Kappeln : Eine fast wahre Geschichte

Mit viel Enthusiasmus stellte Wolfgang Börnsen bei der Vorstellung seines neuen Buches „Die Angel-Saga“ in Kappeln vor.
Mit viel Enthusiasmus stellte Wolfgang Börnsen bei der Vorstellung seines neuen Buches „Die Angel-Saga“ in Kappeln vor.

Wolfgang Börnsen stellte in Kappeln sein Buch „Die Angeln-Saga“ vor.

Avatar_shz von
06. April 2018, 12:00 Uhr

Als sie Wolfgang Börnsen einlud, von seinem neuen Buch zu erzählen, hat Gisela Windmann, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Freie Alten- und Nachbarschaftspflege Kappeln“, einen Volltreffer gelandet. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete unterhielt die 30 Zuhörer in der Kappelner Bücherei mit seinem Werk „Die Angel-Saga“ prächtig. Börnsen war spürbar in seinem Element, als er die „fast wahre Geschichte von Leben und Leiden, vom Streiten und Sterben, vom Feiern und Freuen eines Volkes“ vortrug das in eine neue, unbekannte Welt aufbrach.

Nach gründlicher Einführung in die Welt der Angler (Angeliter), die er „weder als kühne Seefahrer, wüste Eroberer noch als kampferprobte Krieger“ charakterisierte, sondern als „Flüchtlinge und Landnehmer“, las er ein paar Kapitel aus seinem neuen Buch, in dem er die Landnahme „der Angeln in Britannien“ vorstellte. Er nahm seine Zuhörer in seiner Lesung auf eine Zeitreise rund 1600 Jahre zurück in die Zeit um 450 nach Christus.

Die Angeln lebten damals auf der Halbinsel zwischen Schlei, Flensburger Förde und Treene als freie Bauern, Handwerker und Kaufleute. Doch dann machten sie sich auf den gefährlichen Weg, gemeinsam mit den Sachsen und Jüten, gen Britannien. Sie suchten in dem für sie unbekannten Land eine neue Existenz. Die Gründe für diese Umsiedlung sind unbekannt. Es wird vermutet, dass sich die Bedingungen in ihren bisherigen Lebensräumen so verschlechtert hatten, dass die „Auswanderung“ als einzige Möglichkeit zum Überleben angesehen wurde.

Es könnte aber auch so gewesen sein, wie manche Historiker vermuten, dass die drei nordgermanischen Völkerschaften – die Angeln, Sachsen und Jüten – von den Briten um Hilfe im Kampf gegen die Barbaren auf der Insel gebeten worden waren.

Die Angeln, die zur Zeit der Landnahme Heiden waren, unterschieden sich von den germanischen oder slawischen Völkern nicht nur durch ihr Brauchtum, ihre Sprache oder ihre Begräbnisriten, sondern ganz besonders durch ihren Glauben. Sie glaubten nämlich an eine Frau als wichtigste Göttin. Das war „Nerthis“. Der Name stand für Fleiß, Friedfertigkeit, Achtung des Rechts und Respekt vor der Natur. Und genau das erwartete sie von ihrem Volk.

Über die Angeln des fünften und sechsten Jahrhunderts nach Christus gibt es nur wenige Aufzeichnungen. Sicher scheint zu sein, dass die angeworbenen Angeln und Sachsen den Briten im Kampf gegen die Pikten und Skoten helfen sollten. Das betraf vorwiegend die Sachsen. Im Gegenzug erhielten sie monatliche Verpflegungsrationen. Weil die aber mit Verspätung bei den Empfängern ankamen, überzogen insbesondere die Sachsen das Land mit Mord und Totschlag. Als es anschließend darum ging, das Land auf Dauer für sich einzunehmen, waren auch die Angeln mit dabei. Die besiegten Gegner zogen sich nach Schottland und Wales zurück.

Trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen und dem unendlichen Leid, das viele Angeln bei der Landnahme in Britannien erfahren hatten, bescheinigt Wolfgang Börnsen den damaligen Anführern „visionäre Fähigkeiten“. Und „Ocke von der Sippe der Offassons, Sibbern Grummelbuuk, Jesper vom Sonnenhof, Ida Slappfoot aus der Sippe der Sörensson“ würden das nicht als freiwillige Entscheidung ansehen, sondern als „Gotteswille“. Und „Offa der Mutige“, genannt Triefauge, würde bestätigen „So iss dat, as dat iss, bi de Angeln“ und dabei mit der Faust auf die Tischplatte schlagen, dass das Dünnbier aus seinem siebenten Becher bis zu seiner Säufernase spritzen würde, wie Börnsen plastisch-drastisch erzählte.

Seine Zuhörer waren begeistert und sparten nicht mit Beifall. Abschließend hatte der Autor genug zu tun, die Bücher zu signieren, sie seine Fans gekauft hatten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen