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„MathTrail“ in Kappeln : Eine Familie auf dem Mathe-Pfad

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Zollstock, Schnur und Smartphone: Fünf Urlauber aus Hamburg entdecken die Stadt mithilfe einer Rechen-App.

Die Sonne scheint, es ist tatsächlich T-Shirt-Wetter. Was liegt da näher, als ein bisschen zu rechnen? Das war eine ernst gemeinte Frage. Familie Gerber jedenfalls hat genau das vor, als sie vor der Werfthalle von Henning Mittelmann eintrifft. Noch bis einschließlich morgen sind dort die Exponate für die „MatheMagie“-Schau aufgebaut, aber Familie Gerber will lieber draußen unterwegs sein. Und trotzdem mathematisch tätig werden. Möglich macht das die App „MathCityMap“. Dahinter verbergen sich sogenannte „Math Trails“, die es den Urlaubern aus Hamburg erlauben, sich auf einem Pfad durch die Stadt zu bewegen und nebenbei an ganz greifbaren Orten und Situationen Mathematik einzusetzen.

Familie Gerber – das sind Mutter Corinna (42), Vater Axel (43), die Söhne Elias (16) und Jona (13) und Tochter Lilly (11). Ihr mathematisches Wissen ist, das liegt auf der Hand, unterschiedlich – und bei den drei Kindern das dazugehörige Schulfach auch nur bedingt populär. Vater Axel Gerber sagt: „Mathe ist nicht besonders beliebt, sondern eher geduldet.“ Und dann verrät er noch, dass bei seiner Frau im Abschlusszeugnis der Schule eine 1 in Mathe stand. „Sie ist unser Mathecrack“, sagt er. Ihre Reaktion ist eindeutig: „Das ist 25 Jahre her.“

Im Hier und Jetzt gibt Axel Gerber die Route vor, auf der sich das Quintett für die nächsten eineinhalb Stunden durch die Stadt bewegt. Immer an der Seite: Frank Rothfuß, Ausstellungsbetreuer der Firma „Euroscience“, die die „MatheMagie“ gemeinsam mit Mittelmanns Werft, der Tischlerei Mau und der Stiftung Rechnen umgesetzt hat. Er ist Tippgeber, wenn es zwischendurch mal haarig werden sollte. Außerdem dabei: Zollstock, Schnur und Taschenrechner. Und Rothfuß bricht gleich mal mit den Vorurteilen: „Glücklicherweise sind die Ausstellung und der MathTrail gerade für solche Menschen gedacht, die sich mit Mathematik eher schwer tun.“ Dass Letzteres nicht für Elias gilt, beweist der 16-Jährige schon bei der ersten Aufgabe: „Bestimme das Fassungsvermögen des Blumenkastens. Gib das Ergebnis in Litern an.“ Die App zeigt dazu das Bild eines Betonkübels am Gastliegerhafen. Elias legt ein paar Mal den Zollstock an, wirft seinem Vater ein paar Zahlen entgegen, die der in den Taschenrechner tippt. Das Ergebnis: 213 Liter. Und die App? Verteilt Lob: „Super! Du hast die Aufgabe auf Anhieb richtig gelöst.“ Der beste Ansporn gleich zu Beginn. Und die Tipps, mit denen die App nach Aufforderung Hilfestellung leistet? Corinna Gerber lacht: „Haben wir gar nicht nötig.“

Die zweite Aufgabe („Wie viele rechteckige Fenster sind auf der Südseite des Pierspeichers zu sehen?“) ist eine für die elfjährige Lilly, die geduldig und konzentriert zählt – und mit 52 ebenfalls die richtige Antwort liefert. Etwas kniffliger wird es dann, als die Familie vor einem kreisrunden Fenster steht, dessen Umfang berechnet werden soll – aber mit Zollstock und Kreiszahl Pi gelingt auch das. Um die Länge eines Seils zu bestimmen, das fünfmal um einen Hafenpoller gewickelt wird, muss Corinna Gerber zwei Urlauber aufscheuchen, die es sich gerade auf jenem Poller bequem gemacht hatten, und als Lilly die Sitzplätze an der Promenade zählen soll, schreitet Frank Rothfuß ein: „Es sieht so aus, als ob eine Sitzgruppe abgebaut worden wäre.“ Ein heißer Tipp, der der Familie auch an dieser Stelle die volle Punktzahl einbringt. An der Nikolaikirche warten weitere Aufgaben: Das Alter einer Eiche haben die fünf zügig errechnet – aber dieses Mal zeigt sich die App kritischer: „Nicht perfekt, aber okay“, vermeldet sie. Besser läuft es bei der Flügelspannweite, die das verkleinerte Modell eines Adlers in Wirklichkeit hätte. Jona und Elias legen die Schnur an und rechnen ihr Messergebnis dem Maßstab entsprechend um – wieder richtig.

Nach eineinhalb Stunden fällt das Urteil der Urlauber eindeutig aus. Corinna Gerber findet: „Mit Kindern ist das auf jeden Fall eine schöne Beschäftigung im Urlaub.“ Und Axel Gerber sagt: „Diese App hat sich schon allein deshalb gelohnt, weil sie die Kinder dazu bekommt, sich zu bewegen.“ Deshalb ist das Eis, das er am Ende des mathematischen Pfads ausgibt, „auch verdient“. Ob das Schulfach Mathematik nun nach den Sommerferien künftig mehr als nur geduldet wird, bleibt an diesem Vormittag allerdings offen.


> „MatheMagie“, Am Hafen 19  c, Kappeln. Öffnungszeiten: heute und morgen von 10 bis 19 Uhr; Preis: 2,50 Euro, Familien 10 Euro

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erstellt am 11.Aug.2017 | 07:00 Uhr

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