Arnis : Eine Segellegende auf Werftbesuch

An Deck der 'Mistral' wird geschmirgelt und  lackiert. Außerdem werden nach 30  000 Seemeilen unter den Augen von Werftbesitzer Matthias Paulsen (2.v.r.) und Schiffseigner Dieter Krügel (r.) kleine Blessuren beseitigt, wie an der Kompasssäule oder am Niedergang.  Foto: u. Köhler
An Deck der "Mistral" wird geschmirgelt und lackiert. Außerdem werden nach 30 000 Seemeilen unter den Augen von Werftbesitzer Matthias Paulsen (2.v.r.) und Schiffseigner Dieter Krügel (r.) kleine Blessuren beseitigt, wie an der Kompasssäule oder am Niedergang. Foto: u. Köhler

Herreshoff-Schoner "Mistral" ist nach Atlantiküberquerung zum Check bei Matthias Paulsen in Arnis / Schiffseigner will im Mai wieder in See stechen

Avatar_shz von
29. Oktober 2011, 07:13 Uhr

ARNIS | Kaum von seiner jüngsten Nordatlantik-Überquerung zurück nach Flensburg gekehrt, machte Kaufmann Dieter Krügel nur wenige Tage später seine Schoneryacht "Mistral" wieder flott. Doch diesmal lag das Reiseziel ganz in der Nähe: die Werft von Matthias Paulsen in Arnis. "Nach über 30 000 Seemeilen ist es an der Zeit für einen Check", befand Krügel, der vor einem Jahrzehnt seinen Lebensmittelpunkt von Nürnberg nach Flensburg verlegt hat.

In der Arnisser Werft Matthias Paulsen liegen etliche Boote, die auf eine Generalüberholung warten - das größte ist zweifelsohne die 20 Meter lange, 4,60 Meter breite "Mistral". Und die ist durchaus hochseetauglich. Kein Wunder handelt es sich bei der "Mistral" doch um einen Schoner aus der legendären amerikanischen Yachtzeichner-Familie Herreshoff. Auch die übrigen Maßen der "Mistral" sind für eine Segelyacht dieser Größenordnung schon recht beeindruckend. Das Gewicht liegt bei 43 Tonnen, der Tiefgang beträgt 2,50 Meter und die beiden Holzmasten ragen 17 beziehungsweise 23 Meter in die Höhe. Die Masten wurden vorher mit einem Schwimmkran demontiert, damit das Schiff überhaupt in die Halle passte.

Für die "Mistral", seit 1994 im Besitz von Dieter Krügel, ist dies nicht der erste Arnis-Aufenthalt. Von Mitte 2006 bis Juni 2008 war die 1938 in den USA gebaute Segelyacht bereits in der Paulsen-Werft. Grund war die "schwächelnde" Konstruktion. Nachdem die Innenbauten der Schoneryacht bereits Ende der 1990-er Jahre in einer Werft in Kanada überarbeitet worden war, zeigte sich, dass es damit nicht getan war. Kam das Schiff beim Segeln in Schräglage, drückte sich der Rumpf zusammen und es drang Wasser in die Yacht. Ein Mangel in der Konstruktion, die der Besitzer beseitigt haben wollte.

Dass das gelang, davon ist nicht nur Dieter Krügel, sondern auch der 46-jährige Bootsbaumeister Matthias Paulsen überzeugt. Er ist seit 1993 in der dritten Generation Chef der seinen Namen tragenden Yacht- und Bootswerft, wie es sie als Familienbetrieb seit 1919 als eine von insgesamt vier Werften in Arnis gibt.

Als er, der sich auf modernen Holzbootsbau spezialisiert hat, und seine Mitarbeiter - in der Regel sind es vier - die "Mistral" unter seine Fittiche nahm, kam, wie er sich erinnert, viel Arbeit auf ihn zu. Da ging es an das "Eingemachte" der Schoneryacht. Es galt, die "Kraftlinie" zwischen Mast und Kiel zu verstärken - eine äußerst aufwändige Arbeit. Zudem war es notwendig, die alte Beplankung des Schiffsrumpfes widerstandsfähiger zu machen - durch drei Lagen Planken aus Mahagoni-Holz. Das Deck wurde mit Teakholz erneuert, um die Festigkeit zu erhöhen. Das und die Erneuerung der Inneneinrichtung mit amerikanischem Kirschholz - hinzu kam eine neue Technik - erstreckte sich über zwei Jahre mit rund 12 000 Arbeitsstunden. "Genau genommen", so Matthias Paulsen, "kam das einer Fast-Schiffserneuerung gleich."

Am Ende hat sich aller Aufwand gelohnt. Die "Mistral" hat während zweier Nordatlantik-Überquerungen sogar Orkane problemlos überstanden. Was jetzt fällig ist, ist nichts Gravierendes, sondern ist lediglich die Beseitigung von kleineren Blessuren, wie sie bei langen Törns nicht ausbleiben. Ja, und neue Farbe brauchen das Schiff und die Masten auch.

Für Dieter Krügel ist die "Mistral" sein Ein und Alles. Und weil er Zeit hat, arbeitet er mit bei der Generalüberholung seines Schiffes, mit dem er im Mai nächsten Jahres wieder in See stechen will, dann voraussichtlich erstmal kreuz und quer auf der Ostsee.

Ihm, der handwerklich begabt ist und einst den Beruf eines Schreiners erlernte, macht das Werkeln an seinem Schiff einfach Spaß. Bisher hat er, wie er verrät, 1,8 Millionen Euro in seine "Mistral" investiert - einschließlich der Anschaffung. An Mitseglern mangelt es ihm nicht - denn der Freundeskreis ist groß. Weil er mit Leib und Seele Seemann ist, ist er nicht nur Besitzer und Kapitän, sondern, wenns erforderlich ist, auch Bootsmann, Smutje oder Putzfrau.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen