Gemälde in der Schifferkirche : Ein Stück Arnis aus der Anfangszeit

<p>Die Finanzierung für die Restaurierung des  Gemäldes (im Hintergrund) steht: Pastorin Nadja Jöhnk, Helmut Andresen vom Kirchbauverein, Arnulf Dahm vom Baudezernat des Landeskirchenamtes, Sylvia Schönrock vom Bauamt Kirchenkreis Schleswig-Flensburg,  Historiker Nicolaus Schmidt,  stellvertretender Landeskonservator Dr. Dirk Jonkanski und Küsterin Karin Borngräber (v. l.). </p>
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Die Finanzierung für die Restaurierung des  Gemäldes (im Hintergrund) steht: Pastorin Nadja Jöhnk, Helmut Andresen vom Kirchbauverein, Arnulf Dahm vom Baudezernat des Landeskirchenamtes, Sylvia Schönrock vom Bauamt Kirchenkreis Schleswig-Flensburg,  Historiker Nicolaus Schmidt,  stellvertretender Landeskonservator Dr. Dirk Jonkanski und Küsterin Karin Borngräber (v. l.).

„Die Kreuzaufrichtung“ kann jetzt mit Landesmitteln restauriert werden.

shz.de von
25. November 2017, 07:30 Uhr

„Es hat hier lange gehangen wie Aschenputtel“, sagte Nicolaus Schmidt. Der gebürtige Arnisser Fotograf und Historiker, der anlässlich des Stadtjubiläums das Buch „1667–2017: Arnis, die kleinste Stadt Deutschlands“ veröffentlicht hat, war während seiner Recherchen auch auf das Gemälde „Die Kreuzaufrichtung“ über dem Eingang der Schifferkirche aufmerksam geworden. „Keiner wusste etwas damit anzufangen. Dabei haben wir hier einen richtigen Schatz“, erklärte er.

Das Bild, das der Kirche im Jahr 1693 gestiftet wurde, hat im Laufe der Jahre Schaden genommen. Da der neu gegründete Förderverein der Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen mit der Statik des Arnisser Glockenturms und dem Dach der Kirche in Rabenkirchen bereits zwei große Projekte stemmen muss, hat Schmidt sich für die Restaurierung des Bildes eingesetzt. Nun waren sachkundige Mitarbeiter des Landeskirchenamtes, der Bauabteilung des Kirchenkreises und des Landesamtes für Denkmalpflege gekommen und haben sich das Werk angesehen. „Wir können das machen“ – spontan sagte Dr. Dirk Jonkanski, stellvertretender Landeskonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, die fehlenden Mittel zu. „Tatsächlich sind kurzfristig Gelder frei geworden. Die Mittel werden noch in den Haushalt 2017 eingestellt“, versprach er. Die Restaurierungsarbeiten müssen dann allerdings bis zum Februar 2018 abgeschlossen sein. „Das wird kein Problem“, erklärte Schmidt. Die Restauratoren vom Atelier Simmert und Freitag aus Kiel stehen in den Startlöchern.

Dass es sich bei diesem Bild um etwas ganz Besonderes handelt, folgert Nicolaus Schmidt vor allem aus zwei Tatsachen. Zum einen ist die Kreuzaufrichtung ein eher seltenes Motiv für ein Altarbild. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts sind vier Bilder entstanden, die große Ähnlichkeit mit dem Gemälde in der Schifferkirche aufweisen, beschreibt Schmidt in seinem Buch. Der Münchner Christoph Schwartz hat 1587 ein kleines querformatiges Bild mit diesem Motiv und all seinen Personen gemalt. Nach diesem Bild fertigte Ägidius Sadler 1590 einen Kupferstich an, der sich verbreitete und als Vorlage für weitere Gemälde diente. „Es ist kunsthistorisch sehr interessant und gehört zu einer Reihe von Bildern, die in München, Augsburg und Antwerpen hängen.“

Etwas Besonderes sei „Die Kreuzaufrichtung“ aber auch, weil das Gemälde wohl der einzige noch erhaltene Gegenstand aus dem persönlichen Besitz eines Arnisser Bewohners aus den schwierigen Gründungsjahren sei, sagte Schmidt. Während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges ab 1675, in dem Christian Albrecht Herzog von Schleswig-Holstein Gottorf von seinem Schwager, dem dänischen König Christian V., festgesetzt wurde und nach Hamburg ins Exil fliehen musste, sah es nicht gut aus für Arnis. Die junge Schiffersiedlung, die sich erst 1667 gegründet hatte, drohte wieder einzugehen. Der Sohn Christian Albrechts lockte nach dem Krieg und dem Tod seines Vaters neue Siedler auf die Insel, indem er den Neuankömmlingen für elf Jahre die Steuern erließ. Bei seiner Recherche – unter anderem im Landesarchiv Schleswig auf Schloss Gottorf – fand Nicolaus Schmidt heraus, dass Andreas Odefeyd, der Stifter des Bildes, mit hoher Wahrscheinlichkeit der erste Neusiedler in den 90er-Jahren des 17. Jahrhunderts war, denn laut Steuerrolle von 1698 war auch er steuerbefreit. Vielleicht habe er sich mit der Stiftung des Gemäldes für dieses Privileg bedanken wollen, vermutete der Historiker. „Das Bild ist ein zentraler und wichtiger Beleg in jeder Beziehung.“ Leider sei das Bild in einem schlechten Zustand, und einzelne Bildpartien befinden sich in einem Stadium der Zersetzung, hat Schmidt festgestellt.

In Abstimmung mit der Kirchengemeinde hat er begonnen, Spenden für die Restaurierung zu sammeln. Angefangen hatte er bei dem Theaterstück, das im Sommer anlässlich des 350-jährigen Stadtjubiläums aufgeführt wurde und in dem das Bild selbst eine Rolle spielte. Auch der Verkauf signierter Bücher spülte Geld in die Kasse. 2900 Euro soll die Restaurierung laut Gutachten kosten. Erstaunliche 1300 Euro sind bereits an Spenden zusammen gekommen. Mit der Zusage der fehlenden Mittel kann die Restaurierung beginnen. Mit einem Rollgerüst wird das Bild zeitnah abgenommen und in das Kieler Atelier transportiert. Dort wird der Schimmel an den Rändern der Vorder- und der Rückseite entfernt, ein Vlies soll vor Staubablagerungen und erneuter Schimmelbildung schützen. Nur der erste Teil der Stifterwidmung ist bisher vergoldet, auch hier wird nachgearbeitet. Außerdem soll die Befestigung erneuert und das Hanfseil durch ein Stahlseil ersetzt werden. „Das alles wird nicht länger als eine Woche dauern“, sagte Schmidt.

Über die spontane Zusage vom Landesamt für Denkmalschutz freuten sich auch Pastorin Nadja Jöhnk, Küsterin Karin Borngräber und Helmut Andresen vom Kirchbauverein. „Es ist schön, die Unterstützung in der Bevölkerung zu sehen. Auch unser Verein hat eine unheimliche Dynamik entwickelt. Wir haben inzwischen bereits 109 Mitglieder“, sagte Andresen.

> Wer unterstützen möchte: Kirchbauverein der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Arnis-Rabenkirchen, www.kirchenbauverein.de. Spendenkonto IBAN DE 63 2175 0000 0165 1794 17




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