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Schlei-Bote

20. Oktober 2017 | 20:35 Uhr

Kappeln : Entlassen in Geborgenheit

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mehr als 400 Menschen verabschieden Christoph Sassenhagen nach fast 20 Jahren als Gemeindepastor.

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2015 | 07:30 Uhr

Um kurz vor drei hat Christoph Sassenhagen gestern Nachmittag das Licht auf der Kanzel der Nikolaikirche ausgeschaltet. Zum letzten Mal nach knapp 20 Jahren. Davor und vor allem danach durfte der langjährige Pastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Kappeln einen Gottesdienst erleben, in dem ausnahmsweise einmal er selber im Mittelpunkt stand. Ein Umstand, der Christoph Sassenhagen nicht unbedingt entgegen kommt. Der Mann ist dafür viel zu bescheiden. Gestern allerdings musste er die Sache einfach mal aushalten – immerhin wollten ihn mehr als 400 Menschen verabschieden und ihm für seine neue Aufgabe als Gemeindepastor in Friedrichstadt jede Menge gute Wünsche mit auf den Weg geben. Und auch Sassenhagen selber hatte seiner Gemeinde noch etwas zu sagen.

In Anlehnung an den Ausschnitt des Lukas-Evangeliums, den Christoph Sassenhagen für den gestrigen Tag selbst ausgewählt hatte und der die Begegnung der Emmaus-Jünger mit dem Auferstandenen zum Thema hat, betonte der Pastor, dass ihm diese Geschichte in den vergangenen Wochen „zugewachsen“ sei. „Es geht auch um einen guten Aufbruch und um ein trauriges Stehenbleiben“, sagte Sassenhagen. Auch bei ihm habe es eine Phase gegeben, in der er sich hilflos gefühlt habe, weil er etwas Liebgewordenes aufgebe. In einer sehr persönlichen Predigt ließ er immer wieder Worte des Dankes einfließen, sprach davon, dass es ein Geschenk gewesen sei, den Menschen so begegnen zu dürfen, wie es ihm erlaubt gewesen sei. Er erinnerte sich an die Arbeitsbereiche, in denen er mitgewirkt hatte und von denen andere sagen, er habe sie entscheidend mitgeprägt – etwa bei Trauergesprächen, beim Besuchsdienst, bei der Konfirmandenarbeit, im Kirchengemeinderat. Mit Blick auf seine beiden Kappelner Pastoren-Kollegen Gönna Hartmann-Petersen und Karsten Petersen sprach er davon, der Gemeinde mit ihnen gemeinsam „einen guten Frieden erhalten“ zu haben.

Dabei hielt Sassenhagen seine eigene Rolle klein. „Ein Pastor ist wie der Wind, der die Oberfläche des Meeres kräuselt und manchmal vielleicht eine Welle aufwirft“, sagte er. „Aber das Meer ist die Gemeinde.“ Und eben diese Gemeinde sei es, die das kirchliche Leben bestimme und ausmache, nicht das Amt des Pastors. Dieser könne zwar Wegweiser sein und Dialogpartner, den Weg aber forme die Gemeinde. „Und in Kappeln gibt es so viele Gaben, dass sich immer ein kraftvolles Leben entwickeln wird“, sagte Sassenhagen. Dazu zählte der Pastor auch Geborgenheit, deren innerster Kern der christliche Glaube sei. „Und heute entlassen wir uns gegenseitig in dieser Geborgenheit und bleiben gleichzeitig in ihr verbunden.“

Propst Helgo Jacobs sprach Christoph Sassenhagen anschließend die Eigenschaft zu, den Menschen zugewandt zu sein. „Das, was Menschen bewegt, ist Ihr Thema“, sagte Jacobs und erläuterte das Kriterium, mit dem er einen guten Pastor verbindet. „Ich stelle mir die Frage: Würde ich in einer für mich schwierigen Situation zu demjenigen gehen?“ Seine Antwort mit Blick auf Christoph Sassenhagen: „Ja, würde ich.“ Damit künftig die Gemeinde in Friedrichstadt diese Frage bejahen kann, entpflichtete der Propst den Pastor offiziell von seinen Aufgaben in Kappeln.

Im Anschluss an den gut eineinhalbstündigen Gottesdienst, an dem auch die Kantorei Kappeln und Sassenhagens früherer Kappelner Weggefährte Pastor Christof Jaeger am Saxofon mitgewirkt hatten, ergriff zunächst Dagmar Ungethüm-Ancker das Wort. Die Bürgervorsteherin betonte besonders „die ruhige und besonnene Art“ des scheidenden Pastors und räumte ein: „Uns fällt es schwer, Sie gehen zu lassen.“ Als Abschiedsgeschenk übergab sie ihm eine Rosenpflanze mit dem vielsagenden Namen „Samaritan“. Hans-Hermann Mehde von der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde stellte Sassenhagens Anstrengungen um die Ökumene heraus und überreichte ihm eine buntgestreifte Kerze mit den Worten: „Ich wünsche dir, dass du das Licht der Vielfarbigkeit in Friedrichstadt neu entzündest.“ Für die Kirchengemeinde Ellenberg sprach Pastor Gotthard Köppen davon, dass Christoph Sassenhagen Zeichen in den Herzen der Menschen hinterlassen habe. „Solche Zeichen bleiben“, sagte Köppen. Und stellvertretend für die Kirchengemeinde Kappeln hob Heike Nissen Sassenhagens „außergewöhnliche Ideen“ hervor, denen sie in Friedrichstadt „neuen fruchtbaren Boden“ wünschte. Als Erinnerung an die vergangenen 20 Jahre erhielt Sassenhagen eine Nachbildung des Heiligen Christophorus.

Und kurz vor Toreschluss regte sich dann doch noch einmal Widerspruch, als der Propst dem scheidenden Pastor in einem Punkt nur in Teilen recht gab. „Es stimmt, das Amt ist nicht entscheidend“, sagte Helgo Jacobs. „Aber die Person ist es eben doch.“

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