Schleswig und Umland : Eine neue Ära der Zusammenarbeit

Feierlicher Akt: Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen und die Arensharder Amtsvorsteherin Petra Bülow waren die Ersten, die die Erklärung zur Stadt-Umland-Kooperation im Schleswiger Ständesaal unterzeichneten.
Feierlicher Akt: Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen und die Arensharder Amtsvorsteherin Petra Bülow waren die Ersten, die die Erklärung zur Stadt-Umland-Kooperation im Schleswiger Ständesaal unterzeichneten.

Daseinsvorsorge gemeinsam bewerkstelligen: Die Stadt Schleswig und Umlandgemeinden verabschieden eine Kooperationserklärung.

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06. Mai 2015, 12:30 Uhr

Beifall brandete auf im Ständesaal des Schleswiger Rathauses, nachdem die 36 Bürgermeister und Amtsvorsteher die Erklärung zur Stadt-Umland-Kooperation unterzeichnet hatten. In den Beziehungen seiner Stadt zu den Nachbardörfern sei nunmehr ein „neues Kapitel“ aufgeschlagen worden, wie Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen zuvor bereits voller Pathos betont hatte. Landrat Wolfgang Buschmann ging sogar noch einen Schritt weiter: Alle Beteiligten hätten „ein Stück weit Regionalgeschichte geschrieben“, sagte er.

Der Weg hin zu einer neuen Ära der Zusammenarbeit war allerdings lang und gelegentlich auch steinig, wie Petra Bülow, Bürgermeisterin von Hollingstedt und Vorsteherin des Amtes Arensharde, einräumte. Er begann vor gut einem Jahr mit einer mündlichen Absichtserklärung – ebenfalls im Ständesaal. Gerade im Westen des Kreises, in Treia und auch in ihrer eigenen Gemeinde, habe es viele Vorbehalte gegen eine engere Kooperation mit Schleswig gegeben, sagte Bülow. „Für diese Gemeinden gibt es noch eine weitere Kreisstadt – und das ist Husum.“ Neben der Frage nach dem Nutzen der Stadt-Umland-Kooperation hätten viele Bürger auch die Finanzierung kritisch gesehen. Geplant ist, dass jede Gemeinde einen Euro pro Einwohner zahlt. Für Bülow steht jedoch fest: „Ohne eine überörtliche Zusammenarbeit wird die Gestaltung des ländlichen Raumes in Zukunft kaum noch möglich sein.“ Sie sei froh, dass auch Hollingstedt mit im Boot sitze.

Auch Arthur Christiansen machte deutlich, dass die Daseinsvorsorge künftig nur gemeinsam erfolgreich bewerkstelligt werden könne. „Wir werden auf Augenhöhe die Dinge bespielen, die für unsere Region wichtig sind“, versprach der Schleswiger Verwaltungschef. Christiansen schilderte, wie er bereits im Bürgermeisterwahlkampf 2013 mitbekommen habe, dass die Beziehungen zwischen Stadt und Umlandgemeinden „deutlich verbesserungswürdig“ seien. Tatsächlich wurde die Nachbarschaft seit 2009 von offizieller Seite kaum noch gepflegt.

Und so sieht die neue Form der Zusammenarbeit aus: In den Vorgesprächen wurden vier verschiedene Handlungsfelder definiert, mit denen sich Arbeitsgruppen beschäftigen werden. Da ist etwa der Bereich Wohnen. „Wer darf wie viel bauen? Da haben wir erheblichen Gesprächsbedarf“, erklärte Christiansen. „Wenn man sich beim Wohnungsbau einigen kann, dann ist das schon mal eine große Leistung“, betonte Landesplaner Klaus Einig, der als Vertreter der Kieler Staatskanzlei zur Feierstunde gekommen war.

Ebenso müsse man angesichts des demografischen Wandels beim Thema Bildung gemeinsame Wege finden, meinte Christiansen. Was auch für den Sektor Gewerbe/Einzelhandel gelte. Christiansen: „Der Boom der Lidls und Aldis ist zwar vorbei, aber gelegentlich gibt es noch Versuche, uns gegenseitig auszuspielen.“ Der vierte Themenschwerpunkt wurde schlicht „Ordnungsangelegenheiten“ genannt. Darunter fällt zum Beispiel die Betreuung von Flüchtlingen oder die Wasserqualität der Schlei.

Wie gut der Erfahrungsaustausch und die Synergie-Effekte tatsächlich sind und ob ein gerechter Interessensausgleich erfolgt, wird natürlich erst die Praxis zeigen. Landrat Wolfgang Buschmann appellierte an die Beteiligten: „Zeigen Sie, dass jede Gemeinde eine Zukunft hat, aber dass alle zusammen eine noch viel bessere Zukunft haben.“

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