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Hans-Christian-Andersen-Schule Kappeln : Eine Schule wird zum Flüchtlingsquartier

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Bauausschuss plädiert für den Umbau des Förderzentrums in der Hindenburgstraße.

Es war weder einstimmig, noch frei von Diskussionen – aber am Ende hat sich der Bauausschuss am Montagabend dafür ausgesprochen, die Hans-Christian-Andersen-Schule in eine Unterkunft für Flüchtlinge zu verwandeln. Dazu empfahl das Gremium, noch im laufenden Jahr 30.000 Euro an Planungskosten bereitzustellen, um die Angelegenheit so schnell wie möglich anzugehen.

Volker Ramges (CDU) einleitender Satz ließ kaum Interpretationsspielraum. „Wir haben Flüchtlinge unterzubringen“, sagte der Bauausschussvorsitzende und umriss mit diesen wenigen Worten mal eben den Status quo. Zugeteilt vom Kreis erwartet Kappeln bis Jahresende mindestens 120 weitere Asylbewerber – die Stadt will diesen zumindest ein räumliches Zuhause bieten, das, auch das betonte Ramge, „wenigstens einigermaßen vernünftig“ ist. Ob die Hans-Christian-Andersen-Schule diesen Minimalanspruch erfüllen kann, muss sich noch zeigen. Zumindest aber wird sie mit Beginn des Monats Februar leer stehen und damit verfügbar sein. In einer der Ausschusssitzung vorangegangenen Runde mit den Fraktionsspitzen hatte der amtierende Bürgermeister Rainer Moll auch alternative Nachnutzungsmöglichkeiten des Schulgebäudes diskutiert – und wieder verworfen. Jetzt erklärte Moll: „Wir haben alles andere fallen lassen und uns in der Runde einstimmig dafür ausgesprochen, das Gebäude in Richtung Flüchtlingsunterkunft prüfen zu lassen.“ Aus diesem Grund lag dem Bauausschuss nun auch lediglich diese Möglichkeit in der Beschlussvorlage vor.

Thomas Grohmann (CDU) bat darum, parallel zur möglichen Umnutzung der Schule auch einen Abriss samt Neubau zu prüfen und die jeweiligen Kosten gegenüberzustellen. Dass man grundsätzlich einem Neubau offen gegenüber stehe, betonte Rainer Moll. Gleichzeitig prüfe man mit Hilfe der Gewoba und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben die Nutzung leer stehender Wohnungen. „Uns ist allen klar, dass wir nicht nur auf eine Karte setzen können, sondern uns breit aufstellen müssen“, sagte Moll. Aber: „Die Hans-Christian-Andersen-Schule ist in absehbarer Zeit frei, das Gebäude gehört uns und lässt sich relativ schnell umplanen.“

Corinna Graunke (CDU) nannte die Idee „eine wichtige und gute Lösung“, zumal die Flüchtlinge durch die Lage des Gebäudes schnell ins tägliche Leben der Stadt integriert werden könnten. Den Faktor Integration stellte auch Michael Arendt (LWG) heraus, für den die Lage der Schule „eine gute Basis“ schaffe. In dem Umstand, dass das Gebäude der Stadt gehört, erkannte Norbert Dick (Grüne) den Vorteil, „keine langwierigen Verhandlungen“ führen zu müssen. Lars Braacks (SPD) Urteil über den Standort indes lautete „nicht ideal“. Seine Begründung: „Die Flüchtlingsunterkunft befindet sich dann direkt neben der Gemeinschaftsschule.“ Braack zählte als Alternativen das leer stehende Post-Gebäude, sowie die freien Sky- und Aldi-Bauten in Loitmark auf. Auch Axel Langkowski (CDU) stellte die Eignung des Standorts in Frage und erinnerte an die Aussagen des Innenministeriums, wonach auch über leere Gewerbebauten nachgedacht werden könne. Dass man dies im Falle der früheren Marinewaffenschule bereits getan habe, erläuterte Matthias Mau (CDU). Aufgrund der fehlenden Infrastruktur sei man davon jedoch wieder abgekommen. Mau: „Und Sky oder Aldi halte ich für überhaupt keine entsprechende Alternative. Was wir brauchen, ist eine zügige Lösung. Und die schnellste ist mit Sicherheit die Hans-Christian-Andersen-Schule.“

An der Stelle klinkte sich Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker (CDU) ein, die das Schulgebäude ebenfalls „die naheliegende Lösung“ nannte, bei der man am ehesten etwas auf die Beine stellen könne. Ebenso wichtig sei allerdings „ein sozialverträgliches Miteinander“ zwischen Kappelner Bürgern und Flüchtlingen, „damit“, so die Bürgervorsteherin, „wir alle gut miteinander leben können“. Auch aus diesem Grund plant sie noch in diesem Jahr eine Einwohnerversammlung, bei der das Thema Flüchtlinge eine zentrale Rolle spielen und idealerweise von speziellen Referenten aufgearbeitet werden soll.

Bei zwei Enthaltungen und einer Gegenstimme empfahl der Ausschuss den Umbau der Förderschule zu einer Flüchtlingsunterkunft und die damit verbundene Bereitstellung von 30.000 Euro für die Planung. Der Hauptausschuss wird im nächsten Monat darüber entscheiden.

 

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erstellt am 21.Okt.2015 | 08:00 Uhr

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