Kappeln : Ein Wegbegleiter auf neuen Pfaden

In seiner jahrelangen Wirkungsstätte St. Nikolai feiert Christoph Sassenhagen am 16. August seinen Abschiedsgottesdienst.
In seiner jahrelangen Wirkungsstätte St. Nikolai feiert Christoph Sassenhagen am 16. August seinen Abschiedsgottesdienst.

Nach fast 20 Jahren in Kappeln wird Christoph Sassenhagen im Sommer Gemeindepastor in Friedrichstadt.

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13. Juni 2015, 08:15 Uhr

Es fehlte nicht viel zu zwei Jahrzehnten. Im Januar hätte Christoph Sassenhagen die 20 Jahre als Gemeindepastor der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Kappeln voll gemacht. Jetzt packt er noch in diesem Sommer die Umzugskartons und tritt eine Stelle als Pastor in Friedrichstadt (Kreis Nordfriesland) an. Sassenhagen nennt das „eine neue Etappe“, für die es aus verschiedenen Gründen einfach an der richtigen Zeit sei. Dass ihn Kappeln indes noch lange nicht loslässt, ist kaum zu übersehen. Der Pastor lächelt, als er sagt: „Ich vergesse hin und wieder, dass das hier ein Ende hat.“

Angefangen hat es im Januar 1996. Nach dem Abitur in Eckernförde, dem Studium in Bielefeld, dem Vikariat in Husum und dem Predigerseminar in Breklum wurde Christoph Sassenhagen zunächst Pastor der Gemeinden Dagebüll und Fahretoft, ehe es ihn 1996 an die Schlei zog. Die ausgefeilte Jugendarbeit war es, die ihn besonders reizte. „Ich hatte darin bereits selber Erfahrungen gesammelt und wusste, wie gut das für alle Beteiligten sein kann“, sagt er. Und mit ihm wurde es noch vielfältiger: Mit einer Jugendband begleitete er Gottesdienste, nahm sogar eine CD auf. Er baute eine Marionettenbühne auf, erarbeitete sich mit den Jugendlichen das Stück „Der kleine Prinz“ und inszenierte es zehn Mal. Zwei äußerst lebendige Jugendgruppen prägte er über die Jahre. „Es ist viel Arbeit, viel Liebe und viel Freude“, sagt Christoph Sassenhagen. „Aber wenn junge Menschen so ihr Zuhause in der Kirche finden, ist es das wert.“ Die mittlere Generation hofft er, über musikalische Arbeit einbeziehen zu können, die ältere über eine immer aktiver und kreativer werdende Seniorenarbeit. „Dass eine Kirchengemeinde jenseits von Politik und Gesellschaft Räume eröffnet, ist ihre große Chance“, sagt Sassenhagen. Menschen wie er bereiten diese Chance, ergreifen müssen sie andere. Aber gerade in Kappeln hat er nie darum bangen müssen, dass Angebote der Kirche in der Luft zerplatzen. Nahezu ausschließlich habe er gute Resonanz erfahren, andere Menschen gefunden, die mitmachten. Vielleicht war auch das ein Grund, weshalb er fast 20 Jahre lang geblieben ist, denn üblich ist solch eine lange pastorale Schaffensperiode an einem Ort eigentlich nicht. Zehn Jahre sind viel eher die Regel, dann, so das unausgesprochene Gesetz, kann es angebracht sein, der Gemeinde, aber auch dem Pastor selber einen Wechsel zu erlauben. „Normalerweise sind dann alle Talente ausgespielt“, sagt Sassenhagen. Seine Talente haben für das Doppelte der Zeit gereicht, eine Zeit, die er als Pastor nie in streng getaktetem Rhythmus gestaltet hat – wie auch. „Wir gehen dem Leben dorthin nach, wo es uns braucht“, sagt er über seinen Beruf. Und er geht eben auch zu den Menschen – und nennt sie nicht weniger als „großartig“. Trauer und Fröhlichkeit hat er mit ihnen teilen dürfen, hat erlebt, wie sie wieder Hoffnung schöpfen, ihrem Leben wieder Kraft verleihen. „Ich fühle mich gesegnet, dass ich eine Zeit lang Wegbegleiter sein durfte“, sagt Sassenhagen.

Jetzt reicht er seine Talente weiter. Auf seinen Abschiedsgottesdienst in St. Nikolai am 16. August (14 Uhr) folgt sein Umzug nach Friedrichstadt, ein Ort mit 2500 Einwohnern, davon 1600 Gemeindemitglieder. Idyllisch nennt Christoph Sassenhagen sein neues Zuhause, mit einem sehr stark ausgeprägten ökumenischen Leben. Der 55-Jährige hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie fühlt sich richtig an – vor allem nach dem gesundheitlichen Einschnitt, den er im vergangenen Jahr erfahren musste. „Mein Herzinfarkt hat mich neu denken lassen“, sagt der Pastor im Rückblick. Hinzu kommt: Für seinen Sohn steht im Sommer der Wechsel aufs Gymnasium an. Auch für ihn also kommt ein Umzug in eine andere Stadt jetzt zum besseren Zeitpunkt. „Mich treibt nichts weg“, sagt Christoph Sassenhagen. „Aber eine neue Gemeinde eröffnet mir eine gute Perspektive.“

Der Abschiedsschmerz rückt langsam näher, das Bewusstsein, sich von Stadt und Menschen verabschieden zu müssen, wächst. „Genauso die Wehmut“, sagt der Noch-Kappelner, „dass sich alle Geschichten jetzt ohne mich weitererzählen“. Was er mitnimmt nach Nordfriesland? „Die Ermutigung, die mir die Gemeinde gegeben hat, dass meine Arbeit so viel gute Resonanz erfahren hat. Zu wissen, dass das, was man anbietet, auch gebraucht wird.“ Christoph Sassenhagen weiß, dass sein Gott ihn durch das Ende der einen Aufgabe und den Anfang der anderen hindurchtragen wird. Weil er ihn immer wieder auf eine Weise wahrnimmt. „Ich habe immer gespürt, dass Gott vor allem in der Liebe zu den Menschen kommt“, sagt Sassenhagen. Über sich selber sagt er außerdem, dass ihm Menschen sehr schnell ans Herz wachsen. Andersrum ist es vermutlich genauso.

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