Kappeln : Es wird eng im Sitzungssaal

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25 Stadtvertreter und nur 24 Plätze: Im Rathaus sind nicht alle Kommunalpolitiker unterzubringen.

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04. Juli 2018, 07:00 Uhr

Wenn im Sitzungssaal im Kappelner Rathaus normal bestuhlt wird – wenn also jeder ausreichend Platz rechts und links neben sich hat, wenn Stuhllehnen nicht aneinander stoßen und fremde Unterlagen auf den Tischen nicht drohen, ineinander zu rutschen –, dann passen 24 Menschen an das Oval. Spätestens seit dem Abend des 6. Mai aber ist klar, dass es mit dieser persönlichen Distanzzone vorbei ist. Die Kommunalwahl hatte ergeben, dass künftig 25 Kommunalpolitiker der Stadtvertretung angehören, bei Sitzungen kommen zudem noch der Bürgermeister und der Protokollführer hinzu. Macht 27. Zu viele für den Sitzungssaal. Zumindest bei dieser Art der Bestuhlung. Aus der Verwaltung kam daher der Vorschlag, die Gunst der Stunde zu nutzen und das Mobiliar zu erneuern und gleichzeitig ein neues akustisches Konferenzsystem anzuschaffen. Denn: Auch die Verständigung kann bei 27 Menschen durchaus schwieriger werden. Auch klanglich. Geschätzte Gesamtkosten: 95.000 Euro. Im Hauptausschuss war man zwiegespalten: Dem mehrheitlichen Nein zu neuen Möbeln folgte ein einstimmiges Ja zur neuen Beschallung – allerdings mit Einschränkung.

30 Jahre ist das Mobiliar im Sitzungssaal alt, Gebrauchsspuren sind offensichtlich: fleckige Polster, abgewetzte Lehnen, Blasen auf der Tischplatte. Die Schrauben hat der Hausmeister schon ein paar Mal nachgezogen, zuletzt die Tische so bearbeitet, dass sie nun jeweils drei Steckdosen aufweisen, um etwa Laptops anzuschließen. Unter den Tischen: jede Menge Kabel. Auf- und Abbau ist nur mit Hilfe des Bauhofs möglich. Das von der Verwaltung ausgewählte System soll nun Platz für 28 Personen bieten, deutlich einfacher auf- und abzubauen sein, zeitgemäßen und ergonomischen Ansprüchen genügen. Alle Tische sind mit Steckdosen versehen.

Dieses Mobiliar für die Stadtvertreter plus weitere 27 Stühle für andere Sitzungsteilnehmer kostet rund 65.000 Euro – zu viel etwa für Norbert Dick (Grüne). „Ich habe kein Problem mit der aktuellen Bestuhlung“, sagte er und appellierte an den Ausschuss, mit dem städtischen Haushalt „verantwortlich“ umzugehen. Sven Becker, eigentlich als amtierender Bürgermeister anwesend, sprach dann aber doch als CDU-Fraktionsvorsitzender, als er ebenfalls klarstellte, den Zustand im Sitzungssaal beibehalten zu wollen und an die konstituierende Sitzung in der Mensa der Gemeinschaftsschule erinnerte. „Auf- und Abbau der Bestuhlung kosten dort 200 Euro“, sagte er. Seine Fraktionskollegin Marta Kraft machte deutlich, dass man die Mensa ursprünglich ohnehin multifunktional nutzen wollte – „jetzt haben wir die Gelegenheit dazu.“ Zudem sei der Platz für reguläre Ausschusssitzungen im Sitzungssaal ausreichend. Uwe Horns (LWG) erkannte in der Mensa zudem den Vorteil, mehr Bürger anzuziehen.

Rainer Moll (SPD) schwenkte derweil deutlich in die andere Richtung. „Als ehrenamtlicher Politiker sollten wir uns das Umfeld erleichtern“, sagte er und plädierte für das neue Mobiliar und gegen den Umzug der Stadtvertretung in die Mensa. „Außerdem ist der Sitzungssaal unser Aushängeschild. Der Städtebund hat hier einmal getagt – und nie wieder.“ Eben diesen repräsentativen Ansatz des Sitzungssaals rückte auch Michael Arendt (LWG) in den Vordergrund, und Lars Braack (SPD) fand zwar die avisierte Summe zu hoch, betonte aber dennoch: „Wir sollten den Saal herrichten.“ An der Stelle teilte Kämmerin Ute Sohrt auf Nachfrage mit, dass die Stadt derzeit über 3,1 Millionen Euro an liquiden Mitteln verfügt – „für eine Neumöblierung würde ich daher keine Kreditaufnahme einplanen“.

Schließlich stimmte der Ausschuss über einen geänderten Vorschlag ab, für die Stadtvertretersitzungen bis auf Weiteres die Mensa zu nutzen und auf neue Möbel zu verzichten. Acht Mitglieder folgten dem Vorschlag, zwei (SPD) stimmten dagegen.

Mit Blick auf das neue akustische Konferenzsystem forderte man die Verwaltung einstimmig auf, zur nächsten Sitzung eine Auswahl verschiedener Systeme vorzustellen und sich zudem mit dem Kreis in Verbindung zu setzen. Sven Becker nämlich konnte berichten, dass dort ebenfalls ein neues System dieser Art angeschafft werden soll – „vielleicht können wir uns da andocken“.

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