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Kappelner Wahrzeichen : Eine Reparatur lohnt sich nicht

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Im Januar beschädigte ein Sturm den Heringszaun stark. Jetzt soll der zerstörte Teil entfernt werden.

Der zarte Schneefall der vergangenen Tage kann auch nicht darüber hinwegtäuschen: Der Heringszaun hat ganz offenbar seine besten Tage hinter sich. Anlässlich der Jahresversammlung des Verschönerungsvereins erläuterte Ulrich Bendlin von der Stadtverwaltung und Herr über das Verfahren zum Neubau des traditionellen Bauwerks den Status quo und kündigte schon mal an: Der zerstörte Ausläufer des Zauns wird entfernt und vorerst nicht ersetzt werden.

„Ich weiß, Sie sind alle mit Herzblut dabei, wenn es darum geht, den Heringszaun zu erhalten“, schickte Bendlin seinen Ausführungen vorweg. Tatsächlich ist das Konstrukt inzwischen allerdings so stark von der Bohrmuschel in Mitleidenschaft gezogen worden, dass es komplett instabil ist. „Und das Ergebnis haben wir nach dem jüngsten Sturm gesehen“, sagte Bendlin. Seitdem nämlich ist vom linken Ausläufer des Heringszauns nicht mehr viel übrig. Die hölzernen Streben sind zerdrückt, an einigen Stellen auseinander gerissen. Bendlin: „Da besteht natürlich die Gefahr, das Teile davon ins Fahrwasser geraten.“ Und um das zu vermeiden, bleibt derzeit nur eine Lösung: „Wir werden den schadhaften Teil entfernen lassen.“ Und dafür kalkuliert die Stadt einen fünfstelligen Betrag.

Als deutlich prägender als diesen Schritt empfand Ulrich Bendlin, und vermutlich nicht nur er, derweil die geplante Neuerrichtung des Heringszauns. Klar ist: Wenn es dazu kommt, muss das alte, in der Vergangenheit immer wieder geflickte Konstrukt in Gänze abgetragen und genauso komplett wieder aufgebaut werden – dieses Mal allerdings aus Tropenholz, das der Bohrmuschel mehr Widerstand leistet als das bisherige Baumaterial. „Auch in Eukalyptusholz geht die Bohrmuschel hinein“, sagte Bendlin. „Aber sie schafft es nur durch die obersten Schichten. Nach ein paar Millimetern sind keine ihrer Gänge mehr zu sehen.“ Und auch wenn mit Blick auf das Material spätestens mit dem Neubau kein Bezug mehr zum über 500 Jahre alten Ursprungswerk gegeben sein wird, soll die Verbindung zum Original auf andere Weise erstarken. Bendlin: „In der Vergangenheit hat sich der Heringszaun jedes Jahr verändert. Der Neubau wird sich optisch allerdings wieder offensichtlich am historischen Vorbild orientieren.“ Und ist außerdem mit erheblichen Kosten verbunden, derzeit geht man von rund 450.000 Euro aus. „Das spezielle Material ist das eine“, sagte Bendlin. „Hinzu kommt, dass dazu viel Handarbeit gehören wird, weil Maschinen einfach schwer einzusetzen sein werden.“ Aber: Die Stadt rechnet fest mit Fördermitteln vom Land und von der Europäischen Union, im besten Falle können damit 85 Prozent der Bruttokosten abgedeckt werden. Bendlin: „So eine gute Förderquote kenne ich bislang nicht.“ Und er bestätigte erneut, dass der Heringszaun beim Land einen hohen Stellenwert genießt und sich bis zum heutigen Tag mit keinen anderen Projekten um die zur Verfügung stehenden Zuschüsse streiten muss. Eine endgültige Entscheidung wird Anfang April erwartet.

„Wenn die Gelder dann fließen, wollen wir möglichst schnell in die Umsetzung starten“, kündigte Bendlin an, was übersetzt aus dem Amtsdeutsch bedeutet: „Bevor wir aber auch nur ein Holz bewegen können, müssen wir das Genehmigungsverfahren in Gang setzen.“ Dazu gehören Stellungnahmen etlicher Behörden, wie beispielsweise dem Wasser- und Schifffahrtsamt oder der Denkmalpflege – ein Prozedere, für das der Verwaltungsfachmann mindestens drei Monate einplant. Aber: „Wir sind guter Dinge, dass wir es vielleicht zum Ende dieses Jahres oder zum Beginn des nächsten schaffen, die Bauarbeiten anzugehen.“

Und zum Schluss richtete Ulrich Bendlin noch ein spezielles Lob an den Verschönerungsverein. „Wir sind sehr froh über die Unterstützung des Vereins“, sagte er. Tatsächlich nämlich ist es den Mitgliedern um ihren Vorsitzenden Dieter Clausen gelungen, auf einem extra eingerichteten Heringszaun-Konto die stolze Summe von 17.000 Euro anzusammeln. Mit diesem Geld sollen Kosten gestemmt werden, die nicht durch Fördermittel abgedeckt sind. Dieter Clausen selber nahm Bendlins Ausführungen aufmerksam zur Kenntnis und zog sein eigenes Fazit. „Das macht doch Mut“, sagte er. „Wenn also alles gut läuft, haben wir 2018 einen neuen Heringszaun. Schön wär’s.“

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erstellt am 09.Feb.2017 | 07:15 Uhr

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