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Kappeln : Ein Zuhause für jugendliche Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Bei den Kappelner Werkstätten sind derzeit 16 minderjährige unbegleitete Ausländer untergebracht. Einrichtung erhält beim Neujahrsempfang viel Lob.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2016 | 19:59 Uhr

Zum „Abend der Begegnung“, dem Neujahrsempfang der Kappelner Werkstätten und des Trägervereins St. Nicolaiheim Sundsacker, kamen wieder zahlreiche Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie Vertreter befreundeter Einrichtungen.

Der Vorsitzende des Vereins St. Nicolaiheim, Johannes Jensen,versicherte vor rund 70 geladenen Gästen, dass es nicht zuletzt das Verdienst der Mitarbeiter sei, dass dieses Haus auf gesunden Füßen stehe. „Wir wollen unseren erfolgreichen Weg weiter gehen und zwar am liebsten in der Mitte und nicht am Rande; denn wir arbeiten für Behinderte Menschen, um ihr Selbstwertgefühl zu stärken.“

Der Geschäftsführer der Werkstätten, Stefan Lenz, betonte, dass es ständige Aufgabe auch der Kappelner Werkstätten sei, den Menschen mit Behinderung Mut zu machen und Arbeit zu geben, damit sie eine Tagesstruktur erhielten. „Doch was tun wir mit Menschen, die einen Migrationshintergrund haben?“ Diese Personen würden in kurzer Zeit eine ganz andere Lebenskultur kennenlernen. „Wie kriegen wir das hin, die zu integrieren?“

Wege für mögliche Antworten auf diese Fragen zeigten drei Trainees der Kappelner Werkstätten auf. Michelle Wilms, Kerstin Jürgens und Stefan Schönfelder hielten den Vortrag dieses Abends über geflüchtete Kinder und Jugendliche im St. Nicolaiheim. Laut Trainee Stefan Schönfelder beherbergt die Einrichtung 16 unbegleitete minderjährige Ausländer (umA). Im ganzen Kreisgebiet hätten derzeit 34 ausländische Jugendliche Zuflucht gefunden. Von den 16 unbegleiteten minderjährigen Ausländer, seien vier aufgrund ihrer Beeinträchtigung im Schwerstbehindertenbereich untergebracht, die übrigen ohne Behinderung wohnten in Jugendhilfeeinrichtungen des St. Nicolaiheimes.

Michelle Wilms gab der Thematik ein Gesicht in Person eines 17-jährigen Afghanen. Wilms berichtete von einem Gespräch mit vier afghanischen Jungen aus den Jugendhilfeeinrichtungen. Davon hätte einer sie besonders beeindruckt. Dieser mittlerweile 17-Jährige hat afghanische Eltern, ist aber im Iran geboren. Er sei im Jahr 2012 aus dem Iran geflohen, weil er Angst hatte, zum Militär eingezogen zu werden. Zudem würden im Iran die Afghanen als Menschen zweiter Klasse ansehen und auch so behandelt werden. Daher floh er im Jahr 2012 aus dem Iran. Seine Flucht dauerte drei Jahre, davon verbrachte der Jugendliche als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling allein in Griechenland ein Jahr im Gefängnis. Österreich hätte er drei Tage lang im geschlossenen Container ohne Tageslicht mit vielen weiteren Flüchtlingen durchquert. „Ich möchte ihnen sagen, dass es uns bei einigen Erfahrungen die Sprache verschlagen hat, und es teilweise sehr bedrückend war“, sagte Wilms. Zum Abschluss meinte sie: „Das Erstaunliche ist, dass diese Jugendlichen – trotz der ganzen schlimmen Erfahrungen und Erlebnisse – eine große Lebensfreude und viel Selbstbewusstsein ausstrahlen.“

Trainee Kerstin Jürgens schlug vor, im Kreisgebiet einheitliche Strukturen zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu schaffen. Zum Erfahrungsaustausch sollte es auch ein Qualitätszirkel mit Vorträgen von Islamwissenschaftlern, Vertretern des Flüchtlingsrates oder Schulleitern und Bürgermeistern geben. Darüber hinaus solle eine mehrsprachige Willkommensbroschüre für die unbegleiteten ausländischen Kinder und Jugendlichen gestaltet. „Wir möchten, dass sie sich bei uns Zuhause und sicher fühlen“, so Jürgens.

Am Rande der Veranstaltung sagte Claudia Lamarti von der Leitung Schwerbehindertenbereich, dass beispielsweise autistische Kinder zu einer schweren Belastungsprobe für die Insassen der Flüchtlingscamps würden. „Das Jugendamt wendet sich in seiner Not an uns und drängelt geradezu, damit wir diese aufnehmen.“

St. Nicolaiheim und Werkstätten leisten somit gleich in mehrfacher Hinsicht Integrationshilfe. Wie sehr die Arbeit in Mehlbydiek geschätzt wird, zeigten im Vorfeld bereits die Grußworte einzelner Gäste. Kreispräsident Ulrich Brüggemeier meinte: „Inklusion muss vor Ort geschehen und auch immer wieder gelebt werden.“ Dabei dankte er den Kappelner Werkstätten für die Einbeziehung von Menschen mit Behinderung in den gesellschaftlichen Alltag. Und Kappelns Bürgervorsteherin Dagmar Ungethüm-Ancker lobte die Einrichtung für den liebe- und gleichzeitig respektvollen Umgang mit den Menschen. Integration erhält laut der Bürgervorsteherin in diesen Zeiten ohnehin einen anderen Stellenwert. Dabei spielte sie auf die auch nach Kappeln kommenden Flüchtlinge an. „Der Krieg in Syrien bekommt so in Kappeln ein Gesicht“, meinte Ungethüm-Ancker und rief zu umsichtigem und, respektvollem Verhalten auf. Der Abend klang dann mit dem kulinarischem Höhepunkt aus: Dänische Spezialitäten aus der Küche der Werkstätten.

 

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