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Mustafa Glawinge : Ein Syrer als Star auf der Matte

vom
Aus der Redaktion des Schlei-Boten

Mustafa Glawinge kommt als Flüchtling nach Kappeln und wird Teil des Judo-Teams.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2017 | 07:00 Uhr

Die Begrüßung unter den Judoka zum Trainingsbeginn am Abend ist herzlich. Man klatscht sich ab, umarmt sich kurz und witzelt rum. „Ich mag Judo sehr“, sagt Mustafa und legt die Hand auf sein Herz. Mustafa ist 19 Jahre alt, trainiert im Judo- und Karateverein Tokaido Kappeln und ist gerade Vizelandesmeister in seiner Altersgruppe und Gewichtsklasse geworden.

Gemeinsam mit seinem Schwager hat Mustafa Glawinge seine Heimat Syrien 2015 verlassen müssen. „Das war am 20. August“, weiß er noch genau. Drei Wochen später kam er erst in Kiel und kurz darauf in Kappeln an. Auch diese Daten hat er nicht vergessen. Untergebracht war er im Nicolaiheim, und es dauerte gerade mal zwei Tage, bis er sagte: „Ich möchte Judo machen.“ Mit Hilfe seiner Betreuer und durch das Internet hat er Tokaido gefunden und ist zum Training in die Sporthalle des Berufsbildungszentrums in der Kirchstraße gegangen. „Die ersten sechs Monate war es etwas schwierig, wegen der Sprache. Mit Englisch ging es ganz gut. Und die Namen der Techniken sind ja japanisch, die kannte ich schon“, berichtet Mustafa.

„Das war überhaupt kein Problem. Sport ist international“, sagt Trainer Thorsten Lange dazu. „Mustafa war sofort integriert und hat sich auch sofort integriert“, berichtet er und lobt dabei sein Team. „Das ist eine super Truppe. Hier akzeptieren sich alle gegenseitig und ergänzen sich gut.“

Dass Mustafa kein Anfänger war, wurde schnell deutlich – nicht nur, weil er schon den blauen Gürtel trug und damit seinen Ausbildungsstand erkennen ließ. „Wir konnten gleich sehen, dass er schon richtig viel kann“, so Lange. Inzwischen ist Mustafa schon bei verschiedenen Turnieren angetreten, hat gleich im November 2015 den ersten Platz bei einem Nikolaus-Turnier gemacht, 2016 den zweiten. Rund 400 Teilnehmer aus Norddeutschland und Dänemark nehmen regelmäßig daran teil, erklärt sein Trainer. Im September 2016 wurde Mustafa Zweiter bei der Landesmeisterschaft für Männer und Frauen, und im Dezember legte er die Prüfung für den braunen Gürtel ab. Im Januar nun der zweite Platz in der Klasse U  21 bis 73 Kilogramm bei der Landesmeisterschaft in Rendsburg. Sein nächstes Ziel ist es, Mitte März einen Titel beim Holstein-Open in Neumünster, einem Turnier mit internationaler Beteiligung, zu erringen.

Die Leidenschaft für Judo komme aus seiner Familie mütterlicherseits, sagt Mustafa. Der Großonkel war sogar mal Nationaltrainer in Syrien, hat man ihm erzählt. Mustafa kommt aus Latakia, hat aber zuletzt in Aleppo gelebt. Dort ist er zur Schule und dreimal in der Woche zum Judo-Training gegangen. Auch in Syrien hat er schon einige Medaillen gewonnen. Sein größter Wunsch wäre es, einmal bei den Deutschen Meisterschaften anzutreten, aber dafür fehlt die Staatsbürgerschaft. Anerkannt als Asylberechtigter ist er bereits. Die ersten Sprachkurse hat er längst erfolgreich absolviert, jetzt fährt er für den nächsten täglich nach Flensburg. Er spricht schon gut und möchte gern in Deutschland bleiben. Sein Abitur konnte er in Aleppo nicht bis zum Ende machen, das möchte er so bald wie möglich nachholen. Seine Mutter hatte sich für ihn ein Medizinstudium in Deutschland vorgestellt. „Aber ich möchte lieber IT-Ingenieur werden“, verrät er und lächelt.




> Tokaido bietet Judo für Kinder ab sechs Jahre, Jugendliche und Erwachsene an. Infos unter www.tokaidokappeln.de

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