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Urlaub an der Schlei : „Es ist unkompliziert und günstig“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Teil 1 unserer Sommer-Serie: Was Menschen in die Jugendherberge nach Kappeln zieht – und was ihnen da geboten wird.

shz.de von
erstellt am 26.Jul.2017 | 06:26 Uhr

Kappeln | Der eine liebt seinen Wohnwagen, der andere bevorzugt die Ferienwohnung. Einer möchte Urlaub auf dem Bauernhof machen, ein anderer sucht nach den schönsten Wohnmobil-Stellplätzen: In unserer neuen Sommer-Serie stellen wir verschiedene Unterkünfte in der Region vor und berichten, wer sich dort alles so einquartiert. Heute: Die Jugendherberge in Kappeln.

Ein skeptischer Blick in den Himmel – die geplante Fahrradtour wird heute wohl verschoben. Barbara Mundt und Heidrun Wagner kommen aus Eberswalde in Brandenburg. Immer in den Sommerferien schnallen die beiden Frauen die Fahrräder ans Auto, fahren für eine Woche los – und übernachten in einer Jugendherberge. „Das ist unkompliziert und günstig“, sagt Heidrun Wagner. Einige haben sie in den Vorjahren schon ausprobiert – sie haben ein Insel-Hopping auf Föhr, Amrum und Sylt und einen Besuch in Wismar und Umgebung hinter sich. In Kappeln gefällt es ihnen gut. „Es ist überschaubarer und ruhiger als in Westerland“, sagt Barbara Mundt. Die Räder stehen sicher im Fahrradraum, nur das Wetter spielt nicht so mit.

Damit hat auch die Familie Eskesen aus Aarhus in Dänemark zu kämpfen. Vater Kim ist mit Frau und Tochter unterwegs. Sie sind mit dem Zug bis Kiel gefahren und nun auf dem Rückweg mit dem Fahrrad: über Eckernförde, Borgwedel, Kappeln, Richtung Flensburg. „Sehr gut finde ich die Jugendherberge“, sagt Tochter Katja (14), sie mag besonders die schöne Lage und das Zimmer. Anja Südmersen aus Löhne in Nordrhein/Westphalen hat seit dem vergangenen Jahr einen Jugendherbergsausweis. „Ich mag es, viele Leute zu treffen und hier kommt man leicht ins Gespräch“, sagt sie, lobt die gute Verpflegung und die Freundlichkeit im Kappelner Haus.

Bereits zum dritten Mal ist das Jugendrotkreuz, Landesverband Nordrhein, zu Gast in der Jugendherberge. Acht Jugendliche zwischen 17 und 25 Jahre sind mit drei Betreuern hier untergebracht. „Hier ist alles sehr Rollstuhl gerecht und das Essen ist übelst gut und viel zu viel“, sagt Betreuer Dirk Mörs-Edeling. Die Jugendlichen, mit denen er unterwegs ist, haben ganz unterschiedliche Behinderungen. Rolli-Fahrer, Down-Syndrom, verzögerte Entwicklung, ein Autist und Mörs-Edeling ist dankbar, dass in der Jugendherberge auf jeden Wunsch eingegangen wird. „Wir werden hier richtig umsorgt, man ist immer für uns da“, sagt er.

„Wir versuchen, das möglich zu machen, was die Gäste wollen“, bestätigt Steffen Lorenz. Gemeinsam mit Kerstin Hesse führt er die Jugendherberge seit Oktober 2013. In dem Haus direkt an der Schlei gibt es 176 Betten in 47 Zimmern. Auf rund 19  000 Übernachtungen bringt die Jugendherberge es – das sind etwa 6500 Gäste im Jahr. Neben dem Haupthaus an der Eckernförder Straße gehört noch das Umwelthaus in Maasholm zur Jugendherberge, ein Gruppenhaus mit 33 Betten. Hier werden weitere 4000 Übernachtungen verbucht. Während das Umwelthaus nur an Selbstversorger vermietet wird, gibt es in der Jugendherberge die Möglichkeit, jede Verpflegungsform – von Frühstück bis Vollverpflegung – zu buchen. Zum 16-köpfigen Team gehören zwei Küchenkräfte, die die Mahlzeiten frisch zubereiten. „Auf Wunsch auch gluten- oder laktosefrei, vegan oder muslimisch“, beschreibt Kerstin Hesse. Wenn es möglich ist, kommen die Produkte von regionalen Anbietern. Aber nicht nur bei der Ernährung wird auf die Umwelt geachtet. Die Kappelner Anlage ist das Pilothaus zum Thema Nachhaltigkeit und hat alle Anforderungen zur ersten Erhebung für den
CO2-Fußabdruck erfüllt.

Der Standard der Herberge sei in der mittleren Kategorie einzuordnen, erklärt Stefan Lorenz. Das liege daran, dass es nur wenige Zimmer mit eigenem Bad gibt. „Viele möchten nicht ins Gemeinschaftsbad“, sagt er. Aber bei ihnen gebe es überall einzeln abschließbare Duschkabinen. „Wir gehen ganz offen damit um. Das kommt gut an, und die Buchungssituation zeigt uns, dass es funktioniert. Die Hütte ist ausgebucht“, sagt Lorenz und lacht.

„In erster Linie sind wir aber ein Gruppenhaus“, so Lorenz weiter: Klassenfahrten, Seminare, Freizeiten werden viel gebucht. Die Gruppenräume sind frisch renoviert und Lorenz und Hesse haben besonders für Schulklassen spannende „Activity Touren“ zusammengestellt. Kuttersegeln, Wasserski, Radtouren und Action-Wanderungen: „Erlebnispädagogische und touristische Angebote, aber auch Sport und Kultur sind dabei“, beschreibt Kerstin Hesse. Dafür sind die beiden in Kappeln und Umgebung auch gut mit Vereinen und Anbietern vernetzt. „Klar, es gibt nur eine Saison. Davon sollen alle etwas haben“, sagt Lorenz. In den Ferienzeiten kommen auch gern junge Familien oder Pärchen. „Und dann stranden auch immer wieder ein paar Fahrradfahrer hier“, sagt Lorenz. Auch kein Problem – die Jugendherberge ist auch Bed & Bike-zertifiziert.

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