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Wirtschaft und Touristik Kappeln GmbH : „Es muss mehr Engagement kommen“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der scheidende WTK-Geschäftsführer Jürgen van Schöll über finanzielle Probleme, Vertrauen und das, was für ihn „typisch Kappeln“ ist.

Herr van Schöll, 2010 haben Sie die Geschäftsführung der WTK übernommen.

Tatsächlich müssen wir etwas weiter zurückgehen. Von 2000 bis 2003 war ich Geschäftsführer der Stadtmarketing GmbH. Meinem Nachfolger, dann bei der WTK, wurde im Juni 2008 gekündigt, und Wolfhard Kutz aus der Verwaltung übernahm. Der damalige Bürgermeister bat mich, gleich mit einzusteigen, weil Herrn Kutz natürlich das Fachwissen fehlte. Unter seiner Regie habe ich damals schon die Firma geleitet. Dann sollte ein neuer Geschäftsführer eingestellt werden, man entschied sich aber nicht für mich, sondern für jemanden von außen. Ich blieb aber an zweiter Stelle. Erst als die Stelle dann wieder frei wurde, hat man sich für mich entschieden.

Haben Sie sich als Lückenfüller gefühlt?

Das nicht, aber ich weiß, dass sich der Wirtschaftskreis nicht leicht mit der Entscheidung getan hat.

Zurück zu 2010.

Wir haben damals von meinem Vorgänger keinerlei Infrastruktur übernommen. Die Firma musste sich komplett neu orientieren. Ich habe immer gesagt, die WTK ist keine Veranstaltungs-GmbH, sie soll Stadtmarketing machen. Die WTK heute verfügt über eine gesunde Infrastruktur, darauf bin ich sehr stolz. Das ist der richtige Weg, aber er ist noch nicht zu Ende. Vieles konnte nicht erreicht werden – aus personellen und aus finanziellen Gründen. Die WTK erhält einen jährlichen Zuschuss von grob 40.000 Euro, die aber nicht mal für die Fixkosten reichen. Aufgabe der WTK ist aber, etwas zu bewegen.

Bei Amtsantritt strebten Sie eine engere Zusammenarbeit mit Handel und Gewerbe an. Konnten Sie das umsetzen?

Ja. Ich habe eine sehr enge Verknüpfung mit dem Handel. Als ich anfing, herrschte eine große Unruhe, die habe ich aber beseitigt. Es besteht heute zum Handel und zur Wirtschaft ein großes Vertrauensverhältnis.

Dennoch gab es Situationen, in denen Sie und andere Protagonisten der Stadt nicht 100-prozentig übereinstimmten. Beispiel: der Konflikt um das Open-Air-Kino. Sind Sie das verkehrt angegangen?

Ich meine, keine Fehler gemacht zu haben. Im Vorfeld habe ich die Kinobetreiber gefragt, und bei mir ist angekommen, dass kein Interesse besteht. Daher habe ich kein zweites Mal nachgefragt. Zwei Wochen vor dem Termin war plötzlich die halbe Stadt in Aufruhr, das war unschön und völlig unnötig. Man hätte das intern klären können.

Am Ende gab es zwei Veranstaltungen an einem Tag, und unter den Besuchern war der Satz zu hören: „Typisch Kappeln.“ Was ist für Sie „typisch Kappeln“?

Typisch ist: Kappeln tut sich in Gemeinsamkeit schwer. Alle reden davon, dass wir an einem Strang ziehen müssen, aber der Strang hat ja zwei Enden. Und manchmal wird an beiden Enden gezogen. Es kann nicht sein, dass wir eine Veranstaltung planen und die Geschäftsleute meinen, die gebratenen Tauben kommen geflogen. Man muss schon selbst etwas dazu beitragen. Zum Vergleich blicke ich nach Süderbrarup auf das Feierabend-Shopping. Dort bewegten die Geschäftsleute deutlich mehr als wir mit unserem langjährigen Candlelight-Shopping.

Diese Haltung, wonach lieber konsumiert wird als sich aktiv zu beteiligen – gilt die auch für die Heringstage?

Die Bürger einzubinden, hat leider nicht in dem Maße geklappt, wie ich mir das gewünscht habe. Ich habe Arbeitskreise einberufen, Sitzungen abgehalten, Gespräche geführt. Es kommen Ideen, das ist nicht die Frage. Aber es scheitert daran, dass sie keiner umsetzen möchte. Aufgabe der WTK ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, aber es muss einfach mehr Engagement von außen kommen.

Etwas provokant: Was wäre, wenn man den Rhythmus der Heringstage bricht?

Lässt man das Fest ausfallen, wäre das ein großer Imageschaden. Die Heringstage haben einen unglaublichen Bekanntheitsgrad. Um einige Leute wachzurütteln, wäre es aber vielleicht gut, mal ein Jahr auszusetzen.

Wo gibt es Verbesserungspotenzial in der Stadt?

Zum Beispiel beim Deekelsenplatz, dessen Verschönerung nach wie vor eine Herzensangelegenheit von mir ist. Und wenn Kappeln sich nicht insgesamt verschönert, bleiben wir auf der Strecke. Die Gestaltung der Fußgängerzone halte ich inzwischen für altbacken, sie müsste dringend erneuert werden. Andere Städte, die das bereits getan haben, berichten von Umsatzsteigerungen von bis zu 40 Prozent. Mit dem Eigenbetrieb Parken hätten wir die Möglichkeit gehabt, in dieser Richtung etwas zu bewegen – und wir haben nichts bewegt. Vorschläge haben wir genug gemacht, sie wurden aber von politischer Seite immer verhindert. Darüber bin ich total enttäuscht.

Sie wechseln zum 1. Juli in die Rolle eines Beraters der WTK.

Zum 30. Juni wechselt der Geschäftsführer. Und damit wird für mich Schluss sein. Im Vorfeld des Wechsels wurde viel über Veränderungen und darüber, bestimmte Dinge auszulagern, gesprochen. Mein Problem ist jetzt: Ich möchte nicht daran beteiligt sein, dass die WTK einen Rückbau erlebt. Würde die neue Geschäftsführung die WTK zurückstutzen, entspricht das nicht dem, was ich aufgebaut habe. Bin ich aber als Berater dabei, harmoniert das nicht. Deswegen hadere ich noch. Natürlich ist es meine Verpflichtung, die neue Stadtmanagerin einzuarbeiten.

Und sind Sie danach als Berater greifbar?

Nein. Wenn all das umgesetzt wird, was man so gehört hat, ist das nicht meine WTK.

Für Max Triphaus, Ihren Nachfolger, ist diese Konstellation „die beste Lösung, die wir finden konnten“ – für Sie auch?

Nein. Für mich wäre die beste Lösung gewesen: Ich bleibe mit reduzierten Stunden Geschäftsführer, bekomme eine Verwaltungskraft und arbeite andere als Marktmeister ein. Auf diese Weise hätte ich mein Fachwissen auf mehrere Schultern verteilen können. In ein, zwei Jahren wäre dann ein Geschäftsführerwechsel deutlich sang- und klangloser vonstatten gegangen. Jetzt ist es ein abrupter Wechsel.

Was fehlt Ihnen künftig am meisten?

Ich habe mich immer daran erfreut, wenn sich Menschen bei Veranstaltungen wohl gefühlt haben, wenn sie mitgemacht haben. Das werde ich bestimmt vermissen.

Und was werden Sie überhaupt nicht vermissen?

Den Ärger und die vielen Probleme, die es in manchen Diskussionen gegeben hat. Und die schlaflosen Nächten, wie ich die WTK finanziell über die Runden kriege. Davon befreit zu werden, ist eine echte Erlösung.

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erstellt am 29.Jun.2016 | 07:00 Uhr

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