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Schlei-Bote

19. November 2017 | 22:50 Uhr

Kappeln : Eine Frau für den Fischer

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Seit 14 Jahren sitzt der Bronzefischer des Rotary-Clubs allein am Hafen. Jetzt verhilft ihm ein Kappelner zu einer Begleiterin.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 07:30 Uhr

Seit 2003 thront der Fischer auf der Treppe am Hafen. Unübersehbar, stolz, unbeugsam, aber auch ein bisschen einsam. Eben diesen letztgenannten Umstand will Werner J. Callsen ändern. Der Kappelner möchte dem Fischer eine Fischersfrau zur Seite stellen, genauer auf die gegenüberliegende Seite. Wenn alles läuft wie geplant, wird die bronzene Dame noch in diesem Jahr fertiggestellt.

„Der Fischer stand noch gar nicht so lang, da dachte ich schon: Er braucht eine Fischersfrau“, sagt Werner J. Callsen. Ernsthaft verfolgt hatte er den Gedanken trotzdem vorerst nicht, bis der Kappelner Lions-Club, dem Callsen angehört, damit begann, sein 50-Jahr-Jubiläum zu planen. Den Fischer hatte 2003 der Kappelner Rotary-Club anlässlich seines zehnjährigen Bestehens aufgestellt, die Fischersfrau sollte nun zum runden Geburtstag der Lions hinzukommen. Und damit auch beide Skulpturen gut zusammenpassen, nahm Callsen Kontakt zum Erbauer des Fischers, Jörg Plickat, Bildhauer aus Bredenbek, auf. Einziges Problem: Die Figur wurde teuer, der Lions-Club nahm Abstand – Werner J. Callsen akzeptierte die Entscheidung seines Clubs, wollte die Sache dennoch nicht einfach so abhaken.

Weil das Vorhaben für ihn allein aber erst recht nicht zu wuppen war, suchte er sich Unterstützer – und fand sie in seinem Sohn Claudius und dessen Partnerin Livia Zanella. „Erst haben sie ein bisschen gezögert“, erinnert sich Callsen. „Aber dann fanden sie die Idee doch gut und haben sich gerne beteiligt.“ Und so wurde aus der Fischersfrau am Ende eine echte Familienangelegenheit.

1,65 Meter groß wird die Bronzefigur sein, Callsen schätzt ihr Gewicht auf 300 Kilogramm. Sie soll auf einem 40 Zentimeter hohen und nochmal einige Hundert Kilogramm schweren Granitblock stehen und zwar genau auf der anderen Seite der Schlei. Auf der Wiese nahe des Albatros, etwas dichter am Ufer als die frühere Galionsfigur der „Gorch Fock“. Von dort soll sie mit der Pfanne in der Hand den Fischer zum Essen herbeirufen. „Und dazu ist es natürlich unerlässlich, dass sie den Fischer auch sehen kann“, sagt Werner J. Callsen. Der Kappelner steht genau an der Stelle, an der noch Ende Oktober das Fundament für die Skulptur errichtet werden soll. Granitsockel plus Figur ergibt ungefähr Callsens eigene Größe, und mit Blickrichtung zum Angelner Ufer sagt er: „Von hier ist es gewährleistet, dass sie den Fischer tatsächlich sieht.“ Und noch etwas imponiert ihm an diesem Standort: „Der Bürgermeister hat gesagt, dass auf diese Weise etwas Verbindendes zwischen Angeln und Schwansen entsteht – und das finde ich auch.“

Im November will Werner J. Callsen die Fischersfrau in der Gießerei besuchen, ein bisschen über ihr Aussehen verrät er aber jetzt schon: „Sie trägt ein langes Arbeitskleid und Holzschuhe. Und sie hat ein nettes Gesicht.“ Geplant ist, dass die Skulptur noch vor Weihnachten errichtet und enthüllt wird und in dem Moment als Geschenk der Familie Callsen in das Eigentum der Stadt Kappeln übergeht.

Für Werner J. Callsen geht damit so etwas wie eine Herzenswunsch in Erfüllung. „Als ich in diesem Jahr beim Entenrennen während der Heringstage an der Stelle stand, an der nun die Fischersfrau stehen soll“, sagt er, „dachte ich, dass ich die Sache jetzt doch zu Ende bringen muss“. Und so wird der Rotary-Fischer am Angelner Ufer der Schlei dann nach 14 Jahren doch noch seine Fischersfrau bekommen.

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