zur Navigation springen

Kappeln : Ein warmes Plätzchen zum Einigeln

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Der Winter kommt für einige Igel oft zu früh. Im Tierzentrum Weidefeld finden sie ein Quartier für die kalte Jahreszeit.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2015 | 18:12 Uhr

Die ersten Wochen eines Igels sind hart. Kaum geboren hat der stachelige Nachwuchs nicht viel Zeit, um sich ein Fettpolster als Energiespeicher für den Winter anzufressen. Denn die meisten Igel kommen im August oder September auf die Welt. Erreichen sie vor dem Wintereinbruch nicht mindestens ein Gewicht von 500 Gramm, drohen sie zu verhungern. Oder sie haben großes Glück und bekommen über den Winter einen warmen Schlafplatz mit regelmäßigen Mahlzeiten und tierärztlicher Betreuung bei Dr. Katrin Umlauf im Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld.

Insgesamt 19 Igel haben bereits ihr Winterquartier in Weidefeld bezogen. In den nächsten Wochen könnten es mehr werden, vermutet Umlauf: „Das ist immer abhängig vom Wetter. Wenn es hart wird und plötzlich Frost und Schnee kommen, finden sie nichts mehr zu fressen. So langsam werden sie sich ein Versteck suchen und schlafen legen müssen.“

In den mit Sägespänen und Zeitungspapier ausgelegten Käfigen des Tierschutz-Zentrums finden aber auch verwaiste, verletzte und kranke Igel ein sicheres Zuhause. Vier Tierpfleger und sechs Auszubildende kümmern sich um die stacheligen Schützlinge. Nicht selten, etwa wenn der erste Frost schon im Oktober einsetzt, müssen die Pfleger in Weidefeld die spätgeborenen und verwaisten Igel sogar mit der Flasche aufziehen. „Das bedeutet auch, dass sie die Igelkinder mit nach Hause nehmen“, erklärt Zentrumsleiterin Umlauf. „Denn die Tiere brauchen ihre Flasche alle zwei Stunden, auch nachts.“ Der Spezialeinsatz der Tierpfleger ist jedoch nicht immer erforderlich. Eine Igelmutter mit sieben Jungen etwa hatte das Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld Mitte September aufgenommen. Die 1,3 Kilogramm schwere Igeldame versorgte ihren Nachwuchs ganz allein. Die Jungen wogen zum damaligen Zeitpunkt kaum mehr als 150 Gramm. Zehn Wochen später bringen sie schon bis zu 450 Gramm auf die Waage. Und als Tierpflegerin Nadine Kohrs mit dem Schutzhandschuh in den Käfig greift, stellt mit einem Lachen fest: „Sie verteidigen sich schon wie die Großen.“ In der hinteren Ecke steht ein Holzhäuschen, darin wölbt sich ein Berg aus Zeitungsschnippseln. Von den Bewohnern ist nichts zu sehen. Als die Tierpflegerin leicht an den Zeitungen raschelt, dringt ein gedämpftes Fauchgeräusch aus dem Schnippsel-Berg hervor. Geht es nach Katrin Umlauf, soll dieses Flucht- und Abwehrverhalten erhalten bleiben. „Immerhin sind es Wildtiere“, sagt die Expertin. „Im Frühjahr werden die Igel wieder ausgewildert. Darum sollen sie möglichst wenig Kontakt zu uns haben.“ Die Erfolgsquote der Igelstation ist hoch, so die Verhaltensbiologin. „Wir bieten ja auch einen guten Service. Die Igel werden tierärztlich versorgt, jeden Tag gewogen, gegen Parasiten behandelt und sie bekommen gute Nahrung.“ Die Mahlzeiten der kleinen Insektenfresser – ein Menü aus Katzenfutter, Kartoffeln, Eiern, Nudeln, Obst und Mehlwürmern – richteten sich nach einem auf die Bedürfnisse der Tiere abgestimmten Wochenplan.

Das Füttern der nadeligen Winter-Gäste gehört für Nadine Kohrs zu den schönsten Aufgaben. „Dann kommen sie alle aus ihren Hütten und fangen laut an zu schmatzen“, sagt die Tierpflegerin. Von den über 300 Wildtieren auf dem 13 Hektar großen Gelände sei die Fütterung der Igel am lautesten, stellt sie fest. Kohrs: „Man hört schon draußen vor der Tür, wenn die Igel fressen. Das ist wirklich lustig.“

Trotz aller Verzückung über die kleinen Igel betont Katrin Umlauf jedoch, der Natur Tiere zu entnehmen, sei nur die letzte Lösung. „Wenn Igel in der freien Natur nicht hilfsbedürftig wirken, sollte man sie in Ruhe lassen“, erklärt die Zentrumsleiterin. Böte man Igeln ausreichend Rückzugsmöglichkeiten, etwa in Laubhaufen im Garten, kämen sie sehr gut zurecht. Häufig seien die Tiere sogar regelmäßige Gäste auf Grundstücken und Terrassen, weiß die Verhaltensbiologin: „Manche Leute kennen das, wenn so ein unruhiger Geist immer mal wieder auftaucht. Dem kann man schon mal ein Tellerchen mit Katzenfutter oder ein hartgekochtes Ei hinstellen.“ Und nicht zu vergessen: „Keine Milch. Davon bekommen Igel Durchfall“, warnt Umlauf. Verletzte, abgemagerte, noch junge oder verhaltensauffällige Igel hingegen gelte es, beim Tierschutzverein oder einem Tierarzt zu melden. Katrin Umlauf betont: „Die Arbeit des Tierschutzbundes fängt da an, wo die Tierheime an ihre Grenzen stoßen, insbesondere in Bezug auf Wildtiere.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen