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Schlei-Bote

18. Dezember 2017 | 10:46 Uhr

Erbe angelsächsischer Missionare

vom

Achte Folge unserer Kirchenserie: St. Matthäus in Medelby stammt aus dem elften Jahrhundert

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Medelby | Als der dänische König Knut der Große im elften Jahrhundert aus England zurückkehrte, trieb er die Missionierung im heutigen nördlichen Schleswig-Holstein voran. Angelsächsische Priester wurden damit beauftragt, das Wort Gottes zu verbreiten und Kirchen zu errichten. In dieser Zeit entstanden viele Gotteshäuser im Kreis Schleswig-Flensburg - auch die St.-Matthäus-Kirche in Medelby.

Elisabeth Sporn, die regelmäßig Kirchenführungen anbietet, erzählt den Besuchern immer eine Anekdote zur Errichtung des Bauwerks. Demnach wurden

St. Matthäus und die Großenwieher Kirche von zwei Riesen gebaut. Da diese jedoch nur einen Hammer hatten, um die Feldsteine zu bearbeiten, warfen sie sich das Werkzeug gegenseitig zu. Dabei beschädigten sie den Turm der Wallsbüller Kirche. Noch heute erinnere der stumpfe und niedrige Aufsatz an dieses Ereignis.

St. Matthäus besteht aus einem trapezförmigen Saalbau und einem spätromanischen Feldsteinschiff. An der Westmauer befinden sich verschiedene Buchstaben und Zahlen. Unter dem Monogramm des dänischen Königs Friedrich V. stehen die sieben Buchstaben "LVK RP JB". Sporn erklärt: "LVK steht für Ludwig von Königstein, Amtsmann im damals noch herzoglich gottorfischen Amt Tondern. RP erinnert an den Propst Reimarus Präpositus und JB an den seinerzeit amtierenden Pastor Johannes Boethius."

An der Nordseite sind noch deutlich die Umrisse einer Tür zu erkennen. Durch diese Tür mussten früher die Frauen die Kirche betreten, sie durften nicht den Eingang im Süden benutzen. Dieser war den Männern vorbehalten. Aber nicht nur beim Betreten, sondern auch während des Gottesdienstes wurden Frauen und Männer getrennt - "schließlich sollten sie sich nicht gegenseitig ablenken, sondern sich auf das Wort Gottes konzentrieren", erzählt Elisabeth Sporn.

Das Kirchenschiff fällt vor allem durch seine farbenfrohe Gestaltung auf. Auf der Empore an der Nordwand zeigen 32 Bilder die verschiedenen Stationen von der Schöpfung bis zur Himmelfahrt Jesu. Ungewöhnlich ist laut Sporn auch der dreiteilige Schnitzaltar im spätgotischen Stil sowie der Granit-Taufstein aus dem zwölften Jahrhundert. Diese beiden Kunstschätze befinden sich im Altarraum, der 1765 aus Backstein gebaut worden war. Aus der Renaissance stammt die vierseitige Kanzel mit kleinen Säulen und Rankenwerk. Die Orgel von 1895 wurde mit pneumatischer Traktur gesteuert und ist ein Werk der dänischen Orgelbaufirma Marcussen. 1969 wurde sie von der im Orgelbau erfahrenen Lübecker Familie Kemper restauriert.

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