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Kappeln : „Es ist eine Lebensaufgabe“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nach fast 40 Jahren als Pastor in der Ellenberger Kirchengemeinde geht Gotthard Köppen Ende des Monats in den Ruhestand. Vorher blickt er auf seine Zeit zurück.

„Eine der mir liebsten Geschichten in der Bibel ist die Auferweckung der Tochter des Jairus.“ Denn der Tod und die Auferstehung, erklärt Pastor Gotthard Köppen, haben ihn ein Leben lang beschäftigt. Gleichzeitig sind es Beerdigungen, die Köppen nach dem Abitur beinahe vom Theologiestudium in Kiel abgehalten hätten. „Ich habe mich schon für Theologie interessiert, dachte aber auch, dass ich für Beerdigungen einfach nicht geeignet bin“, sagte er. Sein damaliger Pastor habe ihm dann ins Gewissen geredet, erinnert sich Köppen: „Er sagte zu mir: Wenn das deine einzige Sorge ist, dann fang erstmal an zu studieren. Und er hatte recht.“ Nach 39 Jahren Amtszeit in der Ellenberger Auferstehungskirche blickt Gotthard Köppen zurück. Am Sonntag, 27. Dezember, wird er in einem Gottesdienst verabschiedet.

1976, nach elf Semestern Theologie mit dem Schwerpunkt Kirchenrecht und Kirchengeschichte und dem ersten Staatsexamen, trat Köppen sein zweijähriges Vikariat in Ellenberg an – für den gebürtigen Norderdithmarschener eine Umstellung. „Hier pfiff der Wind immer so durch die Häuser. Aber ich habe mich schnell eingewöhnt“, sagt er heute. Nach dem Vikariat und dem zweiten Examen arbeitete er aushilfsweise für ein Jahr in Tellingstedt. „Das war eine Gemeinde mit 13 Dörfern. Ich hatte parallel 210 Konfirmanden, das war nicht immer leicht“, erinnert sich Gotthard Köppen. Umso mehr habe er sich gefreut, als ihm 1979 die zweite Pfarrstelle in Ellenberg angeboten wurde. In Lüttfeld kaufte die Gemeinde daraufhin ein Haus und richtete dieses als Pastorat ein. Dort zog der junge Pastor mit seiner kleinen Familie ein. Köppen: „Ich dachte mir damals, dass ich vorerst hier bleibe und dann weiter sehe. Aber irgendwann habe ich mir immer öfter die Frage gestellt: Willst du nicht hier bleiben?“

Und er blieb. Seine Pfarrstelle umfasste zunächst das Gebiet von der Barbarastraße über Kopperby, Olpenitz und die alte Ellenberger Siedlung. „In Ellenberg lebten damals durch die Bundeswehr viele Familien“, sagt der Pastor. Nach der Auflösung des Stützpunktes Olpenitz 2006 zogen die Marinesoldaten mit ihren Frauen und Kindern aber weg, und aus 4500 Gemeindemitgliedern wurden 2200. Köppen: „Dann ging mein damaliger Kollege in Pension, und die erste Pfarrstelle wurde nicht mehr besetzt.“

Fast 40 Jahre als Pastor einer Kirchengemeinde hatten ihre schönen, aber auch ihre schweren Momente, erinnert sich der Theologe: „Taufen und Hochzeiten sind immer wieder etwas Wunderschönes.“ Auch die Seniorenarbeit mit Ausflügen nach Jugoslawien, Tunesien, Ungarn oder Polen hat Köppen viel Freude bereitet. „Es gibt viele, viele schöne Erlebnisse, die mich in meinen Ruhestand begleiten werden“, sagt er. Besonders berührt sei der Geistliche stets von den Begegnungen mit den Menschen der Partnergemeinde in Warbende (Mecklenburg) gewesen. „Unser erster Besuch mit allen Schwierigkeiten der Grenzüberwindung ist eine bleibende Erinnerung für alle Beteiligten. Wir wurden mit einer solchen Herzlichkeit und Offenheit aufgenommen, dass hieraus eine langjährige, freundschaftliche Beziehung erwuchs“, beschreibt der Pastor die Situation. „Schön war es, dann auf einmal ohne Grenzkontrolle unsere Freunde besuchen zu können.“ Routine sei in beinahe vier Jahrzehnten nie eingekehrt. „Wenn man immer mit Menschen zu tun hat, kommt keine Routine auf“, sagt der 65-Jährige. Beerdigungen fallen ihm aber immer noch nicht leichter – „im Gegenteil, sie werden schwerer, weil man die Menschen nach so vielen Jahren näher kennt“.

Es gab allerdings Momente, in denen auch beim Vater von fünf Kindern und einem Pflegesohn der Glaube ins Wanken geraten ist. „Zweifeln gehört auch zum Glauben dazu. Und auch ich habe gezweifelt“, sagt Gotthard Köppen. Aber die Aussagen der Bibel und Lebenserfahrungen haben ihm all seine Fragen beantwortet. „Dass es überhaupt die Liebe zwischen den Menschen gibt, bestätigt mir, dass unser Gott ein Gott der Liebe ist“, sagt er.

Er habe seinen Beruf immer sehr gern ausgeübt, besonders dann, wenn er Menschen Trost spenden konnte. Doch die Aufgaben eines Pastors haben sich in den vergangenen Jahren verändert. „Kirchliche Arbeit wird bürokratischer“, hat Köppen festgestellt. „Früher hatte man mehr Zeit für die pastoralen Aufgaben. Ich habe Angst, dass der Kontakt zu den Menschen verloren geht.“ Der Beruf des Pastors sei kein Job, den man nach Feierabend abschütteln könne. Sondern: „Es ist ein Amt, eine Lebensaufgabe.“

Trotzdem ist der Ruhestand für Köppen kein Grund zum Trübsalblasen: „Ich freue mich darauf und habe keine Angst, in ein tiefes Loch zu fallen.“ Immerhin hat er acht Enkelkinder, mit denen er Zeit verbringen möchte. Und auch für den Museumsverein will sich der Theologe engagieren: „Schließlich soll Kappeln wieder ein Museum bekommen.“ Sein Nachfolger wird voraussichtlich am 7. Februar verpflichtet. „Er braucht sich keine Sorgen zu machen, ich werde ihm nicht in die Quere kommen“, versichert Köppen lächelnd.

Am Sonntag, 27. Dezember, wird Pastor Gotthard Köppen ab 14 Uhr in der Auferstehungskirche Ellenberg verabschiedet. Schon jetzt sagt er: „Ich bin dankbar für die Zeit, die ich hier war und für die vielen Begegnungen. Ich bin sicher nicht ohne Fehler gewesen. Das möge man mir vergeben.“

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erstellt am 18.Dez.2015 | 18:14 Uhr

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