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Steinbergkirche : Einmal im Monat kommt der Dorfgeist

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Querner Bürger wollen den Namen ihres Dorfes am Leben erhalten und die Gemeinschaft aktiv gestalten.

Als Gerd und Gisela Lassen 2011 in Großquern ihre „Hökerei“ schlossen, ging ein wichtiger Mittelpunkt des dörflichen Lebens verloren. Denn genau dort traf man sich – nicht nur, um einzukaufen, sondern auch, um Neuigkeiten auszutauschen und miteinander zu schnacken. Und nun war das mit einem Schlag vorbei. Im Laufe der vorhergehenden Jahre hatte Großquern nach und nach ähnliche Rückschläge hinnehmen müssen. Einst gab es zwei Kaufmannsläden, einen Grünhöker, zwei Bäcker, einen Schuhmacher, einen Land- und Kohlenhandel, zwei Schmieden, eine Autowerkstatt, zwei Arztpraxen, eine Apotheke, vier Gastwirtschaften, eine Meierei, eine Spar- und Darlehnskasse mit Silo, eine Volksschule und einen Kindergarten. Doch nach und nach verschwand alles, und zuletzt schloss sich die Gemeinde Quern auch noch mit der Gemeinde Steinbergkirche zusammen. Das bedeutete zugleich, dass es den Namen Quern im Prinzip nicht mehr gibt – er taucht nur noch in den Namen von Vereinen auf wie beispielsweise Oldiclub oder Landjugend Quern.

Ohne Frage gibt es einen solchen Schwund von Geschäften auch in anderen Gemeinden und ist den gesellschaftlichen Veränderungen geschuldet. Da sind dann Kirchengemeinde und Feuerwehr die Institutionen, die für ein gemeindliches Leben sorgen. Doch die Großquerner wollten und wollen mehr. Also gründete sich im Februar vor drei Jahren der „Dorfgeist Quern“: kein Verein, keine Satzung, einfach ein Zusammenschluss interessierter Bürger, in den jeder seine Ideen einbringen kann. Die organisatorischen Fäden laufen bei Annegret und Albrecht Wittkuhn zusammen. Getroffen wird sich zu einer Art Stammtisch jeden dritten Donnerstag im Monat ab 20 Uhr im Dorfhaus. Den Zusatz „Quern“ erhielt dieses Gebäude in Anbindung an das Großquerner Feuerwehrgebäude, als bei der Kommunalwahl viele nicht einordnen konnten, in welchem Dorfhaus sie zur Wahl schreiten sollten.

Es sind, wenn alle zum Stammtisch kommen, 45 „Dorfgeister“, die das gesellschaftliche Leben in ihre Hand genommen haben und durch ihre Namensgebung den Namen Quern am Leben erhalten. Zu den Ideen, die bereits umgesetzt sind, gehört das Entzünden eines Osterfeuers. Daneben wird geboßelt, werden Boule-Turniere ausgetragen, gemeinsam Radtouren unternommen. Auch gibt es Bauerngolf und Kuhbingo-Nachmittage. Und in der Kirche fand schon eine Orgel-Matinee mit „Dorfgeist“ Wilhelm Lindemann statt, der für den 3. Mai einen Besuch des Schleswiger Doms mit Turmbesteigung vorbereitet. Außerdem werden die „Dorfgeister“ werden auch „handgreiflich“. So haben sie in Gemeinschaftsarbeit das verunkrautete Areal bei der Friedenseiche gejätet, das Beet bepflanzt. Auch sorgten sie dafür, dass die Schrift auf dem dortigen alten Gedenkstein mit Blattgold erneuert wurde.

Schließlich haben sich die „Dorfgeister“ einen neuen Treffpunkt geschaffen, und zwar in Form eines kleinen Wochenmarktes jeden Donnerstag von 14.30 bis 16 Uhr am Dorfteich. Dann stehen dort Verkaufswagen eines Bäckers aus Esgrus, eines Gemüsehändlers aus Tollgaard und eines Schlachters aus Ahneby. Froh sind die „Dorfgeister“ auch, dass sich in ihrer Gemeinde neues Handwerk und Gewerbe angesiedelt hat: Kfz-Werkstatt, Lackierer, Glaserei, Blumengeschäft, zwei Hofläden, eine Kaffeerösterei, ein Zimmerer und eine Erschließungsgesellschaft. Die „Querner Dorfgeister“ lieben ihr Dorf und setzen alles daran, es lebendig und liebenswert zu gestalten.

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