Drehort Schlei : Etabliert als Filmkulisse

Die 'Fünf Freunde' wurden unter anderem am Johanniskloster in Schleswig gedreht. Foto: Komparsenfischer
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Die "Fünf Freunde" wurden unter anderem am Johanniskloster in Schleswig gedreht. Foto: Komparsenfischer

Ob Fernsehen oder Kino: Filmemacher erkennen in der Region um die Schlei einen beliebten Drehort.

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21. Juni 2013, 11:07 Uhr

Angeln | "Ich wohne da, wo der Landarzt gedreht wird." Ein Satz, der seit Jahrzehnten zum Standardrepertoire eines jeden Bewohners der Schleiregion gehört, könnte zum Auslaufmodell werden. Als bekannt wurde, dass die Fernsehserie "Der Landarzt" abgesetzt wird, war das für viele Menschen aus der Region ein Schock.
Jahrzehntelang flimmerten am Vorabend idyllische Bilder der Schleiregion über die Bildschirme der Republik. In Zukunft wird man sich wohl auf: "Ich wohne da, wo der Landarzt gedreht wurde" einigen müssen. Oder man zählt einfach einige der vielen Filme auf, die allein in diesem und im vergangenen Jahr hier gedreht wurden.
Nicht nur im "Landarzt" steht die heimische Kulisse im Rampenlicht - auch andere Filmteams haben die Landschaft um den Ostseefjord für ihre Filmproduktionen entdeckt. Einen maßgeblichen Anteil daran hat Kirsten Schulz, die seit 2011 mit ihrem Filmbüro und der Castingagentur "Komparsenfischer" Filmteams bei ihren Dreharbeiten in der Region unterstützt. Mit logistischer Hilfestellung und Mitwirkung bei der Motivsuche überbrückt sie einen bisher entscheidenden Nachteil der Region: die räumliche Entfernung zur Filmmetropole Hamburg. Denn Vorteile und Besonderheiten für Filmproduktionen bietet die Region ihrer Meinung nach viele.
"Besonders ist die optische Anbindung ans Wasser, die sehr unterschiedlichen Strände von weißem Sand bis zur Steilküste. Besonders sind auch die hügeligen Landschaften, die tolle Perspektiven liefern", erklärt Kirsten Schulz. Doch nicht nur die Landschaft, sondern auch die Städte bieten den Filmteams tolle Motive.
So zog es im Januar das Team um den Kieler Tatortkommissar Klaus Borowski nach Schleswig. In "Borowski und der brennende Mann", am Sonntag, 12. Mai, in der ARD zu sehen, ermitteln Axel Milberg und Sibel Kekilli als Ermittlerduo Borowski und Brandt in der dänischen A.-P.-Møller-Schule und im Archiv der Schleswiger Nachrichten. Eigentlich ist für Mordfälle in Schleswig seit 2012 Natalia Wörner, alias Kommissarin Jana Winter, zuständig. Schleswig ist nämlich auch fester Drehort der Krimi-Reihe "Unter anderen Umständen" mit Martin Brambach und Matthias Brandt.
Dass die Landschaft mehr zu bieten hat, als idyllische Heimatmotive, zeigt sich auch an der Entscheidung für Angeln als Drehort des düsteren Kriminalfilms "Erbarmen". Ab Oktober wird die erste von voraussichtlich zehn Romanverfilmungen des dänischen Bestsellerautors Jussi Adler-Olsen auf der Kinoleinwand zu sehen sein. Der dänische Schauspieler Nikolaj Lie Kaas ermittelt in der deutsch-dänischen Co-Produktion als Kommissar Carl Mørck im Norden Schleswig-Holsteins - genauer gesagt in Pommerby. Drehort vieler Szenen war ein dort gelegenes Gutshaus. "Zahlreiche Güter, Höfe und einsame Häuser können für solche Kriminalfilme tolle Kulissen darstellen", sagt Kirsten Schulz, die auch an dieser Produktion mit zahlreichen Komparsen vor Ort mitgewirkt hat. Dass die Angelner Gutshöfe auch in den folgenden Verfilmungen Schauplatz der düsteren Kriminalfälle werden, bleibt zu hoffen. Kinostart: Oktober 2013.
Friedlicher geht es in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Katharina Hagena, "Der Geschmack von Apfelkernen", zu. Das Familiendrama handelt von Erinnerungen und dem Vergessen. Eine junge Frau erbt das Haus ihrer Großmutter und beginnt, sowohl die eigene als auch die Geschichte ihrer Familie zu erkunden. Die Handlung spielt zu einem Großteil auf Gut Stendorf in der Holsteinischen Schweiz in Ostholstein. Für einen Teil des fiktiven Ortes Bootshaven wurde aber auch in Rieseby, Weseby, Brodersby und Kosel gedreht. Filmstart: September 2013.
Auch die "Fünf Freunde" treibt es immer wieder in den Norden. Nachdem die Schlei, Arnis und der Schleswiger Holm bereits für den ersten Teil der Verfilmung des Kinderbuchklassikers als Kulisse dienen durften, hat sich das Münchner Filmteam auch für den zweiten Teil den Norden Schleswig-Holsteins als Drehort ausgesucht. In "Fünf Freunde 2" sind seit Januar dieses Jahres neben George, Dick, Julian, Anne und Timmi auch Schleswig, Arnis und Eckernförde von ihrer schönsten Seite zu sehen.
Und das läge, so Kirsten Schulz, nicht zuletzt auch an der Mitwirkung der Anwohner, Eigentümer und öffentlichen Einrichtungen, die die Film- und Fernsehteams regelmäßig mit offenen Armen empfangen und unterstützen. "Was anderswo nicht möglich ist, ist hier garantiert machbar."
Wer Lust hat, als Komparse einmal selbst den Hintergrund eines Films zu beleben oder mit einer kleinen Sprechrolle in den Vordergrund zu treten, der kann sich in der Schleswiger Agentur "Komparsenfischer" anmelden. Die Agentur vermittelt je nach Bedarf und Begabung und betreut die Komparsen am Filmset. Größe, Alter und Aussehen sind dabei eher nebensächlich - ein Filmset lebt schließlich von den unterschiedlichen Charakteren. Und mit etwas Glück kann man Freunde und Bekannte dann mit einem Urlaubsvideo der besonderen Art überraschen. Weitere Informationen gibt es online unter www.komparsenfischer.de. Dort ist auch eine Registrierung möglich.
Und wem daran gelegen ist, die verschiedenen Drehorte in Schleswig kennen zu lernen oder die Schleiregion auf den Spuren des ZDF-"Landarztes" entdecken, dem hilft unter anderem die lokale Tourismusorganisation Ostseefjord-Schlei-GmbH weiter. Auf www.ostseefjordschlei.de können sich Interessierte über die zahlreichen Möglichkeiten informieren.

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