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Schwarzes Gold : Erdöl-Firma will in Schwansen fördern

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Kommunalpolitiker befürchten eine Verunreinigung des Grundwassers und negative Folgen für den Tourismus.

Sprudelnde Ölquellen verspricht sich die Firma Central Anglia (übersetzt: Mittelangeln) AS mit Firmensitz in Oslo von dem „Erlaubnisfeld Eckernförde“. Im Fünfeck zwischen Karlsburg, Damp, Waabs, Osterby und der Großen Breite vor Louisenlund vermutet das vor drei Jahren gegründete deutsch-norwegische Unternehmen zur Gewinnung und Förderung von Kohlenwasserstoffen (Erdöl und Erdgas) lukrative Erdölvorkommen. Das geht aus der gestern kurzfristig auf der Homepage des Kreises Rendsburg-Eckernförde veröffentlichten Übersichtskarte sowie aus Auskünften des Unternehmensvertreters Professor Dr. Reinhard Gast hervor.

Um Zugriff auf diese rund 26.500 Hektar große Fläche zu bekommen, hat Central Anglia vor etwa eineinhalb Jahren beim zuständigen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld (Niedersachsen) einen Antrag auf Aufsuchungserlaubnis gestellt. Genehmigt das Bergbauamt diesen Antrag, hat sich das Unternehmen – vergleichbar mit dem Abstecken von Claims bei der Goldsuche – das Ausschließlichkeitsrecht für das Aufsuchen der Bodenschätze im besagten Feld gesichert. Central Anglia geht noch einen Schritt weiter und hat vor etwa einem halben Jahr einen weiteren Antrag für das eng umgrenzte „Bewilligungsfeld Waabs“ im Bereich Großwaabs gestellt. Dort hat vor Jahrzehnten RWE-Dea nach Erdöl gebohrt, die Förderung aber aufgrund zu geringer Wirtschaftlichkeit wieder eingestellt. Durch die seitdem bis an die 100-Dollar-Marke für ein Barrel Erdöl gestiegenen Verkaufspreise ist das kleine Waabser Feld wirtschaftlich wieder interessant geworden, sagte Reinhard Gast gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Der Bewilligungsantrag umfasst nicht nur wie im Erlaubnisantrag das Aufsuchen, sondern auch die Gewinnung von Erdöl in knapp 2000 Metern Tiefe und anderer Bodenschätze in dem Gebiet.

Das alles klingt für die bereits unterrichteten, aber zur Verschwiegenheit verpflichteten Bürgermeister und rund 200 Gemeindevertreter im „Erlaubnisfeld Eckernförde“ und „Bewilligungsfeld Waabs“ ziemlich bedrohlich. „Die Bürgermeister waren entsetzt“, berichtete Amtsdirektor Gunnar Bock gestern über die spontanen Reaktionen der 19 Bürgermeister der betroffenen Schwansener Dörfer. Sie befürchten durch die Ölförderung eine Verunreinigung des Grund- und Trinkwassers im Bereich des Wasserwerks Mittelschwansen in Waabs, das im Sommer bis zu 35.000 Menschen mit Trinkwasser aus 160 bis 200 Metern Tiefe versorgt. „Wir haben ihnen gegenüber eine Verantwortung“, sagte der Vorsitzende des Wasserbeschaffungsverbandes Mittelschwansen, Damps Bürgermeister Horst Böttcher. „Wenn der Wasserleiter verseucht wird, können wir das Wasserwerk Waabs zumachen.“ Pro Jahr werden dort rund 1,3 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert. „Ich rufe heute im Gemeinderat alle Gremien und Bürger dazu auf, sich hinter den Wasserbeschaffungsverband zu stellen und zu sagen: ’Das geht so nicht!’“, sagte Böttcher.

Darüber hinaus sehen die Kritiker der Erdölförderung auf den Naturschutz und den Tourismus schwere Beeinträchtigungen zukommen, wenn zwischen Schlei und Ostsee Erdölquellen aus dem Boden schießen und das „schwarze Gold“ in Rohöltanks lagert und per Tanklastwagen in die Raffinerie nach Heide gefahren wird. Auch Eckernfördes Bürgermeister Jörg Sibbel sowie sein Amtskollege aus Osterby, Robert Ott, sind alles andere als begeistert über die bekannt gewordenen Pläne der Osloer Erdölförderfirma. Das Eckernförder Stadtgebiet liegt zu etwa zwei Drittel in dem Potenzialgebiet. „Unvorstellbar, dass hier nach Erdöl gebohrt werden soll“, sagte der Bürgermeister.

Das Amt Schlei-Ostsee koordiniert den Abstimmungsprozess in den amtsangehörigen Gemeinden unter Einbeziehung Eckernfördes und Osterbys und bereitet eine gemeinsame, ablehnende Stellungnahme vor, die der Kreisverwaltung zur Weitergabe an das Bergbauamt zugeleitet werden soll. Hauptsächliches Gegenargument ist die mögliche Gefährdung des Grund- und Trinkwassers auch ohne die von Central Anglia ausdrücklich ausgeschlossene Methoden Fracking und Kohlenstoffdioxid-Speicherung (CCS) sowie ein Eingriff in geschützte Naturräume und negative Auswirkungen auf den Tourismus. Bis 3. Oktober muss die Stellungnahme in Clausthal-Zellerfeld vorliegen, im Falle des Bewilligungsfeldes Waabs hofft Amtsdirektor Bock auf eine Fristverlängerung bis Mitte Oktober.

Central-Anglia-Vertreter Reinhard Gast setzt auf den Dialog mit den betroffenen Kommunen, hofft gleichwohl aber auf eine baldige Genehmigung, um die seismischen Untersuchungen und Probebohrungen vorantreiben zu können.

 

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erstellt am 26.Aug.2014 | 12:30 Uhr

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