindruck gewonnen, dass „der Dampf zuletzt ein wenig aus der Sache heraus ist“. Aber auch er und seine Organisation wollen auf Nummer sicher gehen. „Deshalb habe ich die Frage von Haftungen und Anmeldungen an den Tourismusverband Schleswig-Holstein weitergespielt und hoffe, dass wir bald eine klare Antwort bekommen.“

Welche Gruppen müssen angemeldet werden? Harald Haase, der Sprecher des schleswig-holsteinischen Verkehrsministeriums, das auch für Tourismus zuständig ist, sagt: „Eine Pflicht besteht, wenn die Zahl der Teilnehmer über 100 liegt.“ Für kleinere Gruppen sei das Land nicht zuständig „Damit haben wir überhaupt nichts am Hut“, so Haase. In der Praxis bedeute das, dass Gruppen sich anmelden sollten, wenn vorhersehbar sei, dass sie zu einem Verkehrshindernis werden könnten – wenn sie beispielsweise längere Strecken auf Bundesstraßen zurücklegen, die keinen Fahrradweg haben. „Dann kann die Behörde gegebenenfalls sogar für Polizeibegleitung und Sicherheit sorgen. Das wäre dann ein Verwaltungsakt, für den eine Gebühr fällig wird“, so Haase. Für kleine Gruppen, die sich auf Gemeinde- oder Kreisstraßen bewegen, Radwege nutzen oder auch Kreis- und Bundesstraße vorschriftsmäßig queren, sei eine Anmeldung nicht erforderlich, betonte der Sprecher des Ministeriums.

Auch was die Haftung betreffe, müsse sich niemand Sorgen machen, solange sich die Gruppe an die Vorgaben des Straßenverkehrsordnung halte.

Auch dem Ministerium ist die zurzeit herrschende Verunsicherung nicht verborgen geblieben. „Dafür gibt es allerdings keinen sachlichen Grund“, so Haase. „Die Bestimmungen haben sich seit 2008 nicht verändert.“

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