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Schlei-Bote

22. Oktober 2017 | 12:26 Uhr

Ellenberg: Mehr Grün, weniger Boote

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Investoren der Schlei-Terrassen verzichten auf zweite Steganlage / Gehölzpflanzungen im Süden werden üppiger als geplant

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2013 | 00:33 Uhr

Der Bauausschuss hat dem Projekt Schlei-Terrassen einen kleinen Stoß in Richtung Realisierung gegeben. Mehrheitlich beschloss das Gremium die Entwürfe der nötigen F-Plan-Änderung zu billigen und diese öffentlich auszulegen. Während der Sitzung erhielten auch Vertreter der Umweltverbände erneut Gelegenheit, zu der Idee Stellung zu nehmen. Und eines wurde bereits deutlich: Der aktuelle Planungsstand weicht in zwei Punkten deutlich vom ersten Entwurf ab, um eben den schon mehrfach geäußerten Umweltbedenken Rechnung zu tragen.

Bevor es an irgendwelche Inhalte ging, hob Bauausschussvorsitzender Volker Ramge (CDU) erneut das derzeitige Planungsstadium hervor. „Mit dem F-Plan betrachten wir die grundsätzliche Nutzung der Fläche. Es geht dabei weder um die exakte Art der Bebauung noch um mögliche Baugrenzen“, sagte Ramge. „Es ist Aufgabe des späteren B-Plans, diese genaueren Details herauszuarbeiten.“ Danach lobte Ramge das „sehr bemerkenswerte Umweltgutachten“ und den Umstand, dass geäußerte Bedenken „zutreffend eingebunden“ worden seien. Die zwei deutlichsten Konsequenzen: Statt der ursprünglich zwei geplanten Steganlagen soll nur noch eine im nördlichen Bereich umgesetzt werden. Außerdem sind die Grünflächen gegenüber dem Ursprungsentwurf spürbar gewachsen. Weitere Zugeständnisse an den Umweltschutz: Ein Biotop und ein Überschwemmungsgebiet haben Eingang in die Pläne gefunden.

Landschaftsarchitekt Uwe Herrmann, verantwortlich für das Umweltgutachten, erklärte danach in großer Ausführlichkeit die Ergebnisse seiner Prüfung und deren Auswirkungen auf den F-Plan. So habe man auf die Steganlage im Süden verzichtet, da man dort verstärkt auf Flachwassergebiete gestoßen sei. „Im Norden erreichen wir dagegen schnell eine große Wassertiefe, ohne dass man groß in die Natur eingreifen muss“, konstatierte Herrmann. „Dort ist Potenzial für einen Sportboothafen.“ Und auch dort gilt: Dinge wie den genauen Verlauf der Stege oder die exakte Anzahl der Liegeplätze konkretisiert erst der B-Plan.

Weiterhin führte Herrmann aus, dass man die Biotopgrenzen auf der Wasserseite nach absolvierten Tauchgängen erweitert und die Steilküste vollständig aus der Bebauung herausgenommen habe. Zu den bestehenden Waldflächen erklärte der Landschaftsarchitekt, dass man diese in Grünflächen umwandeln wolle, um sich bei der angrenzenden Bebauung nicht an den vorgeschriebenen Abstand von 30 Metern halten zu müssen. Laut F-Plan-Begründung ist diese festgesetzte Distanz auch derzeit teilweise ohnehin nicht gegeben. Herrmann: „Die Waldverluste werden sich eher aus dieser Umwandlung ergeben als aus der tatsächlichen Rodung.“ So soll der Gehölzbestand im südlichen Bereich sogar größer werden.

Mit Blick auf die möglicherweise vorhandenen Tiere erklärte der Experte, dass sich das Areal als „erstaunlich individuen- und artenarm“ erwiesen haben. Derzeit gehe er daher nicht davon aus, dass artenschutzrechtliche Bedenken auftreten könnten.

Für die Interessengemeinschaft Umweltschutz (IGU) ergriff Vorsitzender Dieter Rackow das Wort und führte den Gänsesäger ins Feld, ein Tier aus der Familie der Entenvögel, dessen beliebter Rastplatz sich just dort befinde, wo der Sportboothafen geplant sei. Rackow: „Der Sportboothafen liegt uns nach wie vor auf dem Magen.“ Uwe Herrmann stimmte ihm zu, wies jedoch darauf hin, dass der Bereich um den Hafen nur dann als Rastplatz relevant werde, wenn das vom Gänsesäger eigentlich bevorzugte Areal in Port Olpenitz zufriere. Herrmann: „Eventuell müsste man prüfen, ob es eine zeitliche Regelung für die Nutzung des Hafens geben muss.“ Auf jeden Fall würden die Boote nicht unmittelbar am Uferrand liegen.

Dagmar Struß vom Nabu Ostangeln äußerte zunächst positive Kritik, als sie feststellte, die vom Nabu angemahnten Punkte seien „zum größten Teil“ berücksichtigt worden. Struß: „Viele heikle Dinge sind entschärft. Wir sind auf einem guten Weg.“ Gleichwohl wolle auch sie den Sportboothafen weiter kritisch begleiten und schlug zudem vor, die streng geschützten Bereiche mit einem Zaun abzugrenzen. Diese Idee stieß bei Uwe Herrmann nur auf bedingte Begeisterung. Zwar zählte der Landschaftsarchitekt Tiere wie Blessralle, Silbermöwe oder Teichrohrsänger auf, die sich in den genannten Bereichen aufhielten – „aber in viel geringeren Vorkommen als in Port Olpenitz“.

Gast der Bauausschusssitzung war mit Frank Krogel auch einer der Investoren der Schlei-Terrassen. Der Geschäftsführer der Norddeutsche Grundvermögen nannte die Veränderungen zur Ursprungsplanung „einen ganz großen Schritt“. Man habe das Gehölz gestärkt und eine Steganlage aufgegeben – „für uns ist das erheblich“, sagte Krogel. „Aber wir haben es auch gerne gemacht, weil wir ja eine tragfähige Planung auf den Weg bringen möchten.“ Unterm Strich jedoch, das verhehlte Krogel nicht, sei die finanzielle Tragfähigkeit nach dem Verzicht auf die zweite Steganlage nun ausgereizt.

Am Ende der recht ausführlichen Diskussion fiel das Votum eindeutig aus: Mit sieben Ja-Stimmen und einer Gegenstimme (B90/Grüne) beschloss der Bauausschuss diese F-Plan-Änderung für die Schlei-Terrassen.

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