Erinnerung an alte Zeiten: Sonderzug nach Kappeln

Warten auf dem Kappelner Museumsbahnhof auf den Sonderzug, der sie zurück nach Kiel bringt: Bernd und Jutta Dose. Foto: U. Köhler
Warten auf dem Kappelner Museumsbahnhof auf den Sonderzug, der sie zurück nach Kiel bringt: Bernd und Jutta Dose. Foto: U. Köhler

Zum zweiten Mal fuhr die Deutsche Bahn anlässlich der Heringstage die Schleistadt per Zug an

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13. Mai 2013, 10:02 Uhr

KAPPELN | Nein, es war nicht der von Udo Lindenberg in den 1980er-Jahren besungene "Sonderzug nach Pankow", auf den die Eheleute Jutta und Bernd Dose warteten, sondern der nach Kiel, der sie von den Kappelner Heringstagen zurück nach Hause in die Landeshauptstadt bringen sollte. Sie waren am Sonnabend kurz vor 9 Uhr mit der Regionalschnellbahn bis Süderbrarup gefahren, um von dort mit dem Bus weiter nach Kappeln zu reisen. Nach einem ausgiebigen Bummel setzten sich die Doses pünktlich um 12 Uhr in besagten Sonderzug, wie ihn die Bundesbahn anlässlich des Herings-Spektakels eingesetzt hatte. Der war 45 Minuten zuvor auf dem Bahnhof der Museumsbahner im Südhafen eingetroffen. Zwar hätten die Kieler auch am späten Nachmittag mit dem Triebwagen und dann ohne umzusteigen, nonstop zurückfahren können, doch hatten sie diese Variante gewählt und waren zufrieden.

Für gewöhnlich ist auf dem Museumsbahnhof Dampf angesagt, doch auch mit Dieselkraft lässt es sich vorzüglich in die Schleistadt kommen. Doch das ist die große Ausnahme. Bei alledem kamen bei den älteren Fahrgästen - bei der ersten Sonderzugfahrt waren es knapp drei Dutzend - Erinnerungen auf, denn: Bis 1972 gab es auf der Strecke Kappeln-Süderbrarup eine regelmäßige Personenbeförderung. Noch einige Jahre länger wurden Güter auf der Strecke befördert. Beides ist längst vorbei. Nur noch die Museumsbahner sind mit ihren alten Dampf-Loks und Wagen heute bei besonderen Gelegenheiten auf der Strecke unterwegs - und das freut die Touristen: Nicht zuletzt der Nostalgie wegen.

Gesteuert wurde der Sonderzug von und nach Kiel von Lokführerin Ulrike Täffner, die im Normalfall auf der Strecke Kiel-Flensburg mit der Regionalbahn unterwegs ist. Kappeln - das war für sie eine ungewohnte Strecke. Und so stand ihr Albrecht Lind aus Harrislee als Lotse zur Seite. Er, im Hauptberuf Mitarbeiter des Flensburger Job-Centers, gehört zur Angelner Dampfeisenbahn und weiß um die Besonderheiten der Strecke Kappeln-Süderbrarup. Dazu gehören , wie er erzählte, 23 Übergänge, von denen fünf durch Streckenposten gesichert werden mussten. Einer der Streckenposten war Sören-Brian Krämer, der viele Jahre in Kappeln lebte, jetzt in Mannheim wohnt und dort hauptberuflich Zugführer bei der Deutschen Bundesbahn ist. Aber Kappeln lässt ihn nicht los, und so kehrt er immer wieder zurück - auch, um wie am Sonnabend in Süderbrarup die Weichen zu stellen. Das war zwingend erforderlich: Denn der Sonderzug traf dort aus der Landeshauptstadt mit drei Einheiten ein. Eine davon wurde abgekoppelt, fuhr nach Kappeln, die beiden anderen fahrplanmäßig weiter nach Flensburg. Bei der Rückkehr wurde dann wieder angekoppelt. Da musste rangiert, mussten Weichen gestellt werden. Für Lotse Lind galt es auch, darauf zu achten, dass auf der Museumsbahnstrecke die zulässige Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern eingehalten wurde. Zwar hätte die Regionalschnellbahn locker schneller fahren können, aber das gibt die Strecke nicht her.

Zum Sonderzugpersonal zählte auch Torsten Zabel, als Zugbegleiter für die Regionalbahn Schleswig-Holstein nördlich des Kanals "on tour". Für ihn war der Heringstage-Sonderzug ein Einsatz "außer der Reihe". Zu denen, die das alles genossen, gehörte der 17-jährige Florian Lauer aus Flensburg. Er war aus der Fördestadt mit der Regionalbahn regulär bis Süderbarup gefahren und dort in den Sonderzug nach Kappeln gestiegen. Das hatte er, wie er erzählte, schon immer gewollt: mit der Bahn von Flensburg nach Kappeln. Die Heringstage machten es möglich.

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