Figurentheatertage : „Es ist so ein feines Festival“

Dörte Lowitz vom Figurentheater „Wolkenschieber“  stellte gestern den Kindern der Kappelner Kitas den „Kofferknut“ vor.
Dörte Lowitz vom Figurentheater „Wolkenschieber“ stellte gestern den Kindern der Kappelner Kitas den „Kofferknut“ vor.

Dörte Lowitz kommt mit ihrem Figurentheater „Wolkenschieber“ seit 18 Jahren nach Kappeln.

shz.de von
15. März 2018, 07:00 Uhr

Kappeln | Es gehört zu den beständigsten Gästen, wenn in Kappeln und Umgebung die Puppen tanzen: Das Figurentheater „Wolkenschieber“ von Dörte und Marc Lowitz. Gestern stand Dörte Lowitz gleich zweimal auf der Bühne im Christophorushaus: mit „Hier kommt Kofferknut“ und „Käpten Knitterbart und seine Bande“. Dem Schlei Boten erzählte sie etwas über sich und die anderen „Wolkenschieber“.

Frau Lowitz, wie sind Sie Puppenspielerin geworden?

Eigentlich kann ich sagen: durch meine Träume (lacht). Schon zwei Jahre bevor ich meinen Mann traf, der zu diesem Zeitpunkt bereits Puppenspieler war, habe ich geträumt, dass ich einmal Regie führen würde. Das war während meines Studiums an der Fachhochschule in Kiel. Das habe ich mir mit Kindertheater finanziert und irgendwie passte alles zusammen. Ich habe dann Stück für Stück immer ein bisschen mehr gespielt.

Und irgendwann standen sie dann allein auf der Bühne?

Ja, 2009 habe ich angefangen solo zu spielen, obwohl ich das eigentlich nie wollte. Naja, was soll ich sagen? Ich arbeite immer noch dran. Jedes Stück bietet eine Herausforderung. Die Kinder, die zuschauen, bringen mir schon bei, was ich verändern oder verbessern kann. Den „Knitterbart“ habe ich jetzt acht oder neun Mal gespielt, und er bekommt immer noch jedes Mal eine Art Nachregie durch die Kinder. Schließlich mache ich es ja auch für sie.

Sie haben gesagt, Sie seien durch Ihre Träume zur Puppenspielerin geworden? Ist es auch ein Traumberuf?

(lacht) Ja, ich habe viel geträumt – von Bühnenbildern, Titeln und Geschichten. Und ja, jetzt weiß ich, ich bin Puppenspielerin bis ich 67 bin. Es hört sich immer ein bisschen komisch an, aber ich fühle mich schon ein bisschen berufen.

Sie schreiben die Texte selbst, entwerfen das Bühnenbild und sorgen für die Musik – da muss man Multitalent sein.

(lacht) Das Talent hinter allem ist mein Mann Marc. Ich bin die Intuition. Manchmal singe ich bei der Gartenarbeit vor mich hin und nehme es dabei mit dem Handy auf. Dann arrangiert mein Mann es und gibt es mir wieder, ich feile dann an den Texten dazu – so geht es im Wechsel. Wir arbeiten komplett Hand in Hand.

Und die Kulissen und die Puppen? Machen Sie die auch selbst?

Ich habe früher Flachpuppen entworfen und selbst bemalt. Jetzt habe ich die Schiffsratte und Biggi, das Huhn selbst gebaut. Was heißt selbst gebaut – natürlich hatte ich Unterstützung.

Apropos Unterstützung – wer gehört denn alles zu Ihrem Wolkenschieber-Team?

Wir haben mit Norman Schneider einen tollen Figurenbauer dabei. Der hat uns den „Kofferknut“ und die Piraten für den „Knitterbart“ gemacht. Und seit ich solo auf Tour bin, begleitet mich Anja Kosanke. Sie ist auch mit in Kappeln gewesen, geht mir bei der Inszenierung, aber auch mit dem Leuchten und der Technik zur Hand. Arne Bustorff ist unser Erfinder. Er hat zum Beispiel den großen Sessel für den „Kofferknut“ gebaut. Ihn kann man getrost den ganzen Tag in der Werkstatt lassen, er hat immer tolle Ideen. Und mein Mann Marc – der würde gern bei mir die Regie machen, aber das funktioniert nicht. Er ist ein richtig guter Regisseur, aber nicht für mich (lacht). Er kümmert sich um die Ausstattung und die Musik.

Was macht das Puppenspiel für Sie aus – oder besser, was macht es mit Ihnen?

Es finden sich immer soziale Themen in meinen Stücken, wie das Miteinander, die Wichtigkeit von Freundschaft und Stärkung von Mut. Ich habe Krankengymnastik gelernt und Sozialwesen studiert, habe mit Kindern gearbeitet. Ich habe das Gefühl, jetzt greift das alles ineinander. Es gibt viele Künstler, die arbeiten um der Kunst willen. Ich kann nicht ohne mein Gefühl. Ich liebe Kinder. Ich spüre, was ich da erzähle, und die Kinder spüren das bestenfalls auch. So arbeite ich.

Was bedeuten die Figurentheatertage hier für Sie?

Wir sind seit 18 Jahren in Kappeln dabei, 2000 das erste Mal zusammen, ich selbst war 2004 das erste Mal dort mit der „Rosenritterin“. Es ist immer arbeitsintensiv, zwei Vorstellungen an einem Tag mit Umbau, das hat man sonst selten. Aber es war immer eine so freundliche Zusammenarbeit mit den Veranstaltern von der Stadt. Toll, dass sie es über so viele Jahre mit einem doch eher kleinem Budget geschafft haben, so ein Festival zu wuppen. Und dabei ist es so ein feines Festival geblieben. Die Veranstalter haben immer darauf geachtet, dass es in die Region passt. Das ist ganz schön, es geht hier vor allem auch um die Menschen.

Frau Lowitz, Sie machen Figurentheater für Kinder. Haben Sie mal überlegt, auch für Erwachsene zu spielen?

Nein – eben weil ich die Kinder so liebe. Aber ich mag es sehr, mir Figurentheater für Erwachsene anzusehen. Die ernste Seite des Theaters hat man bei den Kindern natürlich nicht so.

Wo kann man Sie in diesem Jahr noch sehen?

Ich habe noch eine kleine Hamburg-Tour vor mir. Da spiele ich den den Häusern der Jugend. Ich bin beim Nordischen Theaterfrühling und spiele beim Kieler-Woche-Hoftheater. Dann ist Pause, und wir gehen wieder in die Produktion – diesmal ist eine Kombination aus Puppenspiel und Trickfilm geplant.

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