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29. Figurentheater-Tage : Eine Woche voller Puppen geht zu Ende

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Die Kammerpuppenspiele Bielefeld beschließen die 29. Figurentheater-Tage mit dem „Sams“ .

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2016 | 07:15 Uhr

Der Schlusspunkt wurde noch einmal zum einem echten Knaller. Mit dem Stück „Das Sams – Eine Woche voller Samstage“, basierend auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Paul Maar, setzten die Kammerpuppenspiele Bielefeld am Freitagabend den einwöchigen Figurentheater-Tagen so etwas wie die Krönung auf – eine andere Interpretation ließ die Reaktion des Publikums jedenfalls kaum zu. Die zweite Inszenierung für Erwachsene mag vom künstlerischen Aspekt vielleicht weniger anspruchsvoll gewesen sein als die erste, als das Theater con Cuore „Notre Dame“ auf die Bühne brachte. Allerdings trumpfte das Sams mit einem enorm hohen Unterhaltungswert, einer großen Leichtigkeit und viel Spielwitz auf. Und ganz nebenbei trug es dazu bei, dass die diesjährigen Figurentheater-Tage mit einem neuen Zuschauerrekord abschließen.

Die Geschichte, die sich ausnahmsweise ausschließlich an das erwachsene Publikum richtete, spielte mit den bekannten Elementen: dem etwas unscheinbaren Herrn Taschenbier, der resoluten Vermieterin Frau Rotkohl, dem polternden Chef Herrn Oberstein und dem vorlauten Sams. Hinter allen Figuren steckte Stefan Kühnel, der zwischendurch auch noch selber Teil der Handlung wurde – etwa als etwas kapriziöser Verkäufer. Bemerkenswert, wie Kühnel es schaffte, zwischen den Charakteren praktisch nonstop hin und her zu springen, dabei allen einen eigenen Ton zu verleihen und trotzdem nie durch die Handlung zu hetzen. Tatsächlich sind seine eigenen Auftritt kleine Highlights der gesamten Inszenierung, etwa wenn er als zerstreuter Lehrer versucht, das Publikum erst zur Räson zu rufen und ihm anschließend Matheunterricht zu erteilen. Das Schöne: Die Zuschauer lassen sich darauf ein und spielen nur allzu gerne mit. Ein fast liebevoll ausgetragenes Scharmützel, das bei vielen dafür sorgt, dass sie aus dem Lachen nur schwer wieder herauskommen. Stefan Kühnel pickt sich seine Mitspieler gnadenlos aus der ersten Reihe heraus. Sein Kommentar: „Was setzte dich auch dahin? Reinstürmen in den Saal, in die erste Reihe und glauben, es geht gut.“ Es geht mehr als gut, trotz verschärfter Bedingungen, denn der Puppenspieler benötigt auch noch einen Akteur, der den Eisbären auf der Bühne gibt. Fündig wird er auch dabei.

Das Sams begleiten die Zuschauer indes durch eine ganze Woche, erleben es im Kaufhaus, in der Schule, im Büro, in der Wohnung. Und es führt ihnen zwischendurch die Besonderheiten der deutschen Sprache vor, indem es etwa behauptet, bei einem Ausflug müsse man flugen und nicht fliegen, sonst hieße es ja Ausflieg.

Das Publikum jedenfalls war schon in der Pause schwer begeistert. „Es ist genial, wie ein Mensch das alles so handhaben kann“, sagte etwa Susanne Schliep aus Steinfeld. „Und es freut mich für Kappeln, dass die Vorstellung so gut besucht ist.“ Susanne Johannsen besucht mit ihrem Sohn gerne das „Kindertheater des Monats“ in Süderbrarup – „aber auch ich als Erwachsene sehe gerne Puppentheater“, sagte sie und lobte die „satirisch“ angehauchte Inszenierung. Johannsen hatte eine ganze Gruppe dazu inspiriert, die Kappelner Vorstellung zu sehen, und schon nach der Hälfte der Aufführung sagte sie: „Wir kommen gerne wieder.“

Johannsen und Schliep waren zwei von rund 140 Zuschauern im Christophorushaus, damit haben die Figurentheater-Tage die Zahl der Abschlussveranstaltung für Erwachsene, die im vergangenen Jahr Premiere feierte, im Vergleich zu 2015 fast verdoppelt. Alle 14 Vorstellungen zusammengenommen, kommt Organisator Christopher Dank aus dem Kappelner Rathaus in diesem Jahr auf die stolze Zahl von gut 1700 Besuchern – neuer Rekord. „Gerade mit dem Abschlussabend bin ich mehr als zufrieden“, sagte Dank hinterher und betonte, an der inhaltlichen und künstlerischen Vielfalt des Festivals festhalten zu wollen. Gleichzeitig entdeckte er mit Blick auf die Bandbreite des Publikums noch Luft nach oben. „Wir haben Erwachsene und Kinder als unsere Zielgruppen“, sagte Dank. „Ich würde mir gerne auch etwas für Teenager wünschen.“ Es ist erkennbar diese Offenheit des Organisators, die auch die Puppenspieler so schätzen. Stefan Kühnel etwa erklärte: „Abgesehen davon, dass die Betreuung in Kappeln super ist, sind wir total dankbar, dass sich Christopher Dank immer wieder auf neue Sachen einlässt.“ Der hatte indes schon Freitagabend wieder anderes im Kopf: das 30-Jahr-Jubiläum der Figurentheater-Tage im kommenden Jahr. Dank lächelte als er sagte: „Wir stecken schon mitten in der Planung.“

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