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Familienfreizeit an der Nordsee : „Endlich mal raus aus dem Alltag“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Lions-Club Kappeln finanzierte sozialschwachen Familien einen Kurzurlaub nach Sylt. Die Familienbildungsstätte übernahm die Organisation.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2017 | 07:00 Uhr

Kappeln | Gut gelaunt sprangen die ersten Kinder aus dem großen Reisebus vor der Familienbildungsstätte. Mütter, Väter und Silja Thimsen mit Tanja Hohmann kamen nicht ganz so schwungvoll hinterher. In dieser Woche hatte der Lions-Club Kappeln in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Familienbildungsstätte (FBS) einigen Familien einen kostenlosen Kurzurlaub ermöglicht. 32 Reiseteilnehmer, davon 17 Kinder, waren für vier Tage nach Sylt gereist und kamen gut erholt und voller Eindrücke wieder in Kappeln an.

„Das war super“, sagt Tanja Kannecht aus Kappeln. Die Alleinerziehende Mutter war mit ihren beiden Töchtern Luisa (2) und Leila (6) unterwegs. „Wir waren im Aquarium, am Strand und die Kinder haben gebastelt. Die wollten da gar nicht wieder weg“, sagte die 26-Jährige und: „Das war unser erster gemeinsamer Urlaub.“ Das erste Mal zusammen weg, das waren auch Nina Thode und ihre Tochter Liana (4). Die 25-Jährige ist ebenfalls alleinerziehend und berufstätig. „Das ist sehr großzügig vom Lions-Club. Das hätten wir uns alleine nicht leisten können“, sagt die Kapplerin. Ihre Freundin Jana Skrey stimmte zu. Sie war mit ihrer Tochter Neele (3) mit dabei. „Endlich mal raus aus dem Alltag. Und vor allem: Zeit mit dem Kind verbringen – das war es vor allem für mich.“ Die Ausflüge, die Betreuung, die Bastel- und Spielaktionen, das Vorlesen am Abend – für Thode und Skrey war alles perfekt organisiert. „Und Silja und Tanja haben das toll gemacht“, sind sie sich einig.

Silja Thimsen, Koordinatorin des Familienzentrums in Kappeln, und Tanja Hohmann, stellvertretende Leiterin der FBS Schleswig und Kappeln, hatten die viertägige Fahrt begleitet. Für die Kinderbetreuung waren darüber hinaus noch zwei Teamer mitgereist. Untergebracht waren die Familien im ADS Schullandheim bei Rantum. Es waren Alleinerziehende ebenso dabei, wie ganze Familien. Die Altersspanne der Kinder lag zwischen sechs Monaten und 17 Jahren.

Die Voraussetzung dafür mitzufahren, sei es gewesen, dass mindestens ein Elternteil berufstätig und ein Kind im Kindergarten sein musste, erklärte Silja Thimsen. „Die Freizeit war für die gedacht, die arbeiten und sich abrackern, damit es zum Leben reicht, aber ein Urlaub einfach nicht drin ist“, beschreibt sie den Ansatz. Die Informationen über die Freizeit war gezielt an alle Kindergärten in Kappeln gegangen und dort verteilt worden. Und die Stimmung während der Freizeit war gut. „Die Kinder waren so begeisterungsfähig und die Familien wirkten alle so zufrieden“, sagte Silja Thimsen. Das war wirklich ein sehr angenehme und tolle Gruppe.“

Bereits vor drei Jahren habe der Lions-Club Kappeln so eine Freizeit finanziert, berichtete Tanja Hohmann. „Das besondere an dieser Fahrt war für uns, dass die Initiative nicht von uns ausging, sondern vom Lions-Club“, sagte Antje Schümann, Leiterin der FBS in Schleswig und Kappeln. Meistens entwickelten sie die Ideen und müssten dann nach Geldgebern suchen. „In diesem Fall kam der Anruf, ob wir uns vorstellen könnten, so eine Fahrt noch einmal auf die Beine zu stellen“, so Schümann weiter. So hatte die Familienbildungsstätte die Organisation gern übernommen und dafür Mitarbeiter gestellt und die beiden Teamer angeheuert. „Allein die Anfrage haben wir als unglaubliche Wertschätzung unserer Arbeit empfunden“, sagte die Leiterin. Über den Erfolg der Familienfreizeit, die positive Resonanz und Dankesbekundungen bei der Ankunft in Kappeln freute sich auch Matthias Gloge, Präsident der Lions in Kappeln. „So soll es ja auch sein. We serve – wir helfen, das ist das Motto des Lions-Clubs. Wir wollten gezielt an die Familien ran, die sich trotz Arbeit keinen Urlaub leisten können“, sagte er. Die 7000 Euro, die der Kappelner Service-Club hier investiert hat, kommt zum größten Teil aus den Erlösen aus dem Verkauf des Adventskalenders 2015 und 2016. Für die Familien war die Reise, die Unterbringung und die Verpflegung kostenlos. Die Angebote, wie die Ausflüge, turnen oder kegeln, waren für die Teilnehmer alle optional.

2013, 2017 – ob es noch eine Wiederholung der Familienfreizeit geben wird? „Es ist ein Erfolgsmodell, das gern weiter geführt werden sollte“, sagte Antje Schümann vorsichtig. „Und wenn man von einer Sache überzeugt ist, schafft man es ja in der Regel auch, Mittel dafür zu akquirieren.“ Ein fragender Blick in Richtung des Lions-Präsidenten. Der lacht. „Auf alle Fälle“ könne er sich vorstellen, dass der Lions-Club sich noch einmal an so einer Aktion beteilige. Bleibt also nur die Frage: Wer ruft am Ende wen an?

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