Feuer bei Orkan : Facebook hilft Familie nach Unglück

Vor der Brandruine: Helgart (r.) und Volker Schöwing mitHund „Howi“ sowie   Janine Böhrensen (li.) und Nicole Schnau.
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Vor der Brandruine: Helgart (rechts) und Volker Schöwing mit Hund „Howi“ sowie Janine Böhrensen (links) und Nicole Schnau.

Als Orkan „Christian“ wütet, legt ein Brand das Haus einer Familie in Grödersby im Kreis Schleswig-Flensburg in Schutt und Asche. Am Boden liegend erfährt sie viel Hilfe – nicht nur von Freunden und Nachbarn. Dank Facebook.

shz.de von
02. November 2013, 08:00 Uhr

Grödersby | Den Nachmittag des 28. Oktober werden die Eheleute Helgart und Volker Schöwing sowie ihr Sohn Phillip (9) so schnell nicht vergessen. Das war der Tag, an dem ein Feuer ihr aus dem Jahr 1850 stammendes Wohnhaus in Habertwedt unweit der Grundschule in Schutt und Asche legte – während des Orkans „Christian“, der das brennende Reet hinüber zu den gegenüberliegenden Häusern trieb und das Warten auf die Feuerwehr eine „gefühlte Ewigkeit“ dauerte.

Die Wehr konnte telefonisch nicht alarmiert werden – Stromausfall und kein Mobilfunknetz. Da machten sich die Nachbarn zu Fuß und mit ihren Autos als Brandmelder auf den Weg durchs Dorf. Als Ursache für das Feuer, das einen Totalschaden anrichtete, wird ein Kurzschluss vermutet.

Während der Orkan wütete, eilte die Familie nach draußen in den Garten, um einen sich abhebenden Pavillon an einen Apfelbaum anzuseilen. Danach kehrten Mutter und Sohn zurück ins Haus: Schulaufgaben zu erledigen. Doch es hielt sie, wie die 44-jährige Mutter rückblickend erzählt, nicht lange drinnen. Denn draußen „flog alles durch die Luft“. Also eilten auch sie nach draußen, und sahen, dass bereits Flammen aus dem Dach schlugen. Weil eine Alarmierung der Feuerwehr nicht möglich war, griffen Vater, Mutter und Sohn zu Gießkannen, um mit Wasser aus der Regentonne den Brand zu löschen – vergeblich.

Helgart Schöwing raffte wichtige Papiere zusammen, brachte Sohn und Hund rüber in das rückwärtig gelegene Haus ihrer Mutter. Helgart Schöwing und ihr 42-jähriger Mann Volker mussten hilflos zuschauen, wie das Dachgebälk einstürzte und durch die Decke brach. Mit nichts weiter als dem, was sie am Leib hatten, mussten sie mit ansehen, wie ihr Haus vernichtet wurde.

Nachdem sich die Schöwings vom ersten Schrecken erholt hatten, zogen sie in ihre nahe gelegene Ferienwohnung ein: „Gut, dass wir die haben.“ Als das Telefon wieder funktionierte, rief Helgart Schöwing ihre Freundin Nicole Schnau in Grödersby an: „Hast du was für mich zum Anziehen?“ Ihre Sachen waren pitschenass. Natürlich hatte die Freundin was, packte alles zusammen, was der Familie Schöwing im ersten Augenblick helfen konnte. Und sie überlegte, dass ihre Freunde bestimmt auch nichts zu essen haben, also packte sie Lebensmittel dazu, brachte alles zusammen mit Janine Böhrensen, die gegenüber des vernichteten Hauses wohnt, rüber in die Ferienwohnung.

Noch am gleichen Abend beratschlagten die beiden Frauen, wie sie der Familie helfen könnten – und zwar schnell. Natürlich wird die Versicherung für den Schaden aufkommen, doch notwendig sei, so Schnau und Böhrensen, eine sofortige Nachbarschaftshilfe. „Nicht lange überlegen, sondern machen“, sagte Janine Böhrensen, die während des Brandes ohnmächtig zusehen musste, wie schnell das Feuer um sich griff und Hilfe nicht erreichbar war. Also machten sie und Nicole Schnau sich am Tag nach dem Sturm auf den Weg nach Kappeln, wurden in verschiedenen Geschäften vorstellig, schilderten, was geschehen war und baten um Unterstützung. Und sie taten keine Fehlbitten. Dankbar kehrten sie mit Gutscheinen für Bekleidung und Sachspenden wie Spielzeug und Lebensmittel zurück. Und alles trug und trägt dazu bei, der vor dem Nichts stehenden Familie unter die Arme zu greifen.

Währenddessen hatte Marc Böhrensen, Ehemann von Janine, im sozialen Netzwerk Facebook einen Hilfeaufruf ins Netz gestellt – mit großer Resonanz. Es meldeten sich Menschen aus Flensburg, Eckernförde, Schwansen und Angeln, und kamen, um ebenfalls zu helfen.

Für diese Hilfe, die von der Nachbarschaft wie selbstverständlich auf den Weg gebracht worden ist, sind die Eheleute außerordentlich dankbar. Das hilft ihnen, mit der Tatsache, dass sich für sie von „jetzt auf gleich alles verändert hat“, klar zu kommen, so Helgart Schöwing. Bei alledem hat sie den Optimismus nicht verloren. Für sie, ihren Mann und Sohn gilt, wie sie sagt, „vorwärts zu schauen“.

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