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Bürgermeisterwahl in Kappeln : „Ein Wir-Gefühl muss her“

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Bürgermeister-Kandidatin Marta Kraft will bestehende Betriebe unterstützen und die Dienstleistungen des Rathauses optimieren.

Die Kappelner Bürger sind am 27. September dazu aufgerufen, eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister zu wählen. Die Redaktion des Schlei Boten hat mit beiden Kandidaten über Ziele und Wünsche gesprochen. Wir veröffentlichen die Interviews in alphabetischer Reihenfolge. Den Anfang macht Marta Kraft, Kandidatin von CDU und SPD.

Frau Kraft, am 27. September wollen Sie Bürgermeisterin dieser Stadt werden. Was genau reizt Sie an diesem Posten?
Es hat mit meinem Werdegang zu tun. Es haben sich in meinem Leben viele Herausforderungen ergeben, die ich ergriffen habe. Als Beispiel, die Übernahme der Verwaltungsleitung des Wasserbeschaffungsvebandes Mittelschwansen. Als Stadtvertreterin und vor allem als Schulverbandsvorsteherin mit Verantwortung für 53 Mitarbeiter habe ich festgestellt, dass ich eine gute Menschenführung habe. Mein Arbeitsstil ist kooperativ und zielführend.

Im Wasserbeschaffungsverband haben Sie sich nach Ihren eigenen Worten viel selbst angeeignet, müssen viel selber entscheiden, haben nicht die Möglichkeit, sich mit Kollegen auszutauschen. Im Rathaus ist ein Teamplayer gefragt.
Ich bin tatsächlich beruflich Alleinverantwortliche. Teamplayerin war ich davor neun Jahre im alten Amt Schwansen, saß dort an der Schaltstelle, hatte regelmäßig mit Kollegen und Bürgermeistern zu tun, war im Amtsausschuss tätig. Ich bin Teamplayerin. Im Übrigen zeigt sich meine Teamfähigkeit seit 2003 bis heute in meiner Arbeit als Schulverbandsvorsteherin. Denken Sie nur an die Schulreform und unsere heutige gut strukturierte Schullandschaft. Das schafft nur ein Team. Was das Arbeitsgebiet der Bürgermeisterin angeht, bringe ich eine vielfältige verwaltungstechnische und kaufmännische Erfahrung mit.

Was glauben Sie, was Sie sich im Rathaus aneignen müssen?
Einen großen Einblick in die Personalangelegenheiten. Ein Wir-Gefühl muss her, auch um die gute Dienstleistung unseres Rathauses noch zu optimieren. Ein Instrument hierfür ist zum Beispiel der Personalentwicklungsplan. Ich möchte den Mitarbeitern vermitteln, dass ich mir Zeit für sie nehme. Die Sache steht im Vordergrund, aber noch wichtiger ist der Mensch. Nur so kann ich das Beste für Kappeln erreichen.

Nun spielt ja beim Job des Bürgermeisters die parteipolitische Auseinandersetzung eine Rolle. Wie positionieren Sie sich da?
Zunächst bin ich als Bürgermeisterin Verwaltungschefin. Das setzt eine Parteiunabhängigkeit voraus. Das bedeutet aber nicht, dass ich deshalb aus meiner Partei austrete. Man muss mich mit Haut und Haaren wählen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mein Parteischild nie vor mir her getragen habe. Im Übrigen arbeite ich schon jetzt mit den anderen Parteien sehr gut zusammen. Vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist im Team, in Verwaltung und Politik, der Schlüssel zum Erfolg.

Wenn Sie zurückblicken auf den Zeitpunkt, an dem Sie Ihre Kandidatur erklärt haben, bis heute – gibt es etwas, das Sie überrascht hat?
Natürlich ist die Kandidatur ein Wagnis. Ich habe ausführlich mit meiner Familie darüber gesprochen. Ich selber war und bin von mir überzeugt, dass ich neue Impulse für Kappeln einbringen kann. Trotzdem frage ich mich, wie die anderen zu mir stehen. Aber ich habe viel Zustimmung erfahren. Nicht erwartet habe ich die Vielzahl von Menschen, die auf mich zugekommen sind und mich bestätigt und bekräftigt haben. Das tut gut.

Wenn Sie drei Stichworte nennen sollten, für die Sie stehen – welche wären das?
Offenheit, Ehrlichkeit, zielführende Kompetenz.

Was unterscheidet Sie von Ihrem Mitbewerber?
Wir sind menschlich grundverschieden und gehen deshalb mit Problemen anders um.

Was ist Ihrer Ansicht nach Kappelns größte Schwäche? Und wie könnten Sie ihr begegnen?
Das ist sicherlich die Arbeitsplatzsituation. Die Unterstützung der heimischen Betriebe steht für mich im Fokus. Da werde ich Ansprechpartnerin sein, das ist Chefsache. Hier sind Rahmenbedingungen und Lösungsmöglichkeiten, etwa Gewerbegebiete, zu schaffen. Dies gilt auch für Betriebe, die sich neu in Kappeln ansiedeln wollen.

Die Rahmenbedingungen bestimmt auch der städtische Haushalt, der zwar ganz langsam dabei ist, sich zu erholen. Trotzdem ist die Stadt noch weit von einer entspannten finanziellen Situation entfernt. Wo sollte Ihrer Ansicht nach der Rotstift angesetzt werden?
Natürlich müssen wir weiter sparen, aber wir sollten auch die Einnahmeseite bedenken. Aber auch das geht nur langsam und nur in Zusammenarbeit mit der Stadtvertretung. Komfortabel, etwa für das Einwerben von Fördermitteln, ist für mich dabei, Parteien im Rücken zu haben, die an Landes- und Bundesregierung beteiligt sind. Das ist auch für die Stadt Kappeln gut.

Was macht Kappeln in Ihren Augen zu einer lebenswerten Stadt?
Das sind die kurzen Wege, die Verbindungen mit den Menschen.

Wo ist Ihr Lieblingsort in der Stadt?
Ich habe viele, einen zu präferieren, fällt mir nicht leicht.

Ein Thema, das in der jüngeren Vergangenheit immer wieder auftaucht, ist das der Flüchtlinge. Was kann die Bürgermeisterin Marta Kraft für Flüchtlinge tun?
Sie kann strukturelle Aufgaben übernehmen. Wir wissen nicht, wie lange wir es noch schaffen, die Menschen, die zu uns kommen, dezentral unterzubringen. Die Stadtvertretung ist bereits tätig geworden, um neue Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Die Bürgermeisterin wird das mit Politik und Verwaltung auf jeden Fall vorantreiben. Daneben ist es ganz wichtig, den Flüchtlingen die Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Es funktioniert im Moment mit den Flüchtlings-Paten, die ich weiterhin unterstützen werde. Auf das enorme ehrenamtliche Engagement Kappelns können wir sehr stolz sein.

Ein Großteil der Bürger ist über 60 Jahre alt, junge Menschen verlassen die Stadt nach dem Schulabschluss. Wie kann Kappeln attraktiv für Jugendliche werden?
Attraktivität hängt mit der Möglichkeit eines Ausbildungsplatzes und späteren Arbeitsplatzes zusammen. Immer mehr Betriebe bilden aus, das ist der richtige Weg. Das knüpft an die bereits erwähnte Unterstützung bestehender Betriebe an, denn jeder Betrieb, der sich erweitert oder neu hinzukommt, bindet junge Menschen an Kappeln. Außerdem wichtig sind Freizeitmöglichkeiten.

Wohnbauflächen für Familien gehören auch dazu. In Umlandgemeinden passiert, was das betrifft, viel, an Kappeln scheint der Zug ein bisschen vorbei zu gehen.
Da haben Sie vollkommen recht. Das ist etwas, das auch mich berührt. Wir brauchen die Ausweisung neuer Wohnbauflächen gerade auch für junge Familien. Dafür werde ich mich gemeinsam mit den politischen Gremien einsetzen.


Interkommunales Gewerbegebiet, Breitbandversorgung, Schleiterrassen – viele Ideen und Projekte in der Stadt sind bereits angestoßen…
…und die möchte ich natürlich weiter voranbringen. Diese Sachen sind auf der Kappeln-Agenda, und ich möchte sie gerne zu einem guten Ende führen. In der Breitbandversorgung ist Kappeln interkommunal auf einem vielversprechenden guten Weg. Die Thematik Schleiterassen geht mir zu langsam voran.

Im Falle eines Wahlsieges: Welchem Thema würden Sie sich als erstes widmen?
Dem Personal, mit dem ich jetzt schon gut zusammenarbeite.

Wie hat sich Kappeln am Ende Ihrer möglichen Amtszeit von sechs Jahren verändert?
Ich hoffe, dass wir mehr Einwohner haben, dass sich Innenstadt und Randbezirke weiter entwickelt haben. Wichtig ist mir auch, dass sich die heimische Wirtschaft gefestigt hat und gewachsen ist. Und dass es eine Perspektive für junge Leute gibt, die es ihnen ermöglicht, in Kappeln zu bleiben.

Wir räumen Ihnen das Recht ein zu träumen: Welchen ausgefallenen Wunsch würden Sie sich und den Kappelnern gerne erfüllen?
Eine Schwimmhalle. Das ist ein Traum. Es tat mir so weh, als wir die Halle aufgeben mussten.

Welche Schlagzeile möchten Sie nach 100 Tagen im Chefsessel des Rathauses über sich lesen?
„Das Rathaus ist ein guter Dienstleister“. Oder: „Die Dienstleistung des Rathauses wurde optimiert“.

 

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erstellt am 08.Sep.2015 | 06:00 Uhr

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