Kappeln – Schleiterrassen : Endlich Baurecht

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Auf den Schleiterrassen kann gebaut werden. Sechs Jahre nach dem Verkauf des Geländes in Ellenberg hat die Politik den Weg frei gemacht für ein neues Wohngebiet mitten in der Stadt.

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20. Dezember 2017, 12:01 Uhr

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, da erinnerten an dieser Stelle ein paar Zeilen an ein reichlich trostloses 26 Hektar großes Grundstück mit Schleizugang. Zu diesem Zeitpunkt war es genau fünf Jahre her, dass die Atlantic Maritime AMA GmbH den Kaufvertrag für die frühere Marinewaffenschule in Ellenberg unterzeichnet hatte, Verhandlungen mit der Verwaltung waren jedoch spürbar ins Stocken geraten. Und heute, sechs Jahre danach, verrotten die Bauten auf dem Areal zwar immer noch vor sich hin, den Rasen hat schon seit Ewigkeiten niemand mehr gemäht, und auch die Rostschicht auf dem metallenen Eingangstor scheint sich noch ein bisschen weiter ausgebreitet zu haben. Gleichzeitig aber – und das ist das Gute an diesem beklagenswerten Zustand – sind die Zeiten der Verwahrlosung vorbei. Endlich. Die Stadtvertretung hat in ihrer letzten Sitzung des Jahres den Satzungsbeschluss für den B-Plan 74 gefasst – heißt: Ab sofort herrscht Baurecht. Kein Rost. Kein kniehohes Gras. Keine eingeschlagenen Fenster. Baurecht.

Einstimmig fiel die Entscheidung derweil nicht aus, weder im Bauausschuss noch in der Stadtvertretung. In beiden Sitzungen brachte etwa Norbert Dick (Grüne) sein Missfallen an der geplanten Steganlage zum Ausdruck, deren Länge 142 Meter betragen soll. „Sehr heftig“, nannte er dieses Maß, das das Landschaftsbild erheblich verändern werde. „Mit diesem Monstersteg kann ich überhaupt nicht leben“, sagte Dick. Daran änderten auch die Worte von Rainer Moll (SPD) nichts, der darauf aufmerksam machte, dass die Länge allein deshalb erforderlich sei, da die Boote, die am Steg festmachen sollen, eine gewisse Wassertiefe benötigten. Lars Braack (SPD) hielt den B-Plan derweil für „gut gelungen“ und: „Dort wird kein Bollwark entstehen, ich sehe daher sehr positiv in die Zukunft.“ Im Bauausschuss stimmten fünf Mitglieder für den B-Plan, zwei enthielten sich (SSW, LWG), eines stimmte dagegen (Grüne), auch in der Stadtvertretung fiel der Satzungsbeschluss mehrheitlich.

Im Gespräch mit unserer Zeitung machte Jan Christopher Kortüm von der AMA Schleiterrassen GmbH deutlich, dass er trotz allem ein gutes Gefühl aus der Sitzung mitgenommen habe. „Meine Stimmung ist nicht getrübt“, sagte er. „Auch wenn es ein bisschen surreal war, dass es am Ende so viele Jahre gedauert hat. Ich freue mich jetzt einfach darüber, dass wir Baurecht haben – etwas, auf das wir so lange gewartet haben. Jetzt können wir endlich mit unserer Arbeit beginnen.“ Und die sieht unter anderem vor, dass ein moderner Webauftritt zum Projekt im nächsten Monat online gehen soll. Kortüm berichtete zudem von Gesprächen mit Maklern, die anstehen, und die die Schleiterrassen in eine „überregionale Empfängerschaft“ tragen sollen, von einem Anlaufpunkt, vielleicht einem Container, der bald auf dem Gelände stehen soll, damit potenzielle Besucher einen Ort haben, an dem sie einen Ansprechpartner finden. „Wir wollen möglichst schnell die Steganlage erstellen, damit das Wasser schon mal erlebt werden kann“, sagte er weiter.

Und das erste Haus? Wann steht das? „Ich rechne damit, dass wir 2019 mit dem Hochbau starten“, sagte Kortüm. „Veränderungen auf dem Grundstück wird man aber bestimmt schon 2018 wahrnehmen.“ Beispielsweise durch den Abriss, mit dem bis zum Juni begonnen werden soll. „Es wird während der Bauzeit kein geschlossenes Gelände sein“, kündigte Kortüm an. „Sondern ein offenes Quartier, das die Leute auch selber erkunden können.“

Was die zähen Verhandlungen mit der Verwaltung der vergangenen Jahre betrifft, signalisierte der Hamburger, ein Nachsinnen loslassen zu wollen. „Ich möchte nicht mehr so viel zurückblicken, sondern mich lieber freuen, dass wir loslegen können.“ Daran knüpfte er dann auch ein Lob: „So schwierig die vergangenen Jahre waren, so produktiv waren die letzten sechs Monate“, sagte Kortüm. „Die Unterstützung von Politik und Verwaltung in dieser Phase war schön.“

Frank Krogel von der AMA Schleiterrassen GmbH hatte bereits die Sitzung der Stadtvertreter genutzt, um seinen Dank loszuwerden. „Wir haben sehr intensiv gerungen“, hatte Krogel gesagt und auch betont, dass die unmittelbaren Monate zuvor von „vertrauensvoller Zusammenarbeit“ geprägt gewesen seien. Jetzt werde man sich viel Mühe geben, zeitnah anzufangen.

Kein Rost mehr. Kein kniehohes Gras. Baurecht.

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