Ämterlotsen in Kappeln : Ein Türöffner für Behörden

Sie reichen einen Rettungsring im Behördendschungel: die Ämterlotsen im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, darunter die Kappelner Jürgen Iversen (4.v.li.) und Helmut Schulz (2.v.r.) mit Diakon Detlef Flüh (4.v.r.) und dem Regionalzentrumsleiter Ingo Gutzmann (5.v.r.).
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Sie reichen einen Rettungsring im Behördendschungel: die Ämterlotsen im Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, darunter die Kappelner Jürgen Iversen (4.v.li.) und Helmut Schulz (2.v.r.) mit Diakon Detlef Flüh (4.v.r.) und dem Regionalzentrumsleiter Ingo Gutzmann (5.v.r.).

Projekt der Diakonie: Ehrenamtler unterstützen Bürger bei Problemen mit dem Verwaltungsapparat.

shz.de von
15. Juli 2015, 07:30 Uhr

Agentur für Arbeit, Sozialamt, Bafög-Amt, Jugendamt – nicht selten sprechen die Verantwortlichen dieser Behörden eine eigene Sprache, die für Außenstehende nicht immer leicht zu verstehen ist. Das kann sich in direkten Gesprächen, häufig auch in Formblättern und Anträgen offenbaren.

Kappelner, die in solchen Situationen Unterstützung benötigt, können sich künftig an sogenannte Ämterlotsen wenden, Ehrenamtler, die in der Diakonie im Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Schleswig-Flensburg verankert sind und Menschen bei Behördengängen begleiten, sie vorbereiten und mit ihnen Anträge bearbeiten.

Detlef Flüh ist erleichtert. „Jetzt geht es endlich auch für Kappeln los“, sagt er. Der Diakon koordiniert die Ämterlotsen, die neben Kappeln bereits in Süderbrarup, Schleswig und Flensburg tätig sind. Die Kappelner können sich derzeit an zwei Lotsen wenden: Jürgen Iversen und Helmut Schulz haben beide einen umfangreichen Lehrgang in Rendsburg durchlaufen, haben sich Wissen zum Thema Sozialgesetzbuch II und XII angeeignet, Gesprächsführung gelernt, sich psychologisch schulen lassen. Helmut Schulz betont: „Wir treten nicht als Gegner der Behörden auf und suchen nicht die Konfrontation. Es geht vielmehr darum, die Tätigkeit der Ämter zu unterstützen.“ Und auf diese Weise im Umkehrschluss auch dem Menschen, der im Austausch mit den Ämtern steht, zu helfen – denn das Ziel ist klar: ein besseres Verständnis für beide Seiten.

Ingo Gutzmann, Leiter des Regionalzentrums, definiert die Aufgabe des Ämterlotsen so: „Er kann schon beim ersten Kontakt zur Behörde eine Hilfe sein und einem Menschen dabei zur Seite stehen, einen guten Zugang zu finden.“ Denn der Ämterlotse versteht sich als neutraler Dritter, als jemand, der vielleicht sogar kritische Situationen entschärfen kann, als Türöffner. Dass der Bedarf da ist, davon ist Gutzmann überzeugt. „Das Potenzial ist gewachsen“, sagt er, Behördengänge würden schwieriger, weil die Materie komplizierter werde – „ohne dass da irgendein böser Wille dahinter steckt“, sagt Gutzmann. Allerdings: Eine Rechtsberatung liefern die Ämterlotsen nicht.

Neben konkreten Terminen mit den Lotsen richtet Helmut Schulz eine Sprechstunde ein: Jeden Freitag von 10 bis 13 Uhr ist er ohne vorherige Vereinbarung im Regionalzentrum, Wassermühlenstraße 12, anzutreffen, weitere Termine sind über Detlef Flüh, ✆ 0  46  42  / 91  11  30, flueh.diakon@kirche-slfl.de, abzusprechen.

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