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Kappeln : „Es geht einfach nur Hand in Hand“

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Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Schlei Bote nominiert das Projekt der Flüchtlingshilfe für die sh:z-Auszeichnung „Menschen des Jahres“. Die Abstimmung läuft noch bis zum 31. Dezember.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2016 | 06:10 Uhr

Kappeln | Als im vergangenen Jahr die Zahl der aufs Land verteilten Flüchtlinge beständig stieg und Gemeinden landesweit vor der Herausforderung standen, die Ankommenden aufzunehmen, da war Kappeln vorbereitet. In der Schleistadt hatte man früh eine konkrete Vorstellung davon, wie man die Neu-Bürger in diesem ihnen fremden Land willkommen heißen wollte. Mit „Hand in Hand – Paten für Flüchtlinge in Kappeln“ ist im Februar 2013 ein Projekt entstanden, das der Flüchtlingsarbeit in der Stadt einen Rahmen gibt.

„Damals kamen die Flüchtlinge hier an, erhielten eine Wohnung und das war’s“, erinnert sich Helmut Schulz, der neben Marta Kraft und Propst Helgo Jacobs einer der Schirmherren ist. Die Menschen seien schlicht allein gelassen worden. „Die Willkommenskultur wurde ausgerufen – nur nicht gelebt.“ Es sei ihnen deshalb darum gegangen, diejenigen, die hier ankamen, aufzunehmen, zu unterstützen und mit ihren Fragen an die richtigen Adressen weiterzuleiten.

Angefangen hat alles im Januar 2013 mit einem runden Tisch aus Vertretern der Stadt wie Sozialamtsleiterin Helga Lorenzen, Vereinen, Verbänden und Institutionen, die sich in der Region um Flüchtlinge kümmerten und, so Marta Kraft, „dem Projekt guttun könnten“. Nach wenigen Sitzungen stand fest: Es müssen Paten gewonnen werden. Im Februar 2013 hatten all diese Bemühungen schließlich einen Namen: „Hand in Hand“. Der Start glückte. „Wir haben schnell Paten gewinnen können“, weiß Marta Kraft. 20 seien es anfangs gewesen, heute sind es 80 Paten, die sich um die etwa 230 Flüchtlinge in Kappeln kümmern.

Die Paten – das sind Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. „Das ist das Schöne“, sagt Kraft – und ein wesentliches Merkmal von „Hand in Hand“. „Wir wollen Niederschwelligkeit“, betont Kraft. „Jeder kann den Beitrag leisten, den er leisten möchte.“ Das können Spaziergänge sein, um die Gegend zu erkunden, Sprachkurse oder Behördengänge. Den Paten steht es frei, welche Unterstützung sie anbieten und wie viel Zeit sie dafür zur Verfügung stellen.

„Hand in Hand“ geht aber noch einen Schritt weiter: „Uns war es wichtig, dass die Menschen, die helfen wollen, nicht allein gelassen werden“, erklärt Kraft. Ihr Credo: „Hilfe zur Selbsthilfe“. Ziel sei es, die Ehrenamtlichen professionell zu unterstützen. „Die Schicksale und Traumata, mit denen Paten konfrontiert werden, sind nicht immer leicht zu bewältigen.“ In einer Handreichung werden den Paten deshalb die Aufgaben beschrieben, die sie übernehmen können, und Anlaufstellen genannt, wenn sie Hilfe brauchen. Denn: „Die Unterstützung der Paten ist auch ein Aspekt der Flüchtlingshilfe“, sagt Propst Helgo Jacobs. Durch die Kooperation mit der Stadt, Vereinen und Verbänden habe man dafür ein gutes Netzwerk mit vielen Kompetenzen aufbauen können. „Wir haben hier heute ein sehr gutes Auffangnetz“, bilanziert Jacobs. Und weiter: „Es geht uns um die Wahrung von Distanz – zum Schutz beider Seiten.“ In ihrer Handreichung für Paten lautet eine Regel: „Gut gemeint ist nicht immer gut“. Flüchtlingen solle nichts übergestülpt, auf ihre Selbstbestimmung geachtet werden. Von „einem falsch verstandenen Pflichtgefühl, das beiden Seiten schaden kann“, spricht Schirmherrin Marta Kraft in diesem Kontext.

Die Nominierung für „Menschen des Jahres“ kommt für die Schirmherren, die stellvertretend für das gesamte Projekt stehen, überraschend. Schlagzeilen über „Flüchtlingsströme“, „Flüchtlingskrisen“ oder „drohende Überfremdung“ sind dieser Tage weniger geworden, das Land scheint zu verschnaufen. Im Oktober 2016 waren es 454 Flüchtlinge, die Schleswig-Holstein aufgenommen hat – im Januar noch 2155. „Wir freuen uns über den Verbreitungsgrad“, sagt Marta Kraft über die Nominierung für die sh:z-Auszeichnung. Es gehe aber um das Projekt und nicht um die Ehrung einzelner Personen. „Die Nominierung soll auch ein Dank an die Menschen sein, die uns unterstützen“, ergänzt Jacobs. „Es geht einfach auch nur Hand in Hand“, so Kraft. Das Projekt solle Mut machen für andere Gemeinden, die diese Arbeit noch nicht angegangen sind. In Kappeln hat es funktioniert – mit Weitsicht, dem Engagement vieler und der steten Reflexion der eigenen Arbeit. Eine Bilanz der Schirmherrin nach drei Jahren: „Es funktioniert. Und es ist nicht so, dass man sich überfremdet fühlt.“ Vielleicht sei auch das der Grund, warum es in Kappeln bisher nie Probleme gegeben habe.

Aus „Hand in Hand“ sind derweil weitere Flüchtlingshilfen entstanden – etwa beim Verein „Frauenzimmer“ oder die Fahrradwerkstatt. Es werden immer noch Paten gesucht. Viele der Flüchtlinge, die einen Paten an ihrer Seite haben, beginnen nun ihre Integrationskurse. Sie sind der nächste Schritt, um in ihrer neuen Heimat zu bleiben. Integration, sagt Marta Kraft, das sei zurzeit auch das große Thema bei „Hand in Hand“. Sie soll gelingen. Die Grundsteine dafür werden Tag für Tag gelegt.

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