Kunsthaus Hänisch : Eine Vase ist nicht nur eine Vase

Die ausstellenden Künstler Kurt Haug, Pia Wüstenberg, und Frank Blady (v. li.) mit Kuratorin Angeline Schube-Focke (2. v. r.) .
Die ausstellenden Künstler Kurt Haug, Pia Wüstenberg, und Frank Blady (v. li.) mit Kuratorin Angeline Schube-Focke (2. v. r.) .

Kunsthaus Hänisch eröffnet Ausstellung „Hinter dem Vorhang“ mit Exponaten von Kurt Haug, Pia Wüstenberg und Frank Blady.

shz.de von
13. März 2018, 07:39 Uhr

Kappeln | Etwa ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland besucht jährlich ein Museum. Gemessen an der Einwohnerzahl in Kappeln wären das dann 87 Menschen. Diese Zahlen übermittelte Jörg Haasters den kunstinteressierten Zuhörern am Sonntag in seiner Begrüßungsrede zu der Ausstellungseröffnung „Hinter dem Vorhang“.

„Gar nicht mal so schlecht, die Zahlen“, befand der erste Vorsitzende des Kunsthauses Hänisch und wandte sich gleichzeitig mit dem Appell an das Publikum, die guten Erfahrungen mit dem Kunsthaus Hänisch weiterzugeben, um diesen Standard und somit die Kulturmöglichkeit in Kappeln erhalten zu können. Haasters erwähnte bei seiner Vorstellung der Künstler und Mitwirkenden auch Hans Peter Scholz, besser bekannt als „Hansi Palette“, der seit vielen Jahren wesentlich zu der kulturellen Vielfalt in Kappeln beitrage.

Dann stellte Haasters die Künstler und ihre Werke vor: Pia Wüstenberg arbeitet als Designerin und Künstlerin. Von ihr sind im Kunsthaus handgefertigte Objekte aus Glas, Keramik und Holz zu finden, die auf den ersten Blick nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Bei genauerem Hinsehen ist eine Vase nicht nur eine Vase. Darüber hinaus wird man durch die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten der phantasievollen, dekorativen Objekte überrascht.

Frank Blady und Kurt Haug leben und arbeiten in Eckernförde und Osterby, allerdings kannten sie die Gemälde des anderen vor dieser Ausstellung nicht. Ihre Bildsprache ist zwar unterschiedlich, sie beschäftigen sich aber beide vorwiegend mit dem Bild der Frau, was in dieser Ausstellung auch deutlich wird.

Das Thema Frauen griff dann auch der künstlerische Beirat des Kunsthauses, Alf Herrmann, gerne auf. Kein Geheimnis sei es, dass Kurt Haug eine Vorliebe für schöne Frauen habe, und er freue sich sehr darüber, dass Haug sich traue, dieses in seinen Werken darzustellen. Zum Glück, befand Herrmann, lasse Haug sich von der Prüderie der heutigen Zeit, in der schon Darstellungen weiblicher Füße sexistisch seien und Männer sich nicht trauen ihre Bewunderung für Frauen auszudrücken, nicht beeindrucken. An dieser Stelle war aus dem Publikum der Ausruf „me too“ zu hören. Herrmann räumte ein, dass es natürlich um mehr Respekt vor der Frau ginge, der aber deutlich in den Bildern der Künstler wieder zu finden sei. Beim genaueren Betrachten der Frauenbilder wird dann auch die Ambivalenz in der Schönheit deutlich hinter der Fassade, dem Vorhang, sieht man Persönlichkeiten mit Ängsten, Zweifeln und Sehnsüchten. Es gibt Raum zum Interpretieren.

Alle Kunstwerke sind käuflich zu erwerben. Für jeden Geldbeutel sei etwas dabei, findet Angeline Schube-Focke. Sie ist die künstlerische Leiterin und Kuratorin des Kunsthauses. Man könne jahrelang mit der Kunst leben, und sie dann weitergeben an die Nachkommen. „Kunst kann eben nicht existieren, wenn wir die Künstler nicht unterstützen“, sagt Schube-Focke. Langsam leerte sich das Kunsthaus, vereinzelt standen noch Besucher mit den Künstlern zusammen, die geduldig alle Fragen beantworteten. „So ein schönes Haus und eine tolle Ausstellung, das hätte ich in so einer kleinen Stadt wie Kappeln gar nicht erwartet“, erklärte eine Urlauberin aus Hamburg. Und um mit den Worten von Jörg Haasters zu sprechen: Unbedingt weitererzählen.

> „Hinter dem Vorhang“ vom 11. März bis 29. April im Kunsthaus Hänisch


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