Weihnachten im Altersheim : „Es geht um die Gemeinsamkeit“

Der kreative Tisch in der Margarethen-Residenz erfreut sich in der Adventszeit besonders großer Beliebtheit. Sabine Tange-Schaub (Leiterin Soziale Betreuung,li.) und Shuyuan Xing (3.v.r.) beraten mit den kreativen Seniorinnen die nächsten Schritte. Einrichtungsleiterin Petra Heide (hinten) zeigt, was schon entstanden ist.
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Der kreative Tisch in der Margarethen-Residenz erfreut sich in der Adventszeit besonders großer Beliebtheit. Sabine Tange-Schaub (Leiterin Soziale Betreuung,li.) und Shuyuan Xing (3.v.r.) beraten mit den kreativen Seniorinnen die nächsten Schritte. Einrichtungsleiterin Petra Heide (hinten) zeigt, was schon entstanden ist.

Adventscafé, Bastelnachmittage, Musik und Andachten: Wie in der Mühlen- und in der Margarethen-Residenz Weihnachten gefeiert wird.

shz.de von
23. Dezember 2017, 12:00 Uhr

„Stille Nacht, heilige Nacht“ – schon von weitem waren die Weihnachtslieder zu hören. Am Donnerstag haben Senioren und Mitarbeiter der Mühlen-Residenz das große Weihnachtsfest gefeiert. In allen drei Wohnbereichen hatten die Bewohner Gäste eingeladen und freuten sich, nicht nur über eine gemeinsame Zeit im festlich geschmückten großen Raum, sondern auch über den Besuch des Chors, der aus Mitarbeitern der Diako-Kinderklinik in Flensburg besteht und unter der Leitung von Sönke Thomsen traditionell auf die Weihnachtszeit einstimmt.

Der Chor der Diako-Kinderklinik in Flensburg unter der Leitung von Sönke Thomsen besucht traditionell die Bewohner und Mitarbeiter der Mühlen-Residenz.
Der Chor der Diako-Kinderklinik in Flensburg unter der Leitung von Sönke Thomsen besucht traditionell die Bewohner und Mitarbeiter der Mühlen-Residenz.
 

Aber die gemeinsame Weihnachtsfeier ist nur einer der zahlreichen Programmpunkte, mit denen sich die Einrichtung auf Weihnachten vorbereitet. „Unsere Weihnachtsbäckerei ist ein kleines Highlight“, sagt Marion Kreutzer, Leiterin im Bereich Betreuung. Da werde das Café der Mühlen-Residenz zur Backstube und in kleinen Runden wird Keksteig gerührt und geknetet. „Ein Herr ist dabei, der mag am liebsten die Rezepte vorlesen. Und die Damen finden das gut“, sagt Kreutzer. Bei dieser Aktion gehe es viel um Gemeinsamkeit. „Es finden Gespräche statt – wie früher bei Mutti am Küchentisch.“

Am Sonnabend vor dem dritten Advent wurden die Nachbarn aus der Seniorenwohnanlage zum Café eingeladen. Selbstgebasteltes wie Kerzen mit Serviettentechnik, Weihnachtskarten, Filzarbeiten und Adventsgestecke konnte die Gäste kaufen. Das kam offenbar gut an. „Sie haben gleich gefragt, ob es das im kommenden Jahr wiederholt wird“, sagt Pflegedienstleiterin Petra Petersen. Viel Freude haben die Bewohner auch, wenn sich Kappelner Schulklassen zum Besuch anmelden. „Die Kinder sehen, dass sie keine Scheu haben müssen vor alten Menschen“, sagt Einrichtungsleiterin Martina Möller. „Kinder und ältere Menschen – das ist meist sehr harmonisch.“ Wie die Mühlen-Residenz bekommt auch die Margarethen-Residenz Besuch von Kindern der Dänischen Kita oder aus der Schule. Vom skandinavischen Lucia-Fest schwärmen die Mitarbeiter in beiden Häusern gleichermaßen. Die Kinder ziehen mit ihren Kerzen durch die Gänge und besuchen auch die Bewohner, die ihre Zimmer nicht verlassen können. „Sie haben andere Bräuche, die bringen sie uns näher“, berichtet Petra Heide, Leiterin der Margarethen-Residenz. „Dann herrscht immer eine sehr festliche Stimmung“, bestätigt Möller.

Marion Kreutzer, Martina Möller und Petra Petersen mit Geschenken.
Doris Smit
Marion Kreutzer, Martina Möller und Petra Petersen mit Geschenken.
 

Auch der Heiligabend wird in beiden Häusern ähnlich gefeiert. In der Mühlen-Residenz wird Pastorin Nadja Jöhnk die Andacht halten. In der „Margarethe“ ist Pastorin Bettina Sender zuständig. Sie wird von Annegret Bregas am Klavier unterstützt. In beiden Residenzen tritt das Schleiorchester auf. „Der 24. gehört ausschließlich den Bewohnern“, erklärt Heide. Zur Bescherung gehen die Leiterin, Pflegedienstleiter Jörg Andresen und Sabine Tange-Schaub, Leiterin im Bereich Betreuung, in jedes Zimmer und überreicht das Geschenk, das für alle Bewohner gleich ausfällt, mit einem Gepräch und einem persönlichen Schreiben. In der Mühlen-Residenz suchen die Mitarbeiter die Geschenke aus. Lippenstift, Feuerzeug, ein Hundekalender oder Schlafsocken – „Die Betreuer kennen die Wünsche der Bewohner am besten“, erklärt Möller. Auch hier überreichen die Leiterinnen die Gaben.

Die große Weihnachtsfeier mit den Angehörigen hat die Margarethen-Residenz schon am ersten Adventssonntag ausgerichtet. Rund 100 Menschen waren im Saal dabei und Pastorin Sender hat sich viel Zeit für die Bewohner genommen.

Fest in die Vorweihnachtszeit gehört in der „Margarethe“, der Besuch des Posaunenchors. Einer der Bewohner war früher dort Mitglied, und das Orchester begann für ein Ständchen vorbeizukommen. „Der Herr ist inzwischen verstorben, aber der Posaunenchor setzt die Tradition nun für alle anderen hier fort“, erklärt die Leiterin. Großer Beliebtheit erfreut sich der „Kreative Tisch“. In der Adventszeit sind hier Leinwände in Gold und Silber, verziert mit Kugel, Gräsern und vielen kleinen Accessoires, entstanden. Die Damen am Tisch malten mit Glitteracrylfarben den Untergrund an und stimmten Farben, Anordnung und Menge der Materialien genau ab. Nicht immer waren sie einer Meinung, wenn es darum ging Sabine Tange-Schaub und Shunyuan Xing – zwei der kreativen Mitarbeiterinnen im Bereich Betreuung – um die Ausführung mit der Heißpistole zu bitten. „Es ist schön, hier etwas in Gemeinschaft zu machen“, sagte Gudrun Bohne (90). Mit ihren vier Kinder habe sie früher auch mal gebastelt. „Aber nicht so viel“, sagte die Kapplerin. „Eigentlich haben wir immer lieber Sport gemacht.“

Eine zusätzliche Überraschung soll in diesem Jahr Freude in die Herzen der Bewohner zaubern – vor allem in die der einsamen. „Es gibt einige hier, die niemanden mehr haben“, berichtet Heide. Für sie haben jetzt die Landfrauen gesorgt. In jedem Jahr spendet der Verein für einen guten Zweck. In diesem Jahr hat sich der Vorstand für Geschenke für Menschen ohne Angehörige entschieden. Damit es heute, am Heiligabend, auch wirklich eine Überraschung wird, haben die Pflegemitarbeiter die Wunschzettel ausgefüllt. „Sie kennen ihre Bewohner sehr gut“, sagt die Einrichtungsleiterin. Schal und Schultertuch, Bodylotion, ein Wecker, ein Hörbuch, Haarspangen und ein Herrenduft – die Landfrauen haben alles liebevoll verpackt und mit Namen versehen. Diese Pakete werden in beiden Einrichtungen verteilt. „Die Idee war nicht von mir“, sagt Petra Heide, die sich ehrenamtlich als Vorsitzende der Landfrauen engagiert. „Aber ich finde sie ganz toll. Das wird gut ankommen, da bin ich sicher.“

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