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Hortfund von Kappeln : Eine Fälschung mit Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Nach 150 Jahren steht fest: Der „Hortfund von Kappeln“ stammt nicht aus der Bronzezeit, sondern aus dem 19. Jahrhundert.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 07:30 Uhr

Über Jahrzehnte haben Besucher von Schloss Gottorf neben Moorleichen und Nydammboot auch den „Hortfund von Kappeln“ bestaunt – eine Sammlung von Beilen, die angeblich aus der Bronzezeit stammten. Am Dienstagabend hatte nun Dr. Mechthild Freudenberg zu einer ganz besonderen Führung eingeladen – in der sie die Exponate erstmals öffentlich als Fälschungen präsentierte. Die Tatsache, dass die Beile mehr als 150 Jahre von den Fachleuten als bronzezeitlich eingeschätzt wurden, bezeichnete die Archäologin als „peinliche Geschichte“.

Der Begriff „Hortfund“ beschreibt eine Ansammlung von Material, das zu einem bestimmten Zweck deponiert wurde – beispielsweise, um Wertgegenstände vor Dieben zu schützen. „Zudem gab es klassische Opfer, die man als Gaben an die Götter bereitlegte“, erläuterte Mechthild Freudenberg. Der „Hortfund von Kappeln“ wurde von Dr. Johann Detlef Marxen auf einer Wiese in Kappeln entdeckt und 1864 in den Besitz des Archäologischen Landesmuseum übergeben. Dass es sich dabei um Fälschungen handelte, hatte niemand bemerkt. Über Jahrzehnte befanden sich die Fundstücke in den Händen diverser Fachleute – doch sie bewahrten zunächst ihr Geheimnis. Wie kann das sein? „Die Kollegen fallen darauf rein, weil der Kontext stimmt. Die Funde stammen aus einer seriösen Sammlung, sie haben einen vernünftigen Hintergrund und sehen ordentlich aus. Sie passen ins Genre – und schon haben wir Tomaten auf den Augen“, erklärte die Archäologin. „Das ist bitter, aber es ist so.“ Vom Aussehen und Gewicht her unterschieden sich die Einzelstücke nicht von Originalen.

Erst im Jahr 2011 kamen die Fälschungen bei einer in anderem Zusammenhang vorgenommenen Analyse ans Licht. Bei einem der untersuchten Beile wurde unter der Oberfläche eine chemische Zusammensetzung festgestellt, die es in der Bronzezeit definitiv noch nicht gab. Der Zinn- und Eisenanteil war zu hoch. Weiterer Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg, das mit Röntgenstrahlen das Innere des Materials beleuchtete, bestätigten die erste Analyse: Der gesamte Hortfund, mit Ausnahme einer 25 Zentimeter langen Gewandnadel, ist erst im 19. Jahrhundert hergestellt worden.

Hinweise auf die Fälscher gibt es nur sehr wenige. Mechthild Freudenberg: „Wir wissen eigentlich nur, dass es irgend jemand gewesen sein muss, der Zugriff auf eine überraschend große Auswahl an den entsprechenden Metallen hatte – allerdings keine Vorstellung von dem originalen Gießverfahren in der Bronzezeit.“ Mehr ließe sich nicht feststellen. Dass die Zusammenarbeit mit dem DESY noch weitere archäologische Fälschungen entlarvt, ist derweil nicht auszuschließen. Der „Hortfund von Kappeln“ konnte nur richtig eingeordnet werden, weil sich die Technik weiterentwickelt hat. Weitere Überraschungen sind durchaus denkbar.

Der „Hortfund von Kappeln“ ist für Interessierte immer noch auf Schloss Gottorf im „Rundgang Archäologie“ zu besichtigen. In den Vitrinen sind die Funde allerdings – trotz der nicht mehr ganz neuen Erkenntnisse – nicht als Fälschungen gekennzeichnet, sondern werden nach wie vor mit der Bronzezeit in Verbindung gebracht. Eine Korrektur sei aber in Arbeit, so Freudenberg.

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