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Gorch-Fock-Schule Kappeln : Experten für den Spielplatz-Bau

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Stadt hat ein Gestaltungskonzept für Spielplätze vorgelegt. Viertklässler haben schon jede Menge Ideen dazu.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 07:00 Uhr

Der Weg zum Spielplatz dauert keine fünf Minuten. Die Kinder der Klasse 4  a der Gorch-Fock-Schule kennen ihn aus dem Effeff. Und genauso zielstrebig lassen sie Rutsche und Wippe links liegen, steuern stattdessen das Klettergerüst und das dicke Tauwerk an, an dem sie sich entlang hangeln. Der Ellenberger Spielplatz ist einer von derzeit 16 im Stadtgebiet, und er gehört wohl zu denen, die schon aufgrund ihrer Lage am stärksten genutzt werden. Trotzdem: Die Stadt muss und will etwas für ihre Spielplätze tun, sie will Geld ausgeben und zwar nicht nur für Unterhaltung, sondern vor allem für Neuerungen. Die Verwaltung hat daher nun ein mehrseitiges Konzeptpapier erarbeitet – Voraussetzung dafür, dass der Hauptausschuss neben den für dieses Jahr bereits bewilligten 20  000 Euro die gleiche jährliche Summe in den folgenden Jahren freigibt. Ein inhaltlicher Punkt dieses Papiers sieht die Beteiligung von Kindern bei der Spielplatzgestaltung vor. Wir haben schon mal nachgefragt.

Justin Petersen muss nicht lange überlegen. „Eine Seilbahn“, sagt der Zehnjährige auf die Frage, was er sich für seinen idealen Spielplatz wünscht. Und gemessen an der Reaktion seiner Mitschüler scheint er ins Schwarze getroffen zu haben. Lilit Mkrtchyan hat derweil etwas Anderes im Blick. „Eine Netzschaukel“, sagt die Zehnjährige und erklärt: „Damit können vier Kinder gleichzeitig schaukeln.“ Vieggo Hauschilds Priorität liegt an anderer Stelle. Der Zehnjährige wünscht sich einen Fußballplatz – der muss zwar nicht so groß sein wie das Original, aber „auf jeden Fall mit Toren“. Ein Gerät, mit dem mehrere Kinder gleichzeitig spielen können, steht auch auf Bennet Dörschmanns Liste. „Ein Karussell“, sagt der Neunjährige. „Eins, an dem man gut Schwung nehmen kann.“ Wasserrutsche, Trampolin, Hängematte und Inliner-Bahn sind weitere Ideen der Viertklässler.

Und auf dem Spielplatz selber fällt Emma Boysen gleich etwas auf. „Die Wippe kann man eigentlich gar nicht mehr benutzen“, sagt sie. „Seit die Reifen auf dem Boden fehlen, schlägt man immer so hart auf.“ Dann läuft sie rüber zum Klettergerüst und zeigt auf das Holz. „Das ist an vielen Stellen gesplittert“, sagt die Zehnjährige. „Vor allem an den Stellen, an denen man sich festhalten muss, ist das wirklich blöd.“ Und schließlich sind da noch noch die hölzernen Deko-Fische. „Eigentlich schön“, findet Emma. „Und sie passen ja auch zur Schlei. Aber sie haben gar keine Farbe mehr. Und ich finde, ein Spielplatz muss bunt sein.“

25 kleine Experten toben anschließend noch ein bisschen durch den Sand, bevor es zurück zur Schule geht. Für Verwaltung und Politik könnten sie sich als Glücksgriffe entpuppen, schließlich, das sagte der Sozialausschussvorsitzende Helmut Schulz (SPD) anlässlich der jüngsten Sitzung des Gremiums, „wollen wir nicht im luftleeren Raum agieren“. Emma, Justin, Bennet und ihre Klassenkameraden haben ganz offensichtlich gar keine Schwierigkeiten, diesen Raum auszufüllen. Übrigens: Zurück geht dieser Gedanke der unmittelbaren Beteiligung der tatsächlichen Zielgruppe auf den jungen Kappelner Lukas Frank. Im vergangenen Frühsommer hatte der damals 20-Jährige vor der Politik gestanden und zwei Schlüsselsätze formuliert: „Erwachsene wissen nicht genau, wie und womit Kinder spielen. Man könnte die Kinder fragen, was ihnen auf den Spielplätzen fehlt.“ Im Frühling 2017 fand Norbert Dick (Grüne) ähnlich eindeutige Worte: „Wir sind eine Rentnerband.“ Umso begeisterter sei er über das Konzeptpapier.

Dieses sieht außerdem noch die konkrete Bedarfsermittlung (Zahl der Kinder, touristischer Aspekt, demografischer Wandel), eine Priorisierung vor dem Hintergrund der Finanzen und feste Kriterien für alle Spielplätze (zum Beispiel Angebote für unterschiedliche Altersgruppen oder Verkehrsberuhigung in der Nähe) vor. Und auch Helga Lorenzen von der Verwaltung wiederholte noch einmal das neue Mantra: „Es ist wichtig, dass die Spielplätze nicht nur im Kopf von Politik und Verwaltung entstehen.“ Sondern eben vor allem in den Köpfen von Vieggo, Lilit und Emma.

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