Kappeln : Ein Wohnmobil nach Maß

Thomas Mair mit seinem T6. Jetzt wird die Absetzkabine ganz individuell ausgebaut.
Thomas Mair mit seinem T6. Jetzt wird die Absetzkabine ganz individuell ausgebaut.

Thomas Mair hat eine Manufaktur für Absetzkabinen gegründet und baut gerade an einem Prototypen.

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03. April 2018, 07:00 Uhr

Was macht man, wenn es genau das, was man möchte, nicht gibt? Man baut es selbst. Das kann natürlich nicht jeder. Thomas Mair aus Kopperby tut es aber gerade. „Wir fahren seit etwa 20 Jahren Wohnmobile. Und wir hatten schon so ziemlich alles, was es an Modellen gibt“, sagt der 48-Jährige und zählt auf: die Volkswagenbus-Modelle T3, T4, langer Radstand, festes Hochdach, ausgebaute Kastenwagen verschiedener Hersteller mit Alkoven und, und, und. Die Wohnmobile haben zwar einen großen Komfort geboten, waren dafür aber nicht so wendig. Die kleineren VW-Busse überzeugen durch ihre Mobilität, dafür muss man im kleinen Innenraum beim Schlafkomfort Abstriche machen. „Irgendetwas hat immer gedrückt“, sagt der Ingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik. Es gebe zwar Hersteller, die auf Wunsch anfertigen. Die seien aber meist auf Offroad-Fahrzeuge festgelegt, die Lieferzeit sei immens, genau wie der Preis. „Ich habe in meinem Beruf viele technische Anwendungen gesehen, bin ein praktisch veranlagter Mensch und mag gern konstruieren. So wird man dann selbst Hersteller von Absetzkabinen und Basisfahrzeugen“, sagt er.

Thomas Mair kommt aus Bayern. Aber die Berge sind nicht so seine Welt – er liebt das Meer. Seit einem Jahr lebt er mit seiner Frau Julie in Kopperby. In seinem Beruf arbeitet er heute nicht mehr, sondern unterrichtet in Teilzeit an der Gudewerdtschule in Eckernförde Naturwissenschaften und Mathematik. In seiner Freizeit arbeitet er in seiner kleinen Manufaktur. Mair sägt, schleift und klebt in der Doppelgarage und baut an dem Prototypen eines Wohnmobils mit Absetzkabine. Als Zugkopf hat er sich für den VW T6 entschieden und das zweirädrige Modell direkt bei Volkswagen bestellt, das Chassis kommt von der Firma Al-Ko. Das nackte Fahrzeug wurde verkleidet, mit Lampen versehen und Tüv-fertig gemacht. Auf der Ladefläche zwischen der Fahrerkabine und der Absetzkabine ist ein Kofferraum fest installiert. „Wir sind Weinliebhaber und fahren gern Weingüter an, da benötigen wir auch ein bisschen Transportraum“, sagt der Ingenieur. Die Kabine hat er in einer angemieteten Halle aus sogenannten Sandwich-Platten zusammen gebaut. Sie bestehen innen und außen aus GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff), dazwischen ist Montage-Schaum. „Das ist sehr leicht und gleichzeitig unglaublich stabil.“ Nun wartet die Kabine auf ihren Ausbau. Die Pläne am Computer sind längst fertig, die Umsetzung nimmt viel Zeit in Anspruch. Ein großer Schlafbereich, eine Essecke mit einem weiteren Bett, ein Bad inklusive Dusche und zahlreiche Schränke sowie ein großer Gepäckraum sind vorgesehen. Für die Holzflächen geht Mair weg vom typischen Wohnmobilinterieur und hin zum nordisch-maritimen. „Als Segler mag ich die Teakholz-Oberflächen.“

Wichtig für eine Absetzkabine sind ihre Stützen, zum Beispiel Kurbel- oder hydraulische Stützen, Thomas Mair hat für sein Wohnmobil aber eigene entwickelt. Sie werden an den Ecken der Wohnkabine angesteckt und sind elektrisch zu bedienen. „Kein Abbauen und Aufräumen mehr, wenn wir zu einer Tagestour aufbrechen wollen – einfach Kabine hochfahren und den Wagen als Pkw nutzen“, sagt er.

Im Mai soll sein Vorzeige-Wohnmobil fertig sein. Gerne würde Mair mit seiner Manufaktur auch anderen Wohnmobilisten den Wunsch nach ihrem ganz individuellem Modell erfüllen. Wenn der Prototyp fertig ist, wird aber erstmal getestet. Dann fahren Julie und Thomas Mair damit in den Urlaub – nach Süddeutschland und in die Toskana. „Wir haben schon ein paar Weingüter ausgeguckt.“

> www.jt-mobile-manufaktur.de







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