zur Navigation springen

„Offene Kirche“ in Kappeln : Ein Team voller Türöffner

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

34 Freiwillige sorgen dafür, dass die Nikolaikirche werktags sechs Stunden geöffnet ist.

shz.de von
erstellt am 26.Mär.2016 | 08:00 Uhr

Die Kirche ist oftmals eines der ältesten Gebäude einer Stadt. Sie ist Gebetsstätte, Treffpunkt, manchmal Zufluchtsort, immer Heimat für den, der danach sucht. Damit sie all das sein kann, stehen ihre Türen offen. Keiner, der in eine Kirche hinein möchte, sollte erst aufwendig darum bitten müssen. 34 Freiwillige gewährleisten eben das, sie schließen an fünf, manchmal sechs Tagen in der Woche für bis zu sechs Stunden die Nikolaikirche auf. Sie sind das Team „Offene Kirche“, seit Montag sind sie wieder im Einsatz.

Im September vor zwei Jahren hat Cornelia Ulrich als Angestellte der Kirchengemeinde ihren Gedanken der „offenen Kirche“ in die Tat umgesetzt. Alleine allerdings, das war von Beginn an klar, ist das Konzept nicht umzusetzen. Das Team um Cornelia Ulrich wuchs, inzwischen sind es 34 ehrenamtliche Helfer, die dafür sorgen, dass Besucher der Stadt problemlos die über 200 Jahre alte Nikolaikirche besichtigen können. Keiner von ihnen ist ausgewiesener Kirchenhistoriker – „und das ist auch gar nicht erforderlich“, sagt Ulrich. Sie schließen die Kirche auf, schalten die Lichter an, halten das mit Teelichtern bestückte Kirchenschiff vor dem Altarraum in Ordnung und haben keine falsche Scham, Gästen gegenüber einzuräumen, dass sie spezifische Fragen vielleicht nicht beantworten können. Cornelia Ulrich sagt: „Diese Ehrenamtler sind dafür da, dass andere Menschen in die Kirche hinein können.“ Sie sagt nicht, dass das bereits mehr ist als andere Städte für ihre Touristen tun. Aber sie könnte es sagen. Und tatsächlich hat Ulrich zu Beginn des Projekts mit ihren Helfern St. Nikolai erkundet, hat ihnen einiges erläutert und gezeigt. „Daran haben viele teilgenommen“, erinnert sie sich. Und bei manchen sei das Interesse anschließend so groß gewesen, dass sie alleine weitergeforscht hätten. Trotzdem: Pflicht ist das nicht.

Zwei bis zweieinhalb Stunden dauert ein freiwilliger Dienst für einen Helfer am Tag, vorher teilt jeder mit, an welchen Tagen, zu welcher Uhrzeit er oder sie verfügbar ist, Cornelia Ulrich bastelt daraus monatliche Pläne. „Wir versuchen, montags bis freitags von 10.30 bis 16.30 Uhr, zusätzlich sonnabends von 10.30 bis 12.30 Uhr abzudecken“, sagt sie. Die meisten Besucher kommen erfahrungsgemäß in der Mittagszeit, täglich zählt das Team in der Hochsaison schon mal um die 600 Gäste. „Der Bedarf und der Wunsch nach einer offenen Kirche ist also da“, sagt Ulrich.

Eine der ersten Helferinnen war Maren Braack. Und sie findet gleich mehrere Gründe, weshalb ihr dieses Engagement leicht fällt. „Es ist ein gutes Gefühl, anderen Menschen einen Kirchenbesuch zu ermöglichen“, sagt Braack. „Aber ich tue es auch für mich selber.“ Die zwei Stunden in St. Nikolai helfen ihr, zur Ruhe zu kommen, zu beten, ihren eigenen Gedanken nachzuhängen. „Ich finde meine Mitte wieder“, sagt Braack. Auch Bianca Krohn hat einen ganz persönlichen Aspekt in ihrem freiwilligen Dienst entdeckt – sie nutzt ihre Aufsicht, um singen zu üben. „Und nicht selten gibt es Besucher, die dann mitsingen“, erzählt sie und lächelt. Ihr eigenes Hobby trägt so zur Besinnung anderer bei. „Das ist eine große Freude“, sagt Krohn. Elfriede Blieske schätzt zudem den Austausch mit den Gästen. „Es ergeben sich oft gewinnbringende Gespräche“, sagt Blieske. „Manchmal sogar Bekanntschaften.“ So habe sie einmal Urlauber aus den USA in der Kirche begrüßt – „und mit denen hatte ich hinterher noch Kontakt“. Auch Susanne Doering berichtet von „wunderbaren Unterhaltungen“, ausgelöst durch die Nähe, die der spezielle Raum Kirche oftmals bewirken kann. Cornelia Ulrich beschreibt diese spontane Verbundenheit so: „Ohne dass man sich kennt, weiß man, dass man ein gemeinsames Interesse teilt.“ Albrecht Hansen erzählt davon, auf Radtouren in fremden Städten selber häufig Kirchen anzusteuern. „Und wir sind froh, wenn diese Kirchen dann offen sind und besichtigt werden können“, sagt er. Seine persönliche Konsequenz: „Dazu möchte ich Touristen in Kappeln auch verhelfen.“ Und Sabine Hansen weiß von Ehrenamtlern, die sich engagieren, ohne dass sie zuvor mit der Kirche große Berührungspunkte gehabt hätten. „Auch sie erleben die besondere Ausstrahlung von St. Nikolai“, sagt sie, „und fühlen sich wohl bei dem, was sie tun“. Und sie steuern ihren Teil dazu bei, dass so viele Menschen davon profitieren. Davon zeugen auch Einträge im Gästebuch, wie Maike Bake beobachtet hat.

Die Organisation des Projektes „Offene Kirche“ verantwortet derweil Cornelia Ulrich, die einerseits große Dankbarkeit ihres Teams dafür erfährt und ihren Ehrenamtlern gleichzeitig große Fürsorge entgegen bringt. Ulrich ist überzeugt: „Es ist wichtig, dass jeder von ihnen auch die Freiheit hat, nein zu sagen.“ Um St. Nikolai dennoch möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, freut sich das Team über Verstärkung. Auf diese Weise sollen gar nicht in erster Linie die Öffnungszeiten der Kirche ausgedehnt, sondern vielmehr die Helfer entlastet werden. „Je mehr wir sind, desto entspannter wird es für den einzelnen“, sagt Ulrich und kündigt „so viel Vorbereitung wie er oder sie möchte“ für neue Freiwillige an. Die exakten Zeiten der „Offenen Kirche“ sind wöchentlich bei der Touristinformation zu erfahren, hängen außerdem im Schaukasten an der Kirche aus und sind im Internet der Kappelner Kirchengemeinde einzusehen.


> Kontakt für interessierte freiwillige Helfer:

Tel. 0  46  42  /  6  97  01  50, kappeln@kirche-slfl.de


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen