zur Navigation springen

Kappeln : Einsturzgefahr: Linden zerstören Mauer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Auf dem Grundstück der St. Nikolaikirche müssen vier 200 Jahre alte Bäume gefällt werden. Wurzelwerk greift Feldsteinmauer an.

shz.de von
erstellt am 20.Feb.2015 | 08:30 Uhr

Rund 200 Jahre sind sie alt und zählen damit wohl zu den ältesten Bäumen der Stadt. Doch womöglich schon morgen müssen vier Winterlinden an der zur Schlei gerichteten Seite des Kirchengrundstückes weichen. „Eben habe ich den Auftrag zur Fällung der Linden erteilt“, sagte Pastor Dr. Karsten Petersen gestern kurz vor 15 Uhr. Vorausgegangen war die Genehmigung dieser Maßnahme durch die Untere Naturschutzbehörde. Ein Artenschutzgutachten rechtfertige die Fällung.

„Das Wurzelwerk befindet sich direkt auf der Steinmauer und die ist massiv einsturzgefährdet“, sagt Pastor Petersen und zeigt auf einzelne Steine, die aus der Mauer schon herausragen. Von der Seite ist eine bauchige Wölbung der Mauer zu erkennen. „Keine Frage, die Bäume müssen schnellst möglich runter, sonst werden sie zu einer Gefahr für Menschenleben und Sachen“, so Petersen. Denn unterhalb der Kirche befindet sich ein Gebäude.

„Die vier Linden sind rott, vom Pilz befallen. Auch ohne die Mauer hätten drei jetzt gefällt werden müssen, eine vielleicht etwas später“, sagt der Pastor. Ersatz wird später in Form junger Bäume gepflanzt. Petersen, der auch Vorsitzender des Kirchengemeinderates ist, begibt sich mit seinem stellvertretenden Vorsitzenden Walter Gaul zu den vier Linden, die ein Absperrgitter umgibt. „Die Bäume sind von innen hohl“, sagt Gaul. Er hat dies auf einem Monitor beobachtet, als eine Kamera Bilder vom Innern der Bäume lieferte. Das war nötig, um zu untersuchen, ob Fledermäuse sich dort eingenistet haben. Doch die gab es dort auch laut Versicherung eines Gutachters dort nicht, statt dessen einige leere Flachmänner. Damit sich jetzt in der Zeit bis zum Fällen der Bäume keine Fledermäuse mehr dort einnisten, wurden die Hohlräume mit Tüten verstopft.

„Das Fallen der Bäume ist natürlich ein optischer Einschnitt“, meint Petersen. „Aber aus Lust und Laune tun wir das nicht, mir blutet das Herz, wenn ich nur daran denke, aber es ist eben nötig“, so der Pastor. Und Geld kostet die Maßnahme auch. „Also mit rund 100  000 Euro rechnen wir“, sagt Walter Gaul. Denn auch die Feldsteinmauer wird voraussichtlich im Sommer Stein für Stein abgetragen. Später sollen die Steine mit Beton verbunden jeweils an der selben Stelle wieder eingesetzt werden. „Außerdem erhält die Mauer eine Wurzelsperre, damit die neuen Bäume nicht die gleichen Schäden verursachen, die die alten Linden verursacht haben.

Bislang haben Anker die Stabilität des Mauerwerkes gesichert. Doch so manche Verbindungsstücke der rund 50 Jahre alten Anker zu den Fundamenten sind inzwischen brüchig. Die Kirche will jetzt aus der Situation das Beste machen. „Wir wollen den alten Zustand wieder herstellen und die Lindenallee wieder vervollständigen“, sagt Walter Gaul. Das bedeutet, dass zusätzlich zu den Ersatzpflanzungen der vier betroffenen Bäume nördlich davon zwei weitere Linden gepflanzt werden. Doch dieses Mal soll es größere Abstände auch zur Mauer geben. Wie Gaul meint: „In 100 Jahren sollen nicht die gleichen Probleme wieder auftauchen, wie wir sie jetzt haben. Wir wollen langfristig denken.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen