Schloss Gottorf : „Eine Geschichte wie für uns gemacht“

Verschönerungskur für Friedrich IV.: Langzeitpraktikantin Leonie Paetzold bessert im Vorfeld der Ausstellung das Gemälde des einstigen Herzogs von Schleswig-Holstein-Gottorf aus. Dieser war der Ehemann der schwedischen Prinzessin Hedvig Sofia.
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Verschönerungskur für Friedrich IV.: Langzeitpraktikantin Leonie Paetzold bessert im Vorfeld der Ausstellung das Gemälde des einstigen Herzogs von Schleswig-Holstein-Gottorf aus. Dieser war der Ehemann der schwedischen Prinzessin Hedvig Sofia.

Der Untergang des Kriegsschiffes „Prinzessin Hedvig Sofia“: Kurator Ralf Bleile spricht über die bevorstehende Ausstellung.

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22. Mai 2015, 07:30 Uhr

„Von Degen, Segeln und Kanonen“ heißt die Sonderausstellung zum Untergang der „Prinzessin Hedvig Sofia“, die nächste Woche auf Schloss Gottorf eröffnet wird. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Alf Clasen erklärt Projektleiter Ralf Bleile den Stellenwert der Schau und beschreibt den Stress beim Aufbau.

Herr Bleile, was haben Sie als Archäologe gedacht, als ein Taucher 2008 vor der Kieler Förde das Wrack der „Hedvig Sofia“ entdeckte?

Mein erster Reflex war, dass das eine Ausstellung werden muss. Ich habe selbst lange Zeit als Unterwasserarchäologe gearbeitet und kenne die Materie. Dass das aber eine solche Dimension bekommen könnte, das habe ich 2008 nicht annähernd gedacht. Die Verknüpfung mit der Geschichte des Großen Nordischen Krieges, der Geschichte des Herzogtums bis hin zur Schloss-Geschichte, das war mir erst nicht klar und hat sich erst in den darauf folgenden Jahren entwickelt. Mir ist klar geworden, dass das eine Riesenchance ist – eine Geschichte, wie für uns gemacht.

Es ist noch eine Woche bis zur Ausstellungseröffnung. Wie stressig ist das für einen Kurator?

Ich schlafe schon etwas unruhiger. Es gibt eine Menge Dinge, die schief gehen können. Bei der Planung muss alles Hand in Hand greifen. Es sind mehr als 50 Mitarbeiter der Stiftung in den Aufbau involviert. Dazu kommen verschiedene Gewerke, ein Gestalterbüro und mehr als 20 Leihgeber, die uns Werke zur Verfügung stellen. Viele Werke sind per Kurier gekommen. Und das Ganze, während bei uns die Bahn und SAS in Schweden streikt.

Wie viel Zeit stand Ihnen zur Verfügung?

Für den reinen Aufbau sind es etwa sechs Wochen – von den ersten Malerarbeiten bis zur Eröffnung. Wir liegen genau im Zeitplan.

Unter dem Großen Nordischen Krieg können sich viele nichts vorstellen. Ist es dennoch eine Ausstellung, die sich an Jedermann wendet?

Ja, auf jeden Fall. Die Ausstellung wendet sich an die ganze Familie. Der historische Hintergrund, die Zeit des Barock, die höfische Diplomatie – das ist ein Teil der Ausstellung. Ein anderer Teil beschäftigt sich mit dem Leben an Bord solcher Kriegsschiffe und dem Ablauf von Seeschlachten. Auch ist der Große Nordische Krieg weit unkomplizierter, als man meinen mag. Und er hat für uns Schleswig-Holsteiner eine ganz wesentliche Bedeutung. Es ist der letzte große Versuch der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf gewesen, mit dem Herzogtum Schleswig gegenüber Dänemark souverän zu werden. Es ist ihnen nicht gelungen. Sie haben sich mit der Hochzeit von Prinzessin Hedvig Sofia an Schweden gebunden. Und Schweden hat den Großen Nordischen Krieg verloren.

Warum ist gerade diese Ausstellung so besonders?

Wir zeigen herausragende Kunstschätze zum Beispiel aus dem Grünen Gewölbe in Dresden, aus Schloss Rosenborg in Kopenhagen oder aus dem Nationalmuseum in Stockholm. Selbst das schwedische Königshaus hat uns Besitztümer von Hedvig Sofia zur Verfügung gestellt. Viele archäologische Funde von Wracks aus Norwegen und Finnland und natürlich von der „Prinzessin Hedvig Sofia“ selbst werden das erste Mal überhaupt ausgestellt. Und viele Gemälde sind erstmalig in Deutschland zu sehen. Also, es ist wirklich eine einmalige Schau.

Und Sie gehen auch neue Wege ...

Ja, die Ausstellung beschäftigt sich auch mit der Frage, wie wir dem Unterwasser-Kulturgut umgehen. Dabei werden wir eine 3-D-Simulation zeigen, in der jeder Besucher selbst zu einem Schiff – einem Wrack aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – tauchen kann. Es ist interaktiv, es ist hochspannend. Und es gibt sehr viele Informationen, die man über einen Medien-Guide abrufen kann.

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